Vormachtstellung
US-Rüstungsmarkt gibt den Takt vor

Das Signal ist eindeutig: Der britische Luft- und Raumfahrtkonzern BAE Systems steigt bei Airbus aus. 2,75 Mrd. Euro bekommen die Briten für 20 Prozent bei Airbus. Obwohl Airbus eigentlich viel Potential für die Zukunft verspricht, investieren die Briten ihr Geld lieber in einen Markt der noch weit mehr Potential verspricht: Die US-Rüstungsindustrie.

PORTLAND. „Wir wollen ein transatlantischer Rüstungskonzern werden“, sagt BAE-Chef Mike Turner. Und es ist vor allem der US-Verteidigungsmarkt, der ihn lockt. Seit Jahren gibt es Unkenrufe, dass Washingtons Füllhorn der Rüstungsausgaben leerer wird. Doch das Gegenteil ist der Fall. Trotz des wachsenden Haushaltsdefizits hält die Bush-Administration das Budget auf Rekordniveau.

Seit 2001 schwollen die Ausgaben um ein Drittel an – und die Kurve geht weiter nach oben. Budgetprojektionen bis zum Ende dieses Jahrzehnts gehen davon aus, dass die jährlichen US-Militärausgaben von 2005 bis 2009 von rund 402 auf 488 Mrd. Dollar steigen werden. Für das laufende Haushaltsjahr bewilligte der Kongress insgesamt 420 Mrd. Dollar. Zum Vergleich: Der Bundeswehretat für 2007 sieht Ausgaben von knapp 30 Mrd. Dollar vor.

Die massive Aufrüstung ist auch Industriepolitik: Während die USA vom Kühlschrank bis zum Laptop komplett aus Asien beliefert werden, kommen Rüstungsgüter fast ausschließlich aus dem Inland. Und US-Army, Navy und Air Force bestellen auch nur bei den einheimischen Lieferanten, ganze zwei Prozent des US-Beschaffungsbudgets gehen an ausländische Firmen.

Einzig die britische BAE Systems ist hier von Bedeutung und kauft sich kräftig in den US-Markt ein. Sieben Milliarden Dollar haben die Briten in US-Waffenschmieden gesteckt und stehen heute an siebter Stelle unter den Pentagon-Lieferanten. BAEs größter Coup war im vergangenen Jahr die Übernahme von United Defense Industries für 4,1 Mrd. Dollar. „Ohne die enge politische Bindung zwischen den Regierungen der USA und Großbritannien und die Beteiligung der Briten am Irak-Krieg wäre das gar nicht möglich gewesen“, sagt ein Rüstungsexperte.

Das Fachblatt Jane's Defence Industrie bringt es auf den Punkt: In absehbarer Zeit werden die USA soviel für Rüstung ausgeben, wie der Rest der Welt zusammen. Um sich von diesem Kuchen ein größeres Stück abschneiden zu können, erwägt BAE-Chef Mike Turner sogar die Verlegung des Firmensitzes in die USA.

Soweit geht die EADS nicht. Doch auch der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern will mit aller Macht auf den US-Markt. Gemeinsam mit Northrop Grumann bietet die EADS für die Erneuerung der US-Tankflugzeuge, die Kampfmaschinen der Air Force als fliegende Tankstellen dienen. Aber die Milliarden für die neue Flotte , um die sich auch Boeing bemüht, sind im Pentagon-Haushalt bislang nicht zu finden.

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