Vorstände fristlos entlassen
Thielert-Rettung gescheitert

Das Rettungspaket für den angeschlagenen Flugzeugmotorenhersteller Thielert ist am Mittwoch geplatzt. Grund für das Scheitern: Der Aufsichtsrat des Unternehmens entließ Firmenchef Frank Thielert und Finanzchefin Roswitha Grosser fristlos. Ihnen wird Falschbilanzierung vorgeworfen.

HB FRANKFURT. Der finanziell angeschlagene Flugzeugmotorenhersteller Thielert muss um seine Zukunft bangen. Wegen des Vorwurfs der Falschbilanzierung entließ der Aufsichtsrat nach Unternehmensangaben am Mittwoch Firmenchef Frank Thielert und Finanzchefin Roswitha Grosser fristlos. Damit platzt das erst vor wenigen Wochen vereinbarte Rettungspaket.

Grundlage der Kündigungen „sind unter anderem Erklärungen des Vorstands und Informationen, die der Aufsichtsrat vom Landeskriminalamt Hamburg im Rahmen laufender Ermittlungsverfahren gegen Vorstände der Gesellschaft erhalten hat“, teilte das Unternehmen am Abend mit. Es sei davon auszugehen, dass die Jahresabschlüsse 2003 bis 2005 der Gesellschaft wahrscheinlich fehlerhaft und möglicherweise nichtig sind. Anfang April hatte die Firma bereits angekündigt, dass Frank Thielert und Grosser ersetzt werden sollen.

„Aktionäre, die der Thielert AG ihre Unterstützung bei der Umsetzung des geplanten Sanierungskonzepts unter bestimmten Bedingungen zugesagt hatten, haben der Gesellschaft am 23. April 2008 mitgeteilt, dass sie dazu nicht mehr bereit sind. Das Maßnahmenpaket zur Behebung der Liquiditätskrise, über das in der Ad-hoc-Meldung vom 9. April 2008 berichtet worden war, kann deshalb nicht im geplanten Umfang durchgeführt werden“, hieß es in der Pflichtmitteilung.

Die Thielert-Aktie hatte zuletzt massiv an Wert verloren. Allein am Dienstag rutschte der Kurs zeitweise bis zu 40 Prozent ab.

Thielert steckt wegen schleppender Serienauslieferungen von Motoren an den Flugzeugbauer Cessna in einer tiefen Liquiditätskrise. Deshalb hatte Firmenchef Frank Thielert vor kurzem mit einem Notverkauf seines gesamten Aktienpakets mitgeholfen, dringend benötigte Mittel zu beschaffen. In den nächsten zwölf Monaten fehlen dem Unternehmen aber weitere 20 bis 24 Millionen Euro. Dieses Geld sollte durch eine Kapitalerhöhung hereinkommen, allein 20 Millionen wollten nach bisheriger Planung fünf Investoren um Großaktionär Global Opportunities Capital beisteuern. Dafür sollten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 20. Mai die Weichen stellen.

Thielert ist seit längerem wegen der umstrittenen Bewertung der ungewöhnlichen hohen Forderungen in seiner Bilanz in der Kritik. Das Landgericht Hamburg hatte im März die Bilanzen für die Jahre 2003 bis 2005 für nichtig erklärt. Gegen das Urteil hat Thielert Berufung eingelegt.

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