Vorstand und Betriebsrat von Opel streben Kompromiss an
Spiel mit dem Feuer

Die Bochumer Belegschaft pokert hoch. Sie droht, mehrere Werke in Europa stillzulegen und belastet damit die für heute angesetzten Gespräche zwischen Management und Arbeitnehmervertretern. Gewerkschaften und Betriebsrat laufen Gefahr, dass ihnen der Konflikt aus dem Ruder läuft.

HB FRANKFURT/BOCHUM. Denn trotz der Appelle aus Politik und vom Gesamtbetriebsrat legen die Arbeiter am besonders gefährdeten Bochumer Standort auch am Montag die Produktion lahm. Die Belegschaft hatte am Morgen zu Beginn der Frühschicht um 6 Uhr einstimmig entschieden, dass die seit Donnerstag ruhende Fertigung nicht wieder aufgenommen wird. Die Beschäftigten fordern vom Management weiterhin die Garantie, dass es in Bochum keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, sagte ein Belegschaftssprecher am Montagmorgen. Zudem fordert die Belegschaft, dass die Opel-Mutter General Motors ihre europaweiten Kürzungspläne zurücknimmt. Danach sollen in ganz Europa 12 000 GM-Stellen gestrichen werden, davon rund 10 000 allein in Deutschland. Die nächste Schicht in Bochum steht am Montag um 14 Uhr an.

Im Konflikt um drohende Massenentlassungen setzt Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz auf einen Kompromiss mit dem Management. Schon vor den heute beginnenden Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Opel-Vorstand „zeichnet sich wirklich eine Annäherung ab“, sagte Franz dem Handelsblatt. „Das Verhandlungsergebnis bei Karstadt ist das Vorbild.“ Bei dem angeschlagenen Warenhauskonzern soll die Sanierung ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Allerdings fürchtet Franz, dass die seit Tagen anhaltende Blockade des Bochumer Opel-Werks eine Verhandlungslösung erschwere.

Die Arbeitsniederlegungen in Bochum, wo rund 4 000 Arbeitsplätze gefährdet sind, seien emotional zwar nachvollziehbar, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende. „Wir brauchen jetzt aber eine intelligente Strategie auf der Arbeitnehmerseite, die Verhandeln und Kämpfen gleichzeitig einschließt.“ In der Kontroverse über den von der Opel-Mutter General Motors (GM) angekündigten Restrukturierungsplan, nach dem bis zum Jahr 2006 allein in Deutschland 10 000 Stellen gestrichen werden sollen, dürften die verschiedenen Opel-Standorte keine Einzelinteressen verfolgen, warnte Franz. Im Unterschied zu Bochum gibt es im Opel-Stammwerk Rüsselsheim, wo ebenfalls etwa 4 000 Jobs bedroht sind, keine Arbeitsniederlegungen.

Auch der Vizepräsident von GM Europa und Opel-Aufsichtsrat Carl-Peter Forster ließ Kompromissbereitschaft erkennen. Der Abbau von 10 000 Stellen bei Opel sei „kein Dogma“, sagte er nach einer Krisensitzung des Aufsichtsrats. Forster sprach von einem „vorläufigen Maßnahmenplan“ und hob hervor, die genannten Zahlen beim Stellenabbau sollten vor allem die „Größe des Problems“ markieren. Franz erklärte, bei den „sehr schwierigen Verhandlungen“ müsse die gesamte Wertschöpfungskette über Entwicklung, Einkauf und Produktion untersucht werden, um zu einer nachhaltigen Kostensenkung zu kommen. „Vielleicht gelingt es so, eine Bestandsgarantie für alle Werke bis zum Jahr 2010 zu erreichen.“ Er deutete an, dass mit der Arbeitnehmerseite über Entlohnung, Arbeitszeiten und Urlaub gesprochen werden könne, um die angestrebte jährliche Kostensenkung von jährlich mindestens 500 Mill. Euro zu erreichen. Franz räumte aber auch ein: „Ohne Arbeitsplatzabbau werden wir aus dieser Sache nicht herauskommen.“ In Verhandlungskreisen hieß es gestern, dass spätestens Ende November eine Einigung auf dem Tisch liegen müsse.

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