Vorstand von Zitzewitz
Q-Cells will Solarindustrie mit Verstaatlichung retten

Der Vorschlag ist so ungewöhnlich wie nicht umsetzbar: Q-Cells-Vorstand von Zitzewitz schlägt vor, die Solarbranche in Deutschland zu verstaatlichen. Aus eigener Kraft könne sich die Branche kaum sanieren.
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BitterfeldAm Tag, an dem der Bundesrat die Kürzung der Solarförderung vorerst gestoppt hat, kommt aus der Photovoltaik-Branche ein ungewöhnlicher Vorschlag. Der Vorstand des insolventen Solarmodulherstellers Q-Cells, Andreas von Zitzewitz, bringt eine Verstaatlichung der Branche ins Gespräch. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“ in ihrem Onlineportal wiwo.de.

Die Bundesregierung müsse jetzt entscheiden, ob sie diese Schlüsseltechnologie in Deutschland halten wolle, sagte von Zitzewitz dem Magazin am Donnerstag auf den Fraunhofer-Energietagen in Berlin. Dabei sei die Verstaatlichung kein Tabu. Aus eigener Kraft könne sich die Branche kaum sanieren.

Die Produktionskosten seien zwar seit 2009 um 20 Prozent gefallen, die Modulpreise aber mit 41 Prozent mehr als doppelt so schnell. Die Erlöse reichten gerade aus, um die Materialkosten zu decken. Auslöser des dramatischen Preisverfalls sei, dass die weltweiten Produktionskapazitäten mit rund 50 Gigawatt doppelt so hoch seien wie die Nachfrage, so von Zitzewitz weiter.

„Der Cash-Flow in der gesamten Industrie ist negativ, niemand verdient derzeit Geld“, sagte der Q-Cells Technik- und Produktionsvorstand. Den Vorwurf, die deutschen Solarunternehmen seien nicht innovativ genug, wies der Manager laut dem Bericht zurück: „Uns fehlt derzeit schlicht das Geld, die Innovationen umzusetzen“.

Von Zitzewitz räumte im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ auch eigene Fehler ein. So hätten viele Unternehmen in den guten Jahren zu wenig Rücklagen gebildet. Viel zu hohe Fremdfinanzierung sei ebenfalls Schuld an der derzeitigen Lage der Solarindustrie.

Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) musste am 3. April Insolvenz anmelden. Insolvenzverwalter Henning Schorisch will den Solarkonzern bis zum Spätsommer verkaufen. Schorisch hatte sich zuletzt optimistisch geäußert, dass die Sanierung ohne einen massiven Arbeitsplatzabbau möglich sei. Am Stammsitz von Q-Cells arbeiten 1300 Beschäftigte, weltweit hat der Solarkonzern 2200 Mitarbeiter, davon 500 in Malaysia.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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  • Wie kurzsichtig und ignorant wir doch alle sind.
    Gibt es denn Alternativen zu erneuerbaren Energien?
    Atomkraft, Strom aus Kohle - all das wird subventioniert in Milliardenhöhe.
    Klar. Jeder Privatmann kann und wird in absehbarer Zeit seinen Strom den er benötigt selbst erzeugen. Dank Windkraft, Sonnenkraft und geeigneten Speichermedien für Strom. Schon klar das einige Leute diesen Zeitpunkt möglichst lange herauszögern wollen. Die Frage ist doch nur, was unserer kranken Gesellschaft im allgemeinen wichtiger ist. Die Geldgier von RWE, EON, Merkel und Co unterstützen, uns in die Gefahr Atomkraft stürzen nur weil es so schön einfach ist oder vielleicht doch den Gesellschaftlichen Nutzen sehen.
    Übrigens, laut Hochrechnungen kommt es in 20 Jahren teurer wenn man heute nicht auf erneuerbare Energien setzt.

  • Über 50% des Strompreises sind bereits Steuern, EEG-Umlage, Abgaben und sonstige vom Staat verursachte Kosten. Der Staat schaltet willkürlich AKW ab und verursacht damit 100 Milliarden verlorenen Wohlstand für das Land. Der Staat besteuert die Stomerzeugung die er nicht haben will, und subventioniert die andere, solange bis alle das machen was er will. Der Staat hat die Kontrolle vom freien Markt übernommen, weil er arrogant ist und keinen Respekt vor dessen Entscheidungen (letztendlich der freien Entscheidung wie jeder sein selbstverdientes Geld ausgeben will) hat.

    Es macht doch keinen Unterschied mehr, da können wir gleich die Stromerzeugung komplett dem Staat überlassen. Die vielen privaten Unternehmen wie Solarhersteller und Windparks usw. sind eine Fassade die einen falschen Eindruck hinterlässt. Dahinter steht der deutsche Staat mit seiner eisernen Steuer-Faust, dahinter stehen Namen wie Merkel, Trittin, Schröder, und ja, auch "Schäuble".

  • Neben dem Bankensozialismus brauchen wir auch noch den Solarsozialismus. Hurra, Hurra, Hurra !!!

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