Vorstand will Elektroautos in Europa testen
Renault spielt die Öko-Karte

Kampfansage an die deutsche Autoindustrie: Der französische Renault-Konzern will sich als ökologischer Massenhersteller profilieren. Der Autobauer reagiert damit offensiv auf den hohen Benzinpreis und die steigenden Anforderungen an den Umweltschutz.

DÜSSELDORF. "Wir fokussieren unsere Ressourcen und dazu gehört die CO2-Reduktion als wesentliche Herausforderung", sagte Renaults operativer Chef (COO) Patrick Pélata dem Handelsblatt. "Wir sehen darin nicht nur eine Belastung, sondern eine große Chance für Renault."

Die Automobilbranche steht unter gewaltigem Druck, sich zu wandeln. Die Gesetzgeber beschränken vor allem in Europa, Japan und den USA den durchschnittlichen Ausstoß des Klimakillers CO2 innerhalb einer Fahrzeugflotte. Bleibt ein Hersteller dahinter zurück, drohen hohe Strafen. Vor allem die deutschen Anbieter sind aufgrund ihrer oftmals großen, PS-starken Autos betroffen. Angesichts der Rekordpreise von Benzin und Diesel greifen immer mehr Kunden nach verbrauchsärmeren Motoren. Um den für Europa mittelfristig vorgesehenen Grenzwert beim CO2-Ausstoß von 130 Gramm pro Kilometer einzuhalten, muss die Flotte eines Autobauers weniger als sechs Liter verbrauchen.

Vor diesem Hintergrund sieht Pélata für den vor allem in kleineren Fahrzeugsegmenten stark vertretenen Renault-Konzern einen Vorteil. "Die deutschen Premiumanbieter setzen bei der Bewältigung der Auflagen auf neue Technik. Aber der Preis, den die Kunden für ein Auto zu zahlen bereit sind, steigt nicht mehr. Die Menschen verfügen bestenfalls über ein stagnierendes Einkommen", sagte der Renault-Manager. "Profitieren werden Anbieter, die Verbesserungen ohne Preisaufschlag bieten."

Rückenwind kommt von Marktbeobachtern. "Die Kunden von Volumenherstellern sind kaum in der Lage, für teure Technologien zu bezahlen. Das ist zumindest kurzfristig eine Chance für Renault", sagte Unicredit-Autoanalyst Georg Stürzer.

Die Franzosen haben ein eigenes Umweltlabel namens eco2 kreiert, das neben geringerer Emission für ein Fahrzeug auch feste Recyclingquoten vorsieht. "Wir arbeiten an einer Ausdehnung des Konzeptes", sagte Pélata. Der Renault-Vorstand erwägt, eine umweltfreundliche Variante des Billigautos Logan zu bringen. "Wir denken darüber nach, einen eco2-Logan zu bringen", sagte Pélata. Der Logan wird von der rumänischen Tochter Dacia produziert und ist der Hoffnungsträger für Renaults ins Stottern geratene Wachstumsstrategie. Heute kommt mit dem Kompaktmodell Sandero der jüngste Ableger in Europa auf den Markt.

Parallel forciert Renault Elektroautos, gemeinsam mit der japanischen Tochter Nissan und dem Batteriehersteller NEC. "Wir sehen ein Marktpotenzial allein in Europa von mindestens zwei Millionen Fahrzeugen pro Jahr", sagte der Konzernvize. Renault bereitet derzeit einen Feldversuch in Israel vor. Ab 2011 sollen dort Serienautos auf den Markt kommen - Steuererleichterungen sollen den Absatz beflügeln. "Wir reden von einem normalen Auto in Bezug auf Komfort und Sicherheit - nur leiser", sagte Pélata. Elektro-Renaults sollen im Jahr 2012 auch in Europa serienreif sein. "Aktuell suchen wir nach Testländern in Europa", sagte Pélata.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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