Vorstands-Chef Hogan
ABB setzt Siemens mit Milliardenzukauf unter Druck

ABB-Chef Joe Hogan setzt auf ein Comeback der US-Wirtschaft und kauft für vier Milliarden Dollar den amerikanischen Motorenhersteller Baldor. Damit will er gegenüber dem Erzrivalen Siemens die Nase vorn behalten.
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Handelsblatt: Warum expandiert ABB ausgerechnet in den USA. Die Wirtschaft dort schwächelt und die US-Industrie liegt am Boden.

Joe Hogan: Wir wollten schon lange unsere Präsenz auf dem US-Markt ausbauen und hatten eine grosse Lücke bei den Motoren. Die USA müssen ihre Industrie wieder stärken. Ich bin sicher, dass die Industrie in den kommenden Jahren auch wieder stärker wachsen wird.

Handelsblatt: Einige Analysten meinen, der Preis für Baldor ist zu hoch.

Hogan: Wir zahlen die gängige Prämie für einen Marktführer wie Baldor. Zu dem Kurs der Krisenzeit vor zwei Jahren stand das Unternehmen nicht zum Verkauf.

Handelsblatt: Sie zahlen bar. Braucht ABB kein Finanzpolster mehr?

Hogan: Jedes Unternehmen hat eine eigene Persönlichkeit und Vergangenheit. Für ABB heißt das: Der Beinahe-Zusammenbruch des Unternehmens 2002/03 ist immer noch in der DNA der Firma. Die Leute hier haben nicht vergessen, dass sie der Pleite ins Gesicht geschaut haben. Deshalb sind wir jetzt eher vorsichtig. ABB hat eine sehr solide Bilanz. Aber wir müssen kein Bargeld horten, um das Unternehmen finanziell abzusichern.

Handelsblatt: Haben Sie noch weitere Übernahmeziele für ABB?

Hogan: Wir werden uns jetzt auf die Integration konzentrieren. Sollten sich aber günstige Kaufgelegenheiten bieten, werden wir zugreifen. Dabei schauen wir in Länder, in denen wir noch nicht ausreichend präsent sind. Das ist heute in fast allen Schwellenländern der Fall. Außerdem wollen wir uns verstärkt um den Markt für Datenzentren kümmern.

Handelsblatt: Dennoch haben Sie Chloride, ein Unternehmen das ABB den Zugang zum Markt für Datenzentren hätte öffnen können, ihrem Wettbewerber Emerson überlassen. Bedauern Sie das heute?

Hogan: Nein, der Preis war zu hoch. Wir schauen nicht zurück und werden unseren Weg auch so finden.

Handelsblatt: Einer Ihrer größten Konkurrenten, Siemens, feiert ein überraschendes Comeback. Was halten Sie davon?

Hogan: Ich konkurriere mit Siemens seit Beginn meiner Karriere und die größte Veränderung dort ist vermutlich, dass die führenden Leute heute das Ergebnis ihrer Arbeit selbst verantworten müssen.

Handelsblatt: Sind Siemens und General Electric die Gradmesser, um Ihren Erfolg bei ABB zu bestimmen?

Hogan: GE konkurriert nicht auf sehr vielen Gebieten mit uns. Auch mit Siemens gibt es in der Industrieautomation nur teilweise Überlappungen. Dennoch schaue ich natürlich auf Siemens, aber auch auf Schneider. Wir dürfen aber auch vor allem die neuen Wettbewerber aus Asien nicht aus den Augen lassen.

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