Vorstandschef Ekkehard Schulz zieht Investitionen vor
Thyssen-Krupp will Kapazitäten in China verzehnfachen

Thyssen-Krupp will sein China-Geschäft verstärken und bis Ende kommenden Jahres seine Fertigungskapazität für Stahl dort auf knapp 700 000 Tonnen verzehnfachen. Dies kündigte Vorstandschef Ekkehard Schulz in einem Gespräch mit dem Handelsblatt an.

PEKING. Schulz erwartet, dass China in diesem Jahr mehr als 200 Mill. Tonnen Stahl erzeugen wird, und will das Engagement seines Unternehmens ausbauen. Ihm seien in der vergangenen Woche von chinesischer Seite neue Projekte angetragen worden, die er nun gründlich prüfen wolle, sagte Schulz, der in einem Beratergremium des Pekinger Bürgermeisters sitzt. Das Stahlgeschäft trug bei Thyssen-Krupp in China im vorigen Jahr ein Drittel zum Umsatz von 1,09 Mrd. Euro bei. Seit 1997 ist das Chinageschäft des Konzerns jährlich um 23 % gewachsen.

Das Edelstahlwerk in Schanghai Pudong – das größte Stahl-Joint-Venture in China – werde bis Ende 2004 auf eine Kapazität von 280 000 Tonnen hochgefahren, sagte Schulz. Damit expandiert das Gemeinschaftsunternehmen „Shanghai Krupp Stainless“ (SKS) mit dem chinesischen Partner Shanghai Pudong Iron and Steel ein Jahr früher als geplant. Das Kaltwalzwerk ist seit November 2001 in Betrieb. Thyssen- Krupp hält an SKS 60 %.

Schulz begründet die Expansions-Dynamik mit der rasant wachsenden Bau- und Automobilindustrie, aber auch mit dem boomenden Markt für Hausgeräte in China. Das Land ist weltgrößter Stahlimporteur und muss knapp 70 % seines Bedarfs an Edelstahl einführen.

Wegen des rasant wachsenden Bedarfs werde „möglicherweise auch die dritte Stufe des SKS vorgezogen“, sagte Schulz. Sie beinhaltet eine Aufstockung auf 400 000 Tonnen pro Jahr. Danach sei die Komplettierung des Unternehmens zu einem integrierten Produzenten durch den Bau eines Stahl- und Warmwalzwerkes vorgesehen.

Zugleich kündigte Schulz an, Ende 2003 in dem neuen Stahlwerk in der ostchinesischen Küstenstadt Dalian die Produktion feuerverzinkter rostfreier Bleche mit einer Kapazität von 400 000 Tonnen für die Auto- und Bauindustrie aufzunehmen. Die Investition in dem 50:50 Joint Venture mit Angang New Steel beträgt 180 Mill. $. Derzeit werde „eine Vertiefung der Partnerschaft“ mit Angang ins Auge gefasst.

Schulz äußerte sich auch zu dem Transrapid-Projekt in Schanghai, der mit 31 km Länge ersten kommerziellen Schwebetechnik-Verbindung auf der Welt. „Wir konzentrieren uns mit aller Kraft darauf, dass dieses Projekt im Januar kommenden Jahres den großtechnischen Betrieb aufnimmt.“ Nach den technischen Problemen an der Strecke zwischen dem Flughafen Pudong und dem Ostteil der Schanghaier Innenstadt sei das Projekt im Zeitplan.

Schulz ist optimistisch, dass Anfang des nächsten Jahres über Nachfolgestrecken in China entschieden werde. Auch in anderen asiatischen Ländern bestehe Interesse an der Technologie. Wenn es zu Anschlussaufträgen in China komme, werde man ein Joint Venture mit einem lokalen Partner eingehen.

Kommander Wu, der chinesische Leiter des Transrapid-Projektes in Schanghai, hat der Entwicklungs- und Reformkommission die Vergabe einer Mittelstrecke bis 500 km an das Transrapid-Konsortium vorgeschlagen, um den Anteil lokaler Fertigung zu erhöhen und die Kosten um 40 % zu senken. Wu macht allerdings keinen Hehl daraus, dass China seine eigene Schwebe-Technologie entwickeln und zu einem weltweiten Standard erheben will.

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