Vorstandschef Hein unter Druck
Machtkampf beim Anlagenbauer IWKA

Der Chef des Maschinen- und Anlagenbauers IWKA, Wolfgang Dietrich Hein, ist schwer angeschlagen. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen hat der seit einem Jahr amtierende Manager keinen ausreichenden Rückhalt mehr, um die Sanierung des krisengeschüttelten Unternehmens fortzusetzen. Ein Machtkampf mit seinem Finanzchef Koch macht Hein zusätzlich zu schaffen.

DÜSSELDORF. Größter Anteilseigner des Karlsruher Konzerns ist der US-Investor Guy Wyser-Pratte, der bei der IWKA und anderen Unternehmen bereits zahlreiche Managementwechsel in die Wege geleitet hat. Wyser-Pratte hält acht Prozent an dem M-Dax-Konzern.

Personen aus Heins Umfeld betonen, dass der Vorstandschef „wild entschlossen“ sei, weiterzumachen. Eine heftige Auseinandersetzung am gestrigen Mittwoch Abend zwischen ihm und dem Finanzchef, Jürgen Koch, über die Ausrichtung des Konzerns lasse aber Zweifel an Heins Zukunft aufkommen. Ein IWKA-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Koch ist der erste Vorstand, der vom neuen Aufsichtsrat bestellt worden ist. Intern gilt er als Vertrauensmann des Kontrollgremiums. Sollte die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Hein und Koch nicht mehr gegeben sein, müsse der Vorstandschef die Konsequenzen ziehen und gehen, sagte ein Aufsichtsrat.

Nach Angaben aus Heins Umfeld geht es bei dem Machtkampf darum, ob die IWKA zerschlagen werden soll. Hein werfe Koch vor, dies anzustreben und so die Abhängigkeit von der Autoindustrie weiter zu steigern. Zuletzt hatte aber auch Hein eine Fokussierung auf das Robotergeschäft rund um die Augsburger Kuka-Gruppe ins Auge gefasst. Im Interview mit dem Handelsblatt hatte er Anfang September gesagt, dass ein Verkauf der Verpackungssparte denkbar sei. Damit war er seinem Großinvestor Wyser-Pratte entgegengekommen.

Doch das Vertrauen zwischen Hein und den Anteilseignern scheint bereits nachhaltig gestört zu sein. „Er verspricht dem Kapitalmarkt mehr, als er halten kann“, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. So sagte Hein auf der Hauptversammlung im Juni, dass der Verkaufsprozess bei der Tochterfirma Boehringer noch einmal geöffnet würde, weil großes Interesse bestehe. Am 3. August gab die IWKA dann einen Wertberichtigungsbedarf von mehr als 50 Mill. Euro bekannt, ein Großteil davon entfiel auf Boehringer. „Das war schon sehr seltsam“, sagt Erhard Schmitt, Analyst bei Helaba Trust. „Erst wird gesagt, der Verkauf von Boehringer läuft besser als erwartet, und dann kommt wegen Boehringer eine solche Gewinnwarnung.“

Beim jüngsten Handelsblatt-Firmencheck landete IWKA bei der Ertragsstärke von 130 untersuchten Unternehmen auf Platz 129. In den vergangenen vier Monaten hat die Aktie fast 40 Prozent ihres Wertes verloren. „Das Vertrauen fehlt“, sagt Schmitt. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass die IWKA eine Kapitalerhöhung durchführen wollte, es aber nach Rücksprache mit Investoren sein ließ. Da reagiert der Markt empfindlich.“

Hinter der IWKA liegt ein abenteuerliches Jahr. Hein wurde im August 2005 von einem Aufsichtsrat berufen, der eigentlich gar nichts mehr zu sagen hatte. Die Kapitalseite mit dem damaligen Vorsitzenden Reinhard Engel kündigte auf Druck von Wyser-Pratte bereits im Juli 2005 ihren Rücktritt an. In einer Art Trotzreaktion bestellten die Aufsichtsräte aber vor ihrem Abschied noch einen neuen Vorstandschef, ohne sich vorher mit den Großaktionären abgesprochen zu haben. Hein wurde von Aktionärsseite sogar abgeraten, das Amt anzutreten.

Wyser-Pratte, der Großaktionär des Konzerns, wollte sich nicht zu dem offenbar anstehenden Umbruch in Karlsruhe äußern. Er sagte nur: „Ich erwarte von der IWKA große Dinge.“

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