Vorstandschef Schrempp legt sich auf neue Strategie für den Fernen Osten fest
Daimler will es in Asien alleine schaffen

Der Autokonzern Daimler-Chrysler gibt seiner Asienstrategie eine neue Richtung. Knapp ein Jahr nach dem Rückzug vom japanischen Partner Mitsubishi Motors und dem Ausstieg beim koreanischen Hersteller Hyundai erteilt der fünftgrößte Autobauer der Welt erstmals neuen Kooperationen im Fernen Osten eine klare Absage.

GENF. „Wir suchen nicht nach neuen Partnern in Asien“, sagte Daimler-Vorstandschef Jürgen Schrempp in einem Interview mit dem Handelsblatt und dem „Wall Street Journal“. Daimler setzt damit künftig in der boomenden Region Asien ausschließlich auf das Wachstum der eigenen Marken.

Nach Ansicht von Experten haben die Stuttgarter auch kaum eine andere Wahl. Es gebe derzeit in Asien keinen Partner, der in Frage komme, urteilt Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler. Die japanischen Hersteller Toyota und Honda hätten kein Interesse, und die übrigen großen Autobauer in Asien befänden sich bereits in Allianzen. Im Frühjahr 2004 waren Schrempps Träume geplatzt, gemeinsam mit Mitsubishi den asiatischen PKW-Markt aufzurollen. Wenige Wochen später trennte sich Daimler auch von seiner Beteiligung am koreanischen Autohersteller Hyundai. Die Partner hatten sich heillos zerstritten.

Nirgendwo sonst in der Welt wächst aber die Nachfrage nach Autos, Bussen und Lastwagen derzeit so schnell wie im Fernen Osten. Doch Daimler zählt dort bislang als PKW-Anbieter nur zu den Nischenanbietern. Schrempps Ziel, den Umsatzanteil des Asien-Geschäfts von sieben Prozent im Jahr 2004 mittelfristig auf 25 Prozent zu erhöhen, rückt damit in den Augen von Analysten in weite Ferne. Derzeit erreicht nach Expertenberechnungen nur die Nutzfahrzeugsparte mit dem zu 85 Prozent von Daimler kontrollierten japanischen LKW-Bauer Fuso dieses Ziel.

Neben Japan ist für den Stuttgarter Konzern das Reich der Mitte inzwischen in den Mittelpunkt der Asien-Strategie gerückt. Der Autokonzern investiert in China mehr als eine Milliarde Euro in die Produktion von Jeeps, Personenwagen und Nutzfahrzeugen. „China wird in zehn bis 15 Jahren ein genauso großer Markt wie Europa oder die USA sein“, betonte Schrempp. Doch auch der Daimler-Chef stellt sich auf einen härteren Wettbewerb und sinkende Margen in China ein. Daimler habe jedoch bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass der Konzern regionale Schwankungen in der Gruppe ausgleichen könne.

Trotz der aktuellen Krise der wichtigsten Sparte Mercedes Car Group sieht Schrempp den Konzern unbeirrbar auf Kurs. „Wir sind auf einem guten Wege, einer der erfolgreichsten Autokonzerne zu werden“, sagte Schrempp. „Das Ziel, profitabelster Autobauer der Welt zu werden – gemessen an der Kapitalrendite besteht für uns weiter.“

Doch noch ist Daimler weit davon entfernt, Begeisterungsstürme bei den Analysten auszulösen. Alarmiert registrierten die Experten, dass Qualitätsprobleme und tiefrote Zahlen der Tochter Smart den Gewinn der wichtigen Mercedes-Gruppe im jüngsten Quartal um 97 Prozent einbrechen ließen. Schrempp will Mercedes aber wieder zur Nummer eins in Sachen Qualität machen. „Wir verbessern auch die Qualität der Fahrzeuge, die bereits auf der Straße sind, und bei den Neufahrzeugen liefern wir bereits Top-Qualität.“

Zu Spekulationen über seine Nachfolge, für die Mercedes-Chef Eckhard Cordes und Chrysler-Chef Dieter Zetsche favorisiert sind, gibt sich Schrempp zugeknöpft. Drei Jahre vor Ablauf seines Mandates sei das noch kein Thema: In Deutschland entscheide der Aufsichtsrat normalerweise im letzten Jahr, ob der Vertrag verlängert werde. Schrempp: „Ich weiß nicht, warum sie das im Jahr 2005 fragen, ich sitze doch heute hier, bin in guter Form und sehr glücklich.“

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