Vorstandschef tritt ab
Thielert fehlen fast 14 Millionen Euro

Der Flugzeugmotorenhersteller Thielert steckt nach eigenen Angaben bereits seit mehr als einem Monat tief in einer Liquiditätskrise. Spätestens Ende Juni benötige man 13,6 Mill. Euro, nachdem sich die Serienauslieferung von Flugmotoren verzögert habe, teilte das Hamburger Unternehmen am Donnerstag mit.

HB FRANKFURT. Mittelfristig braucht Thielert aber noch mehr Geld. Binnen zwölf Monaten seien 20 bis 24 Mill. Euro vonnöten, erst dann könne sich die Firma aus den erwarteten Einnahmen finanzieren. Deshalb sei eine Kapitalerhöhung zum Preis von 1,15 Euro je Aktie geplant, die bis zu 24 Mill. Euro einbringen könnte.

Firmengründer und Vorstandschef Frank Thielert werde sein Amt abgeben, aber im Vorstand bleiben, teilte das Unternehmen mit. Auch Finanzchefin Roswitha Grosser soll ersetzt werden.

Um die dringendsten Nöte zu lindern, ist Thielert seinem Unternehmen mit einem Darlehen über 2,65 Mill. Euro beigesprungen, das in zwei Jahren zurückgezahlt werden muss. Seine Aktien hat er dafür vollständig verkauft. Um den Kredit zu finanzieren, habe er die 2,65 Mill. Thielert-Aktien seiner Vermögensverwaltung TVV in einem Notverkauf zu je 1,00 Euro an fünf Finanzinvestoren abgegeben, darunter den Großakionär Global Opportunities Capital. Am Mittwoch schloss die im SDax notierte Aktie mit 4,69 Euro, am Donnerstag brachen die Titel zum Börsenstart um 46,1 Prozent auf 2,53 Euro ein. Binnen zwei Jahren könne Thielert die Papiere zu je 8,00 Euro wieder zurückkaufen. Die TVV war mit 13,9 Prozent am Unternehmen beteiligt.

Die gleichen Investoren hätten Thielert-Anleihen über 1,6 Mill. Euro gezeichnet. Sie seien bereit, unter Umständen weitere 3,9 Mill. Euro in gleicher Form zur Verfügung zu stellen, erklärte der Flugzeugmotorenbauer. Banken hätten neue Kreditlinien über 5,5 Mill. Euro zugesagt und kündigten die bestehenden Kredite nicht. Die fünf Finanzinvestoren wollten sich auch an der geplanten Kapitalerhöhung mit bis zu 20 Mill. Euro beteiligen.

Thielert ist seit längerem wegen der umstrittenen Bewertung der ungewöhnlichen hohen Forderungen in seiner Bilanz in der Kritik. Das Landgericht Hamburg hatte im März die Bilanzen für die Jahre 2003 bis 2005 für nichtig erklärt. Gegen das Urteil hat Thielert Berufung eingelegt. Zugleich sollen Experten von Ernst & Young die Bewertung von Forderungen aus den Vorjahren prüfen. Den Abschluss für 2006 korrigierte Thielert selbst und wies deutlich weniger Umsatz und Gewinn aus. Zahlen für 2007 liegen noch nicht vor.

Ursprünglich hatte das Unternehmen Entwicklungsleistungen nach dem Grad der Fertigstellung bilanziert. Nun werden Leistungen wie die Anpassung von Motoren an bestimmte Flugzeugmodelle erst mit Beginn der Serienfertigung verbucht.

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