Vorstandschef unter Druck
Kerkorian zieht sich bei GM weiter zurück

US-Milliardär Kirk Kerkorian zieht immer mehr Geld aus seiner Beteiligung am Autohersteller General Motors (GM). Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen hat er Aktien im Wert von 400 Mill. Dollar verkauft und damit seinen Anteil am weltgrößten Autobauer unter die meldepflichtige Grenze von fünf Prozent reduziert.

HB NEW YORK. Branchenbeobachter zeigten sich von dem Vorstoß überrascht. Als Reaktion auf die Mitteilung verlor die GM-Aktie am Donnerstag erneut mehr als drei Prozent auf 25,58 Dollar. Die Verkäufe Kerkorians verschärfen den Druck auf GM-Vorstandschef Rick Wagoner, den hoch verschuldeten Konzern in ruhigeres Fahrwasser zu bringen und positive Ergebnisse aus der laufenden Sanierung vorzulegen. Seit Wochen predigt Wagoner, die Wende zum Besseren sei inzwischen eingeleitet – freilich nach einem Rekordverlust von 10,6 Mrd. Dollar im Vorjahr.

Seit dem Scheitern der Allianzgespräche mit Renault/Nissan ist zwischen dem GM-Management um Wagoner und seinem größten Einzelaktionär ein offener Machtkampf ausgebrochen. Kerkorians Vertreter im GM-Board, der Finanzexperte Jerome York, hatte direkt nach Ende der Verhandlungen mit Renault-Chef Carlos Ghosn seinen Rückzug aus dem Kontrollgremium bekannt gegeben. Er habe „ernsthafte Zweifel“, ob GM mit seinem aktuellen Geschäftsmodell im Wettbewerb gegen japanische Hersteller bestehen könne, schrieb York in seinem Kündigungsbrief. Im Board werde nur das abgenickt, was vom Management vorgelegt werde, hatte York zudem kritisiert. Danach hatte Kerkorian mitgeteilt, auf die geplante Aufstockung seines GM-Anteils von knapp zehn auf zwölf Prozent zu verzichten. Seitdem hat der Investor 28 Mill. Aktien verkauft, die jüngste Tranche zu einem Preis von 28,75 Dollar pro Aktie. Das geht aus einer Pflichtmitteilung hervor, die die US-Börsenaufsicht SEC gestern erhielt.

Kerkorian hatte seine Beteiligung bei GM seit Anfang 2005 ausgebaut. Ende vergangenen Jahres verkürzte er sie zeitweise aus steuerlichen Gründen, stockte später aber wieder auf. Jetzt spekulieren Analysten, ob sich Kerkorian möglicherweise ganz von GM zurückzieht. Dafür spricht, dass er kürzlich seinen Anteil an dem Kasinobetreiber MGM Mirage auf 61,7 Prozent aufgestockt hat.

Fast zeitgleich teilte GM gestern mit, dass der Verkauf eines Mehrheitsanteils an dem lukrativen Finanzarm GMAC abgeschlossen sei. Ein von der Private-Equity-Firma Cerberus geführtes Konsortium habe 51 Prozent an GMAC erworben, hieß es. Der weltgrößte Autohersteller General Motors geht damit wie angekündigt an sein Tafelsilber, um sich Kapital für die laufende Sanierung des Konzerns zu beschaffen. Aus der Transaktion mit den Finanzinvestoren um Cerberus würden dem Autobauer über die nächsten drei Jahre 14 Mrd. Dollar an flüssigen Mitteln zugeführt, hieß es. GM bleibe allerdings mit 49 Prozent an der Finanztochter beteiligt.

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