Vorwürfe wegen Intransparenz
Wettbewerbszentrale vor Klage gegen Schleckers Arzneivertrieb

Schwere Vorwürfe gegen Schlecker: Nach Ansicht der Wettbewerbshüter führt der Konzern seine Kunden hinters Licht. Mit irreführender Werbung und kostenpflichtigen Beratungshotlines habe er unter anderem gegen die Apothekenbetriebsverordnung verstoßen. Doch der Konzern verteidigt sich.

FRANKFURT. Die deutschen Wettbewerbshüter wollen gegen die Drogeriemarktkette Schlecker eine Klage unter anderem wegen irreführender Werbung einreichen. Das sagte die zuständige Geschäftsführerin Christiane Köber gestern im Rahmen einer Pressekonferenz der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs.

Schlecker ist mit der Werbung und Beratungspraxis bei seiner Kooperation mit der niederländischen Versandapotheke Vitalsana in die Kritik geraten. Hier wollen die Wettbewerbshüter Klarheit schaffen. Aus der Werbung von Schlecker werde nicht deutlich, dass bei einer Arzneimittelbestellung nicht Schlecker, sondern eine ausländische Versandapotheke Vertragspartner des Kunden werde, kritisiert die Wettbewerbszentrale. "Das ist für den Verbraucher nicht transparent und irreführend", sagte Köber dem Handelsblatt.

Darüber hinaus beanstandet sie, dass die pharmazeutische Beratung bei Schlecker ausschließlich über eine kostenpflichtige Beratungshotline angeboten werde, und zwar nur dann, wenn der Kunde zuvor in die Aufzeichnung des Gesprächs eingewilligt habe. Das verstößt nach Meinung der Wettbewerbszentrale gegen die Apothekenbetriebsverordnung. "Die einschränkungslose pharmazeutische Beratung gehört zu den wesentlichen Pflichten eines Apothekers", sagte Köber. Da die Drogeriemarktkette einer Abmahnung der Wettbewerbszentrale nicht gefolgt sei, bereite man nun die Klage vor.

Die Drogeriemarktkette Schlecker äußerte sich gestern verwundert zu der beabsichtigen Klage. "Wir haben diverse Änderungsvorschläge gemacht und stehen weiter im Dialog mit der Wettbewerbszentrale", sagte der Leiter der Rechtsabteilung von Schlecker, Steffen Keinath. Zu den Gebühren der Beratungshotlinie befragt, sagte Keinath dem Handelsblatt, dass der Betrag von 14 Cent pro Minute als nicht kostendeckender Beitrag zu den Infrastrukturkosten erhoben werde. Solche Gebühren seien bei allen maßgeblichen Wettbewerbern seit Jahren gängige Praxis, so Keinath.

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