Vorwurf des Populismus
Energiebranche greift Glos an

Die großen Energiekonzerne wehren sich gegen den Vorwurf von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, es herrsche zu wenig Wettbewerb auf dem Strommarkt. Der Minister verkenne die Realität. Dagegen trifft Glos nach Einschätzung neuer Anbieter mit seiner Kritik ins Schwarze.

BERLIN. „Wer behauptet, es gebe keinen Wettbewerb, hat keine Ahnung – oder will beim uninformierten Teil des Publikums mit populistischen Argumenten Punkte sammeln“, sagte Jürgen Hogrefe, Generalbevollmächtigter des Energiekonzerns EnBW. Als Beleg für funktionierenden Wettbewerb führte Hogrefe an, seit der Liberalisierung der Strommärkte hätten bereits 80 Prozent der Industriekunden ihren Versorger gewechselt. Auch im Privatkundenbereich seien die Strukturen in Bewegung. Allein EnBW versorge über seine Tochter „Yello Strom“ 1,1 Mill. Privatkunden, die nicht im Bereich des EnBW-Netzes wohnten.

Glos hatte die Energiekonzerne im Gespräch mit dem Handelsblatt in mehrfacher Hinsicht scharf kritisiert: Sie hinkten bei der Einlösung ihrer Investitionszusagen hinterher, um das Stromangebot knapp und den Preis hoch zu halten. Außerdem beklagten Newcomer, ihnen werde der Zugriff auf das Netz der etablierten Unternehmen erschwert, sagte Glos. Er werde daher die Bemühungen der Bundesnetzagentur unterstützen, für einen diskriminierungsfreien Netzzugang zu sorgen. Der Wirtschaftsminister appellierte außerdem an Privatkunden, von ihren Möglichkeiten Gebrauch zu machen, den Stromversorger zu wechseln.

Die Branche kritisiert, sie werde vom Wirtschaftsminister zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Das ist ein durchschaubarer Trick. Es ist eben modern, mit dem Finger auf die Stromerzeuger zu zeigen“, sagte ein Energie-Manager. Der Markt sei heute so offen wie nie. Die Politik habe es in den vergangenen Jahren versäumt, für Planungssicherheit zu sorgen. Die Kritik der Politik an der Entwicklung der Strompreise sei scheinheilig; die administrativen Belastungen des Strompreises, die sich auf gut 40 Prozent summieren, seien schließlich von der Politik beschlossen worden.

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