Vorwurf des Währungsbetrugs
Venezuela ermittelt gegen Pharmakonzerne

Wegen mutmaßlichem Währungsbetrug stehen Pharmakonzerne wie Bayer und Merck im Visier venezolanischen Behörden. Die Unternehmen weisen die Anschuldigungen zurück.
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CaracasVenezuela wirft Pharmakonzernen wie Bayer und Merck Währungsbetrug vor. Entsprechende Ermittlungen seien eingeleitet worden, sagte Gesundheitsminister Henry Ventura in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die deutschen Unternehmen wiesen die Anschuldigungen zurück. Dem Politiker zufolge haben sie auf unlautere Art und Weise Vorteile aus subventionierten Wechselkursen gezogen. Sie hätten die Privilegien nicht für die Herstellung oder den Import von günstigen Medikamenten zur Behandlung chronischer Krankheiten genutzt. "Sie stellen die Arzneien her, die ihnen Gewinn bringen", kritisierte Ventura.

So habe Bayer 200 Millionen Dollar zu einem von der Regierung festgelegten günstigeren Wechselkurs erhalten, erklärte der Minister. Der Leverkusener Konzern habe ein Monopol bei Verhütungsmitteln. Dennoch seien sie in den Apotheken nicht erhältlich. Merck habe 285 Millionen Dollar bekommen. Das Schilddrüsen-Medikament Euthyrox sei aber ebenfalls aus den Apotheken verschwunden.

Beide Unternehmen wehrten sich gegen die Vorwürfe. Die von Ventura genannten Summen seien zu hoch. Merck habe noch nicht einmal die Hälfte bekommen, erklärte ein Sprecher. Aufgrund der Gesetzgebung in Venezuela sei es zudem nicht möglich, andere Medikamente zu liefern als die zugelassenen. Bei Euthyrox sei die Produktion im vergangenen Jahr kaum nachgekommen, da die Nachfrage weltweit sehr groß gewesen sei. Der Engpass sei inzwischen behoben. Bayer erklärte, trotz signifikanter Ausstände in dem Land eng mit der Regierung in Caracas zusammenzuarbeiten, um die Versorgung mit Medikamenten auch gegen die Bluterkrankheit, die Nervenkrankheit MS und Krebs sicherzustellen.

Venezuela betrieb bis vor kurzem eine rigide Devisenkontrolle. Dadurch hielten Firmen ihre Gelder in dem Land, da sonst hohe Verluste durch die Umrechnung entstanden wären. Im Kampf gegen den Schwarzmarkt legte das Land günstigere Kurse für Anbieter von Vorzugsgütern wie Nahrungsmitteln und Medikamenten fest. Zuletzt gab es aber immer wieder Engpässe bei der Versorgung. Um die in der Rezession steckende Wirtschaft anzukurbeln, lockerte Venezuela im Februar den Währungskurs.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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