Vorwurf: Konzern hat zuviel Geld in die Phaeton-Entwicklung gesteckt
VW-Luxustrategie steht in der Aktionärs-Kritik

Aktionäre des Volkswagen-Konzerns haben auf der Hauptversammlung von Europas größtem Autobauer in erster Linie dessen Luxusstrategie kritisiert.

HB HAMBURG. Der Wolfsburger Konzern habe zu viel Geld in die Entwicklung des Oberklassemodells Phaeton gesteckt und preisgünstigere Modelle vernachlässigt, hieß es bei Aktionärsschützern am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Hamburg. Es stelle sich die Frage wie lange sich VW den Phaeton noch leisten könne und ob es überhaupt noch nötig sei, den Bugatti einzuführen, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Die Luxusmarken kann sich VW in der derzeitigen Lage nicht leisten“, sagte auch Michael Schneider, Vertreter der Sparkassen Fondsgesellschaft Deka.

Und Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) forderte gar die Einstellung des Segments, sollte dort nicht binnen drei Jahren der Break-Even erreicht sein. Die Vertreterin von Deutschlands größter Fondsgesellschaft, der DWS, sorgte sich, dass Volkswagen sich auf Nebenschauplätzen zu Gunsten von Luxusträumen verzettele. „Vielleicht muss man den Traum fallen lassen, dass VW jemals wie BMW wird“, riet sie VW-Chef Bernd Pischetsrieder in Anspielung auf dessen früheren Arbeitgeber.

Im vergangenen Jahr hatte VW wegen der schwachen Konjunktur sowie zu hoher Erwartungen an das Luxussegment weit über eine halbe Milliarde Euro abschreiben müssen. Dies und weitere negative Einflüsse schmälerten das operative Konzernergebnis um knapp 63 Prozent. Außerdem drückten negative Währungseffekte die VW-Bilanz, so dass sich der Vorsteuergewinn auf 1,5 Milliarden Euro mehr als halbierte. Die Dividende soll um 19 Prozent gekürzt werden.

„VW ist ein Unternehmen mit viel Licht und viel Schatten. Leider überwiegen derzeit die Schattenseiten“, sagte Schneider, dem die geplante Dividendenkürzung angesichts der Lage des Konzerns noch nicht weit genug geht. Martius kritisierte dagegen, dass für 2003 mit 40 Prozent nicht einmal die Hälfte des Ertrages ausgeschüttet werden solle. Zudem bestehe im Konzern zu viel eigene Konkurrenz, fügte Hocker mit Blick auf die Ausrichtung von VW hinzu. „Das geht hin bis zum Kannibalismus.“

Die Aktionärsvertreter begrüßten allerdings die Übernahme des ABN-Flottenmanagements durch VW zusammen mit zwei weiteren Investoren, auch weil dadurch die Frage nach der Verwendung der eigenen Aktien geklärt werde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%