Vorwurf von Schmiergeldzahlungen
Ermittlungen bei Thyssen-Krupp können noch Monate dauern

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf steht erst am Anfang ihrer Ermittlungen wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen deutscher Konzerne beim Export von Kriegsschiffen nach Südafrika. Thyssen-Krupp reagiert jedoch gelassen auf den Vorwurf.

HB DÜSSELDORF. Justizsprecher Peter Lichtenberg sagte am Montag, die Ermittlungen könnten noch Monate dauern. Zu Einzelheiten der Vorwürfe wollte er sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ soll ein vom Thyssen-Konzern angeführtes Schiffsbau-Konsortium bei dem Verkauf von vier Fregatten an Südafrika illegal Schmiergelder in Höhe von rund 15 Mill. Euro gezahlt haben. Das Geld sei in der Bilanz unrechtmäßig als „nützliche Aufwendungen“ geltend gemacht worden. Ermittelt werde deshalb wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Bestechung. Am 19. Juni seien Firmenräume bei Thyssen, den Schiffbauern Blohm + Voss in Hamburg und Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel sowie bei MAN Ferrostaal durchsucht worden, berichtete das Magazin.

Thyssen-Krupp bestätigte die Durchsuchungen. Konzernsprecherin Alexandra Klemme sagte,nach derzeitigem Kenntnisstand gehe man aber davon aus, dass sich der Verdacht unzulässiger Provisionszahlungen nicht bestätigen werde. Das Unternehmen habe ein hohes Interesse an einer vollständigen Aufklärung und kooperiere mit den Behörden.

Für das fragliche Geschäft hatte Südafrika deutschen Werften Ende 1999 einen Milliardenauftrag zum Bau von vier Korvetten des Typs MEKO A200 und drei U-Booten erteilt. Die mit kombiniertem Propeller- und Wasserstrahlantrieb ausgestatteten Korvetten wurden bis 2004 ausgeliefert.

Auf südafrikanischer Seite war an der Abwicklung die Firma African Defence Systems (ADS) beteiligt. Dessen Miteigentümer Schabir Shaik war 2005 wegen Korruption zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, hat aber Revision eingelegt. Laut „Spiegel“ kam ein südafrikanischer Untersuchungsbericht 2001 zu dem Ergebnis, dass das deutsche Schiffskonsortium nicht einmal die erste Auswahlrunde im Bieterverfahren hätte überleben dürfen. Gleich mehrere Vorgaben seien nicht erfüllt worden.

Die Börse zeigte sich unbeeindruckt von den Vorwürfen. Der Kurs der Thyssen-Krupp-Aktie stieg bis Montagnachmittag um gut ein Prozent.

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