VW-Abgasskandal
Der Autoindustrie wird das Tricksen leicht gemacht

Autohersteller haben Tricksen, Täuschen und Tarnen perfektioniert und hatten das Pech, erwischt zu werden. Doch die echten Probleme liegen tiefer – und sind auch in einer Politik begründet, die lieber aktiv wegschaut.

DüsseldorfSie werben mit Begriffen wie „clean“, „blue“, „efficient“ und „green“. Aber es geht den Herstellern nur darum, gesetzliche Schlupflöcher auszunutzen, um die eigene Rendite zu steigern. Diesen Eindruck bekommt der Autokäufer, der die Schlagzeilen in der aktuellen Abgas-Affäre um manipulierte Volkswagen-Fahrzeuge studiert. Doch die Hersteller, vor allem die deutschen, wären kaum in der Lage, mit altbekannten Tricks und Schummeleien durchzukommen, würde der Gesetzgeber dabei nicht aktiv wegschauen. Einige historische Beispiele zeigen das sehr deutlich.

Beim Kat auf die Bremse getreten

Beginnen wir mit dem Abgas-Katalysator, kurz Kat. Die Älteren werden sich noch an seine Einführung erinnern, das Waldsterben war damals ein großes Thema. 1950 wurde der erste Kat erfunden, 1973 dann der Drei-Wege-Katalysator, der bereits ein Jahr später in den USA Pflicht wurde. In Deutschland vergingen weitere 15 Jahre, bis die umweltschonende Abgasreinigung in Deutschland 1989 für Neuwagen verpflichtend wurde. Weitere vier Jahre vergingen, bis 1993 dann wirklich nur noch Neufahrzeuge mit 3-Wege-Katalysator zugelassen werden durften. Die Schweiz, Österreich und Schweden waren schneller.

In der Zwischenzeit warb die deutsche Autoindustrie zwar mit „Innovationen made in Germany“, doch als es darum ging, etwas für die Umwelt zu tun, mauerten die Konzerne. Zur erfolgreichen Verzögerungstaktik in Sachen Kat trug bei, dass bis Mitte der 1980er-Jahre nur bleihaltiger Kraftstoff vertrieben wurde und die Fahrzeughersteller der notwendigen Einführung bleifreier Kraftstoffe sehr kritisch gegenüberstanden.

Und was passierte 1987, als inzwischen 650.000 Autos mit Kat ausgestattet waren? „Die Zeit“ berichtete über einen Betrugsversuch der deutschen Hersteller Opel und Daimler, ein Bundestagsabgeordneter der Grünen klagte vor Gericht.
Der Vorwurf: Die Konstrukteure hätten elektronisch geregelte Kats in die dadurch steuerbegünstigten Autos eingebaut, die aber bei Vollgas gar nicht so umweltfreundlich seien, wie vom Gesetz vorgeschrieben.
Abgasexperten des Umweltbundesamtes und des TÜV Essen bestätigten die Richtigkeit der Vorwürfe, nämlich dass die Lamdasondenregelung durch zusätzliche Kraftstoffzuführung bei Vollgas praktisch außer Kraft gesetzt wurde. Die Hersteller sagten, dies sei technisch zum Rundlauf des Motors nicht zu vermeiden.

Der Vorfall klingt im Herbst 2015 irgendwie merkwürdig vertraut. Zur Verteidigung brachten die betroffenen Hersteller damals übrigens vor, statistisch gesehen würde nur ein Prozent der jährlich hierzulande absolvierten Kilometer mit Vollgas gefahren.

Der von den Gesetzgebern auf die Belange der Hersteller maßgeschneiderte EU-Prüfstandtest zur Feststellung des Schadstoffausstoßes sah zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Vollgasfahrt vor und endete bei 50 km/h. 1987 war das, 13 Jahre nach Einführung des Golf GTI und zwei Jahre vor dem DDR-Mauerfall.

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