VW-Abgasskandal
„Wir werden die Verantwortlichen weiter verfolgen“

Trotz Milliarden-Vergleichs mit dem US-Justizministerium ist der Abgasskandal für VW nicht ausgestanden: Der Konzern erhält einen externen Aufpasser, sechs Manager werden angeklagt – und weitere Verantwortliche gesucht.
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Washington/WolfsburgVolkswagen hat mit der US-Regierung einen milliardenteuren Vergleich im Dieselskandal ausgehandelt. Demnach muss der Wolfsburger Konzern wegen der Abgasmanipulation in den USA umgerechnet 4,1 Milliarden Euro Bußgelder und Strafe zahlen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Vergleich sieht außerdem vor, dass der Autobauer seine Schuld nach US-Strafrecht anerkennt. Nach VW-Angaben ist er aber keine Grundlage für Rechtsstreitigkeiten außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Konzern muss außerdem sein internes Kontrollsystem zur Einhaltung von Vorschriften verbessern und sich für drei Jahre einer unabhängigen Aufsicht unterwerfen.

Dem zugleich veröffentlichten Gerichtsdokument zufolge räumt VW ein, Behörden und Kunden von Mai 2006 bis November 2015 betrogen zu haben hinsichtlich der Emissionen von knapp einer halben Million Dieselfahrzeuge. Das Unternehmen bekenne sich der Verschwörung und der Behinderung der US-Justiz schuldig.

Verantwortlich seien Manager unterhalb der Vorstandsebene. Insgesamt nannten die Ermittler sechs führende Manager des VW-Konzerns namentlich, gegen die Strafanzeigen gestellt werden sollen. Unter diesen angeklagten Manager befinden sich neben dem bereits festgenommenen Oliver Schmidt auch der ehemalige Leiter der Entwicklungsabteilung der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, zwei leitende Motorenentwickler und zwei Qualitätsmanager. In Regierungsdokumenten wird den VW-Vertretern vorgeworfen, gegenüber den Umweltbehörden gelogen oder Dateien mit Beweismitteln vernichtet zu haben.

„Es sind keine multinationalen Unternehmen ohne Gesicht, die Verbrechen begehen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut“, sagte die stellvertretende Generalstaatsanwältin Sally Yates. Ob alle Konzernvorstandsmitglieder wie der zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn nun aufatmen können, bleibt offen. Justizministerin Loretta Lynch betonte, die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. „Wir werden die Verantwortlichen, die diese schädliche Verschwörung orchestriert haben, weiter verfolgen.“

Der stellvertretende FBI-Chef Andrew McCabe sagte, dass man zwar keine Firmen ins Gefängnis bringen, jedoch die Mitarbeiter persönlich zur Verantwortung ziehen könne. „Wir können Konzerne dazu zwingen, heftige Strafen zu zahlen“, erklärte er. Die Geldstrafe von 4,3 Milliarden Dollar für VW ist die höchste, die die US-Behörden jemals einem Autokonzern aufgebrummt haben.

VW-Chef Matthias Müller erklärte: „Volkswagen bedauert die Handlungen, die zur Dieselkrise geführt haben, zutiefst und aufrichtig.“ Die Vereinbarungen zeigten, dass VW entschlossen gegen Fehlverhalten vorgehen wolle. „Sie sind ein wichtiger Schritt nach vorne für unser Unternehmen und alle Mitarbeiter.“

Der Vergleich mit dem Justizministerium muss nun noch vom zuständigen Gericht abgesegnet werden. Die Einigung sieht auch vor, dass VW seine Kontrollsysteme verstärken muss sowie für die nächsten drei Jahre auf „Bewährung“ gesetzt und von einem externen Aufseher überprüft wird.

Das US-Justizministerium hatte den Wolfsburger Konzern vor fast genau einem Jahr verklagt wegen des Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz. Volkswagen hatte im September 2015 die Manipulation von elf Millionen Autos weltweit zugegeben, darunter knapp eine halbe Million Fahrzeuge in den USA. Dort war der Skandal auch aufgedeckt worden. Eine illegale Software sorgte dafür, dass Grenzwerte für gesundheitsschädliches Stickoxid nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Im normalen Straßenverkehr liegen sie um ein Vielfaches höher.

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  • ... die Verantwortlichen weiter verfolgen.........
    Was bei Bin Laden verpennt wurde, muß jetzt bei VW aufgearbeitet werden.
    Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

  • Natürlich Herbert ist nachvollziehbar.

    Im übrigen Moral und Ethik sind keine Bilanzpositionen.
    Kein Gericht der USA wird die eigene Wirtschaft schädigen, so etwas gibt es nur in Schilda !

    Darüber zu diskutieren ist müssig, es müssen hier wieder Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass dieses Land wieder funktioniert !

  • Die Verantwortlichen suchen und anklagen .. Ja, ja.
    Ablenken vom scharfen Abkassieren ist das, für mich den klaren Vorrang hatte.

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