VW-Affäre
Prozess gegen ehemalige Betriebsrat-Geliebte ausgesetzt

Die frühere Geliebte von Ex-VW-Betriebsratschef Volkert muss sich nochmal wegen Untreue verantworten, bleibt dem Prozess um Schmiergelder und Lustreisen aber fern. Der Richter pocht auf ihre Anwesenheit.
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BraunschweigDie Dienste der Dolmetscherin wurden nicht benötigt. Adriana Barros, die langjährige brasilianische Geliebte des ehemaligen Volkswagen-Betriebsrats Klaus Volkert und eine der Beschuldigten in der VW-Affäre, ist zu ihrem Prozess am Landgericht Braunschweig nicht erschienen. „Sie möchte kommen, sie kann nur nicht“, erklärte ihr Anwalt Hans-Joachim Gerst. Weder gesundheitlich noch finanziell sei es ihr möglich, an den Verhandlungen teilzunehmen. Das Gericht entscheidet daraufhin: Die Verhandlung wird ausgesetzt. Es müsse versucht werden, der Angeklagten die Teilnahme zu ermöglichen.

Adriana Barros muss sich wegen Beihilfe zur Untreue in 26 Fällen vor Gericht verantworten. Über 350.000 Euro soll Barros für Scheinaufträge für Werbefilme und an Spesen für gemeinsame Luxusreisen mit ihrem ehemaligen Geliebten Volkert von Volkswagen kassiert haben. Das Amtsgericht Wolfsburg sprach Barros im Mai von den Vorwürfen frei. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch Berufung gegen das Urteil ein.

Wann nun in zweiter Instanz eine Entscheidung gefällt werden kann, ist weiter unklar. Wie der Anwalt der Angeklagten mitteilte, befindet sich Adriana Barros in ärztlicher Behandlung. Aus juristischer Sicht ist der Prozesses auch ohne die Anwesenheit der Angeklagten möglich. Adriana Barros ließ jedoch über ihren Anwalt mitteilen, sie sei jeder Zeit bereit, Fragen des Gerichtes zu beantworten.

Sieben Jahre war Adriana Barros die geliebte des ehemaligen VW-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert. Die beiden lernten sich 1999 in einem Hotel in Brasilien kennen, in dem Barros an der Rezeption arbeitete. Jahrelang reiste die studierte Journalistin immer wieder nach Europa, um sich mit Volkert zu treffen. „Für mich war Volkert ein mächtiger, sehr gut verdienender Mann“, hieß es in der Stellungnahme.

Dass nicht Volkerts, sondern VW ihre privaten Treffen bezahlte, habe sie nicht gewusst. Doch die Staatsanwaltschaft bezweifelt genau das. Außerdem wirft sie Barros vor, dass sie insgesamt 250.000 Euro durch Scheinverträge für Werbefilme erhalten habe, ohne eine Gegenleistung zu bringen. Die Staatsanwaltschaft fordert deshalb eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

Der Skandal habe ihre berufliche Karriere beendet, erklärte die Journalistin in ihrer Stellungnahme. Doch sie glaube an Gerechtigkeit und hoffe nun, dass sie durch den Prozess ihre „Würde als menschliches Wesen“ wiederherstellen könne.

In der VW-Affäre spielt Adriana Barros nur eine kleine Rolle. 2005 war bekannt geworden, dass der ehemalige VW-Personalvorstand Peter Hartz über Jahre hinweg Betriebsratsmitgliedern Luxusreisen und auch Prostituierte bezahlt hatte. Als einziger der 14 Beschuldigten wurde Klaus Volkert zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach einem Jahr und neun Monaten kam der ehemalige Betriebsratsvorsitzende jedoch vorzeitig frei. Peter Hartz wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von über 500.000 Euro verurteilt.

Jacqueline Goebel
Jacqueline Goebel
WirtschaftsWoche / Redakteurin

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