VW-Affäre und Gewerkschaften
Die IG Metall fürchtet den großen Crash

Was die Finanzkrise für die Banken war, könnte die VW-Affäre für die Industrie werden, fürchtet IG-Metall-Chef Wetzel. Mit Schuldzuweisungen hält sich der Gewerkschafter zurück. Klar sei: „Die Putzfrau war es nicht.“
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FrankfurtEigentlich soll es um die Mitgliederentwicklung gehen, um Leiharbeit und Werkverträge und gute Arbeit im digitalen Zeitalter. Deshalb hat die IG-Metall-Spitze am Montagabend eine kleine Runde von Journalisten in die 20. Etage des Frankfurter Interconti-Hotels geladen, mit Blick auf den Main zu Füßen und den EZB-Tower in der Ferne. Vorbereitung auf den Gewerkschaftstag der IG Metall, auf dem die weltgrößte Einzelgewerkschaft ab dem 18. Oktober eine neue Führung wählen und das Arbeitsprogramm für die kommenden vier Jahre beschließen will.

Doch über gute Arbeit zu reden, fällt schwer an diesem Abend. Zu weit reicht der Schatten der VW-Affäre. Lug und Trug in Wolfsburg und Übersee beschädigen den Standort Deutschland – und setzen damit möglicherweise Tausende Jobs aufs Spiel. Die Autobranche ist das Herz der deutschen Industrie, jeder siebte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt von ihr ab. Deshalb sind die Sorgen groß in der IG-Metall-Zentrale an der Wilhelm-Leuschner-Straße. Was die Finanzkrise für die Banken war, könnte die VW-Affäre für die Industrie werden.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte hat das Gütesiegel „Made in Germany“ schwer beschädigt, fürchtet IG-Metall-Chef Detlef Wetzel. Er habe nicht für möglich gehalten, was sich in dem Konzern abgespielt habe, sagt der scheidende Gewerkschaftsvorsitzende. Volkswagen befinde sich in einer „extrem beunruhigenden Situation“, und es sei wahrscheinlich, dass die Krise auch auf das Auto als Produkt abfärbe. „Das ist etwas, was nie hätte passieren dürfen.“ Von ihrer nationalen Bedeutung her sei die VW-Affäre durchaus mit der Finanzkrise 2008/09 vergleichbar.

Mit Schuldzuweisungen hält sich der IG-Metall-Chef allerdings zurück. Es sei nun zunächst mal Sache der internen Ermittler und der Staatsanwaltschaft, die Verantwortlichkeiten zu klären. Eins sei aber auch ganz klar: „Es war sicher nicht die Putzfrau, die das verantwortet hat.“ Die Entscheidung, die Trickser-Software einzusetzen, sei von Leuten mit Macht und Einfluss getroffen worden.

Eine Mitverantwortung des Konzernbetriebsrats unter seinem mächtigen Vorsitzenden Bernd Osterloh weist Wetzel zurück: „Die Mitbestimmung nach dem VW-Gesetz bezieht sich nicht auf die Frage, welche Komponenten in einen Motor eingebaut werden.“ Natürlich müsse sich jeder an verantwortlicher Stelle fragen lassen, warum er von dem Skandal nicht früher erfahren habe. Aber wenn jemand mit krimineller Energie vorgehe, sei dem kaum beizukommen.

Zu lange seien Erfolge allein VW-Chef Martin Winterkorn gutgeschrieben und Misserfolge der Mitbestimmung angelastet worden. Bei dieser „Arbeitsteilung“ werde er nicht mitmachen, sagte der IG-Metall-Chef, der sein Amt beim Gewerkschaftstag an seinen Vize Jörg Hofmann abgeben will.

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„Wir zahlen nicht für eure Krise“

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  • Was wusste das Ideenmanagement in den VW-Werken?

    Das Ideenmanagement im VW-Werk sollte über den Zeitpunkt der Manipulationen bei den bestimmten Fahrzeugen mit Dieselmotoren Auskunft geben können.

    So funktioniert das Ideenmanagement: Ideen werden zwecks Arbeitserleichterungen in den Produktionsprozessen, für eine Güteverbesserung von Fahrzeugen und besonders für die Senkung von Produktionskosten als Verbesserungsidee im Ideenmanagement eingereicht. Dafür winkt eine Prämie von 25,- € bis zu über 1 Millionen € (sehr, sehr selten). In der Abteilung „Ideenmanagement“ werden die Vorschläge von Technikern geprüft und bewertet. Ist die Verbesserungsidee erfolgreich, wird eine Prämie festgelegt und auf das Konto des VW Mitarbeiters überwiesen.

    Die Verbesserungsideen von Bandarbeitern, werden zumindest vom Meister, dem U-Abteilungsleiter und dem Abteilungsleiter abgesegnet und bringen vorwiegend nur kleine Prämien. Manchmal teilen sich mehrere Mitarbeiter eine Verbesserungsidee.

    Von „schwerwiegenden“ Verbesserungsideen weiß eigentlich nahezu jeder VW-Mitarbeiter bescheit, auch der Betriebsrat. Die Manipulation bei den Emissionswerten von Dieselmotoren wird aus der Entwicklungsabteilung kommen. Wie viel Geld für diese Verbesserungsidee geflossen ist, ist im positiven Bescheid nachzulesen. Ist diese Zahlung unter der Hand erfolgt?

    Dieser bewusste Betrug ist eine vorsätzliche kriminelle Handlung. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser bewusste Betrug aus niederem Anlass erfolgte. Demzufolge ist nicht mit mildernden Umständen zu rechnen.

    Gesundheitliche Schadensforterungen halte ich für lächerlich. Viele Menschen rauchen wie der Teufel oder saufen wie verrückt. Wo bleibt hierbei die eigene Selbstverantwortung? Genau so gut könnten Nichtraucher gegen Raucher klagen, die Raucher verpesten die Umwelt in der Summe schlimmer als ein Dieselfahrzeuge.

  • @Karsten Schiefelbein: Genderwahnsinn bei einer Autodebatte? Lenken Sie nur ab, das bringt uns der Lösung näher.

  • Ja natürlich reicht die deutsche Ingenieurskunst aus, um die betreffenden Fahrzeuge vernünftig nachzurüsten. Leider kostet es ein Vermögen und damit sind die Regress- und Schadensersatzansprüche noch nicht abgegolten. In den USA kennt man auch die "punitive damages", das kann sehr teuer werden. Das Thema ist spannend, da wird darüber berichtet, nichts anderes erwarte ich.

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