VW auf der Auto-Show in Shanghai
Der erkältete Konzern

Der Machtkampf in der Heimat belastet den VW-Auftritt in China. Die Show läuft auf Autopilot. Und auch Konzernchef Winterkorn muss krankheitsbedingt absagen. Dabei ist der Markt das Rückgrat des Konzerns.
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ShanghaiBerni und die Bayern haben die lange Reise geschafft. Die Pappfiguren mit dem Konterfei von Arjen Robben, Philipp Lahm und dem zotteligen Bayern-Maskottchen sind ein beliebtes Fotomotiv bei den chinesischen Gästen. Die VW-Töchter Audi und MAN haben sich den Gag ausgedacht, um die Stimmung zu lockern vor dem wuchtigen Eingangsportal der Silverhall auf dem Messe-Gelände in Schanghai.

Ein wenig Heiterkeit an diesem Abend kann nicht schaden, denn die Laune ist mau bei den VW-Verantwortlichen. Die Nachrichten aus Deutschland und der Machtkampf im Aufsichtsrat heizen Spekulationen an. Und dann sagte Konzernchef Martin Winterkorn auch noch die Reise nach Schanghai ab. Wobei alle versichern: „Wiko“, der vermeintliche Sieger der vergangenen Woche, wäre wirklich gerne gekommen. „Doch mit einer Erkältung wollte er sich den langen Flug nicht antun“, heißt es in seinem Umfeld.

Eine Show auf Autopilot

Es wird getuschelt: Wie geht es weiter im Aufsichtsrat? Hat Ferdinand Piëch tatsächlich angeboten, seine Anteile zu verkaufen? Wie darf man sich die Hauptversammlung Anfang Mai vorstellen?

9000 Kilometer entfernt von Wolfsburg wirkt das Bild konfus und bizarr. Auch ohne „Wiko“, der ohnehin nur für ein paar Grußworte eingeplant war, läuft die Show in Schanghai auf Autopilot. 1500 Zuschauer lauschen Ding-Ding und Yu Fen, den Finalisten der TV-Show „Voice of China“. Eine Übersetzung für den Gesangstitel gibt es nicht, der Song klingt aber fetzig. Teenies applaudieren und johlen. Man wähnt sich wie einst bei der Schluss-Sendung von „Wetten, dass..?“.

Dann geht es doch um Autos

Es folgt ein Schnelldurchgang durch die Welt von Volkswagen. Jede Marke darf sich präsentieren. Jochem Heizmann, Vorstand fürs China-Geschäft, beginnt. Auch seine Stimme klingt leicht belegt. 2014 hat er ein weiteres Wachstumsjahr hinter sich gebracht. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge legte um 12,4 Prozent auf 3,67 Millionen Fahrzeuge zu. Damit ist China mittlerweile der wichtigste Einzelmarkt im VW-Reich. Doch dieses Jahr dürfte es schwieriger werden, sagen alle Prognosen.

Darum braucht VW auch in China den Rückenwind der hauseigenen Premiummarke. Doch auch die Audi-Vorstände Rupert Stadler und Ulrich Hackenberg, die auf Heizmann folgen, sprühen in Shanghai nicht gerade vor Esprit. Es sind abgelesene Präsentationen, spontan wie die „Tagesschau“. Es geht um die Vernetzung der Autos (sehr wichtig) und die Elektro-Offensive (ganz wichtig). Zwischendurch chinesischer Break-Dance und Lastwagen von Scania.

Vorstand für Vorstand spult seine Präsentation ab. Schöne Autos, große Kulisse, Trockeneis. Es gilt der Satz eines Verantwortlichen, mit süß-saurer Miene vorgetragen: „Am Ende sind wir alle Profis.“

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