VW-Bank-Vorstand
„Südeuropa fordert uns“

Ein Ende der Flaute in Südeuropas ist nicht abzusehen. Das hat dramatische Folgen für die VW-Bank. Wieso darin auch Chancen liegen, erklärt Vertriebsvorstand Lans-Henner Santelmann im Interview.
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BraunschweigDie lahmende Autokonjunktur in Südeuropa trifft auch die größte europäische Autobank hart. Jedoch böten Märkte wie Spanien und Portugal ebenso neue Möglichkeiten, sagt der Vertriebsvorstand der VW-Finanztochter, Lans-Henner Santelmann, im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Bei Autokrediten will das Unternehmen Nischen besetzen, die durch den Rückzug angeschlagener Hausbanken frei werden - und im Gebrauchtwagengeschäft angreifen.

Herr Santelmann, Ihr Konzern-Vertriebsvorstand Christian Klingler sieht die Lage in Südeuropa weiterhin mit Sorge. Global stehe VW blendend da, doch die Schwäche auf dem Heimatkontinent dürfte dauern. Was bedeutet das für das Finanzierungs- und Leasinggeschäft?

Santelmann: „Natürlich gibt es in der Region erhebliche Einbrüche. Erst kam Griechenland, dann Portugal, dann Spanien, wo der Markt um mehr als die Hälfte heruntergegangen ist. Doch insgesamt gewinnen wir weitere Marktanteile - auch in Südeuropa. Zudem ergeben sich neue Chancen, wenn ein Kunde ein Auto finanzieren muss, die Hausbank aber kaum noch Kredite vergibt. In Portugal haben wir eine Filiale der VW-Bank eröffnet, in Griechenland Wertberichtigungen gemacht - uns aber nicht zurückgezogen, anders als manche Konkurrenten. Und in Italien gibt es ein durchaus stabiles Zahlverhalten der Kunden.“

Ob Direktkauf oder Finanzierung: Immer weniger Menschen im Süden haben das nötige Geld für ein Auto. Wie wollen Sie da mehr verdienen?

„Wenn ich weltweit aufgestellt bin, kann ich schwierige Entwicklungen in Einzelregionen ausgleichen. In Australien läuft es beispielsweise sehr gut, da haben wir bereits jetzt ein 5 Mal größeres Portfolio als in Griechenland. Auch China zieht weiter an, seit Januar bieten wir dort neue Dienstleistungen wie Vermietungen. Das ist wichtig, denn 85 Prozent der chinesischen Autokäufer sind Barkunden. Also muss man das eigene Geschäftsmodell erweitern.“

VW Financial Services hat inzwischen weit mehr als nur die üblichen Finanzierungsmodelle im Programm. Beischmuck oder Umsatztreiber?

„Das Kerngeschäft bleibt zentral, aber über Werkstätten mit Wartungs- und Ersatzteilangeboten wird schon viel hinzuverdient - auch in Südeuropa. Gerade wegen der Unsicherheit ums eigene Haus oder den Job sagen sich viele Kunden: Mir sind Angebote, mit denen ich im Paket kalkulieren kann, lieber als Kosten, die sich laufend ändern. Seit zwei Jahren haben wir Rundumpakete für Inspektionsservices bei Neuwagen und jungen Gebrauchten. Jetzt sind wir dabei, für klassische Gebrauchte im Alter ab drei Jahren das gleiche Paket anzubieten.“

Der deutsche Automarkt trotzt den konjunkturellen Turbulenzen - noch. Spiegelt sich das auch in Ihrem Vertragsbestand wider?

„Im ersten Halbjahr haben wir hier im Finanzierungs- und Leasinggeschäft deutlich zugelegt. Insgesamt rund 380 000 Neuverträge bedeuten einen Zuwachs von 36 000 gegenüber Mitte 2011. Auch bei der Garantie-, Teil- und Vollkaskoversicherung geht es aufwärts, die Zahl der Verträge steigerte sich um 25 000 auf rund 408 000. Wir haben außerdem 22 Prozent mehr Tankkarten ausgegeben. Beim Reifenersatz war das Plus 16, bei den Wartungs- und Verschleißpaketen 13 Prozent.“

Wie geht es weiter beim Carsharing? Und kann man nach dem Einbau von Porsche zum 1. August bald auch Sportwagen aus Stuttgart finanzieren?

„Carsharing ist ein interessantes Zusatzgeschäft. Aber die Marktlage in Deutschland ist eine andere als in Ländern, die wirklich große Megacities haben. Wir wollen uns auf unsere Stärken konzentrieren und zunächst schauen, wie sich Quicar in Hannover weiterentwickelt. Und die Porsche-Kollegen haben ja schon heute spezielle Leasing-Modelle für ihre Fahrzeuge im Angebot. Wie wir künftig im Konzern zusammenarbeiten, werden wir noch genauer prüfen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Einwand, dass es Deutschland ja besser gehe und deshalb die anderen das deutsche Modell einführen sollten, ist jedoch, wie der ehemalige US-Finanzminister und Harvard-Professor Larry Summers sagte, "ein Musterbeispiel für einen Denkfehler": Was für einen Einzelnen gut ist, ist nicht notwendigerweise für alle gut. Deutschland hat seine Wettbewerbsfähigkeit seit 1999 beständig verbessert, allerdings um den Preis einer jahrzehntelangen Quasi-Stagnation. Heute führt diese Wettbewerbsfähigkeit dazu, dass sich Deutschland auf Kosten seiner Euro-Partner bereichert und zugleich den Ast absägt, auf dem es sitzt.

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