VW-Betriebsratschef

„Die Vorwürfe sind absoluter Blödsinn“

Mit einem Steuertrick soll Volkswagen 1,5 Milliarden Euro Steuern gespart haben. Nun wehrt sich VW-Betriebsratschef Osterloh gegen die öffentliche Kritik aus der Politik und verteidigt das Vorgehen des Autokonzerns.
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VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (rechts) verteidigt das Vorgehen seines Chef, Volkswagen-Konzernlenker Martin Winterkorn. Quelle: dpa

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (rechts) verteidigt das Vorgehen seines Chef, Volkswagen-Konzernlenker Martin Winterkorn.

(Foto: dpa)

WolfsburgVW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat die Steuerspar-Vorwürfe im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Einbau des Porsche-Geschäfts scharf kritisiert. „Wir zahlen jetzt im Rahmen der Übernahme der (restlichen) 50,1 Prozent deutlich über 100 Millionen Euro Steuern. Damit hat auch der Staat einen Vorteil von der vorgezogenen Integration der Porsche AG als zwölfte Marke des VW-Konzerns“, sagte er am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Jetzt zu behaupten, wir hätten durch das Vorziehen 1,5 Milliarden an Steuern eingespart, ist absoluter Blödsinn. Und das ärgert mich.“

Zuvor hatte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle das Steuersparmodell bei der Übernahme des Sportwagenbauers heftig kritisiert. Die Gesellschaften nutzen ein umstrittenes Schlupfloch in der Steuergesetzgebung und vermeiden 1,5 Milliarden Euro Abgaben an den Staat. „Das mag alles legal sein, zeigt aber, wie dringend wir ein einfacheres und gerechteres Steuerrecht brauchen“, sagte Brüderle dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Wenn Weltkonzerne mit solchen Steuertricks Milliarden an Steuern sparen könnten, müsse sich jeder Steuerzahler veräppelt fühlen. „Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen“, sagte der frühere Bundeswirtschaftsminister.

Zunächst war erwartet worden, dass VW bei einer Übernahme Mitte 2014 gar keine Steuern hätte zahlen müssen. Der Betrag wäre Osterlohs Aussagen zufolge zwar gering gewesen - eine völlige Steuerfreiheit habe jedoch nie zur Diskussion gestanden. VW hatte am Mittwochabend bekanntgegeben, nach dem Scheitern der eigentlich geplanten Fusion mit der Dachgesellschaft Porsche SE die übrigen Anteile am operativen Geschäft des Sportwagenbauers für 4,46 Milliarden Euro zu kaufen.

„Dazu kommen noch die erhöhten Ertragsteuern wegen der Synergien“, stellte Osterloh klar. Zentrales Ziel des integrierten Autokonzerns von VW und Porsche sind vor allem Einsparungen durch gemeinsame Entwicklungen und eine Verschlankung von Einkauf und Produktion. „Es gibt unterschiedliche Steuerzahlungen, die da anfallen. Mir geht es aber ganz einfach darum, dass man überhaupt nicht von Milliarden-Steuereinsparungen sprechen kann“, ergänzte Osterloh.

Die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche hätten die Entscheidung vom Mittwoch klar unterstützt. „Ein wichtiger Punkt für uns in den Gesprächen war: Konzernsitz bleibt Wolfsburg, und die Familien stehen zu unserer Unternehmens- und Mitbestimmungskultur sowie zum VW-Gesetz“, berichtete der Betriebsratschef.

In seinem Haus errege der Deal nicht allzu viel Aufsehen - bei Porsche schon, schätzte Osterloh: „Wir waren uns unserer Position schon seit 2009 sicher. Für die Volkswagen-Belegschaft ist das eigentlich nichts Besonderes - eher für die Porsche-Kollegen, weil sie nun Tochter im Konzern sind und, wie das bei allen unseren Marken der Fall ist, mit eigener Entwicklung und eigenem Vertrieb.“

Wie viele neue Jobs bei der Porsche AG durch den festen Einbau in den VW-Konzern entstehen sollen, konnte Osterloh noch nicht genauer abschätzen. „Wir müssen jetzt konsequent die Synergien heben und unsere gemeinsamen Projekte umsetzen. Das trägt zur Beschäftigungssicherung bei und schafft Arbeit.“

  • dpa
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  • Wo bitte ist das Steuerschlupfloch für mich? Ich bin Kfz-Mechaniker, meine Vergütung geht zu ca. 50% an den Staat!
    Ich verstehe das alles nicht mehr.

  • Der VW Konzen ist schon viel zu groß.Wieso eine solche Übernahme nicht verboten wird ist mir ein Rätsel.Die Riesenkonzerne sind heute ein Riesenproblem und das nimmt noch rasant zu.Das wird uns allen auf die Füße fallen.
    Die bestimmen schon heute wieviel sie an Abgaben zu zahlen bereit sind.Der Staat ist da längst nicht mehr der Mächtigere.

  • Haha!

    Bitte lasst Euch weiter verar...!

    Vielen Dank!

    Eure etablierten Parteien

    P.S. Immer schön sauber bleiben

  • Dieser abgefuckte Staat macht die Gesetze und nicht VW.

  • Der Betriebsrat von VW, zum Kaputtlachen.

    Ich sage nur Klaus Volkert, Peter Hartz usw. !

    Alle gekauft ?

    Und heute ?

  • Herr Osterloh ist ein williger Dummschwätzer. Herr Piech reorganisiert sein Schattenreich zu Lasten von VW.
    Der Deal wird bewusst vorgezogen, denn Porsche wird ansichts der Klagen und der Konjunkturentwicklung in 2 Jahren deutlich weniger wert sein. Die späteren Goodwillabschreibungen werden es ans Tageslicht bringen, nur dann sind die Täter längst im Ruhestand.
    Das Strafdelikt heisst verdeckte Gewinnausschüttung!

  • Es ist schon komisch, wenn es zu "Lasten" des Fiskus gehe sprich ihm Einnahmen entgehen, dann regen sich die Herrn Politiker gleich auf obwohl einfach nur das Gesetz ausgenutzt wurde was ja schließlich durch diese Koryphäen in Berlin beschlossen wird. Bei erstrittenen Urteilen zu Gunsten des Steuerpflichtigen werden dann diese Urteile mit einem Nichtanwendungserlass versehen. Politiker mit steuerfreien Aufwandentschädigungen und andere Vergünstigungen bei der Steuer: was ist damit??? Kurzer Aufreger in der Presse und es wird einfach so weiter gemacht weil es einzeln gesehen nur "Peanuts" sind. Die Summe auf die Jahre??? VW hat vollkommen Recht. Sollte die Regierung evtl. einen findingen Steuerberater anstellen und keine Möchtegernberater die den Gesetzeswahnsinn eh nicht überschauen und nur an Ihre Diäten denken.

  • Das nennt man Politik und nicht Steuertrick. Was glauben Sie denn, warum nie Gesetze greifen, wenn Politiker und deren Finanziers beteiligt sind? In der Bevölkerung nennt man diese Personen Mafiosi.

  • Die informationen, die zu dem Vorgang veröffentlicht wurden, lassen doch gar nicht die Auslegung zu, der Konzern hätte ein Steuerschlupflich genutzt. Die Politiker sollten nicht mit billiger Polemik aufwarten, sondern mehr Kompetenz zeigen. Wer zahlt denn in diesem Land freiwillig mehr Steuern, wenn auf der Basis der geltenden Gesetzes keine Steuern zu zahlen. Außerdem hat sich der Gesetzgeber bei der Formulierung der Gesetzestexte doch auch was gedacht. Die Anmerkung, dass einem Handwerker die Vergünstigung nicht zustünde, ist auch falsch.

  • Ein "Steuertrick"?

    Eigentlich sollte hier kein Trick nötig sein.

    Denn nei einem Steuerrecht daß im Effekt Unternehmensübernahmen oder -zusammenschlüsse besteuert stimmt 'was nicht.

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