VW, BMW und Co. Russlands Automarkt rast aus der Krise

Der russische Automarkt meldet zweistellige Wachstumsraten. Nach Jahren der Krise soll es jetzt auch auf längere Sicht aufwärts gehen. Profitieren wollen davon auch deutsche Automarken.
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Der russische Automarkt verzeichnet wieder rasantes Wachstum. Quelle: Bloomberg
Produktion bei PSA in Kaluga

Der russische Automarkt verzeichnet wieder rasantes Wachstum.

(Foto: Bloomberg)

MoskauDas Fließband im Volkswagen-Werk Kaluga hat wieder einen Gang höher geschaltet: Mitten in der Montagehalle auf rund zweieinhalb Meter Höhe erhält das neue Tiguan-Modell gerade seinen spritzigen Zweilitermotor. Gerade einmal zwei Minuten dauert die Zusammenführung von Karosserie und Motor, dann steht schon ein Skoda Rapid als nächster auf der Platte. Dank Vollautomatisierung in der Fabrik sind hierbei nicht einmal menschliche „Zeugen“ nötig.

Die rund 4000 Angestellten in Kaluga haben auch so genug zu tun: Löten, schweißen, schleifen, Elektronik und Zubehörteile einpassen. Der Lärm in der Fabrikhalle hält bis nach Mitternacht an. „Seit zwei Wochen fahren wir wieder Samstagsschichten, weil wir Produktion aufholen müssen“, erklärt der Generaldirektor der Volkswagen-Gruppe in Russland, Marcus Osegowitsch. Zudem sei die zunächst geplante Schließung zur katholischen Weihnacht – die in Russland kein Feiertag ist – vom Tisch. „Wir geben Gas und machen bis zum 31. Dezember durch“, fügte er hinzu.

Nicht nur bei VW wird geklotzt: Nur 30 Kilometer weiter westlich schraubt der Autokonzern PSA eilig eine Montagefabrik zusammen, weil ab Anfang nächsten Jahres dort die Kleintransporter Peugeot Expert und Citroёn Jumpy vom Band laufen sollen. Und in Russlands zweiter Automobilhauptstadt St. Petersburg haben die drei dort ansässigen Autowerke von Nissan, Hyundai und Toyota im Oktober einen neuen Produktionsrekord aufgestellt: 32.500 Fahrzeuge bedeuten zugleich ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr für den Standort.

Alle Autobauer in Russland versuchen krampfhaft, die Produktion anzukurbeln. Denn: Wer tief fällt, kann hoch steigen. Vier Jahre lang stürzten die Absätze auf dem russischen Automarkt ins beinah Bodenlose. Von seinem Hochstand 2012, als 2,78 Millionen Neuwagen verkauft wurde, war 2016 gerade einmal die Hälfte übrig (1,426 Millionen Fahrzeuge). Die Hersteller reagierten mit Entlassungen, Kurzarbeit und – manche wie General Motors in St. Petersburg – sogar radikal mit einer Werkschließung.

Die Gewinner im europäischen Automarkt
Platz 10 - Kia
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Schwebe wie ein Schmetterling, steche wie eine Biene – diesen Ratschlag von Profiboxer Mohammad Ali übersetzen die Koreaner mit dem Stinger in ein Automodell. Im Oktober konnte Kia kräftig zulegen. Der Absatz in der EU wuchs um 10 Prozent auf 38.000 Fahrzeuge. Im Gesamtjahr beträgt das Plus bislang 8,5 Prozent.

Platz 9 - Skoda
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In Wolfsburg dürfte der Neid auf die tschechische Schwester zunehmen. Anders als die Kernmarke legt Skoda auch im Oktober um 11,2 Prozent auf 55.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Das Jahresplus beträgt ordentliche 7,1 Prozent.

Platz 8 - Renault
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Die Franzosen haben im Oktober einen außergewöhnlich erfolgreichen Verkaufsmonat in der EU hingelegt. Mit einem Plus von 16,8 Prozent auf 88.900 verkaufte Fahrzeuge gewinnen sie Marktanteile.

Platz 7 - Peugeot
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Die SUV-Strategie von PSA-Chef Carlos Tavares trägt Früchte. Die neue Opel-Schwester gehört mit einem Plus von 17,7 Prozent und 76.700 verkauften Fahrzeugen zu den großen Gewinnern im europäischen Automarkt.

Platz 6 - Alfa Romeo
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Time to say goodbye, wie Andrea Boccelli singt? Von wegen. Trotz jahrelanger Verkaufsgerüchte hat sich die italienische Premiummarke des FCA-Konzerns immer wieder berappelt. Mit 6.200 Fahrzeugen ist der Absatz im Oktober um 18,7 Prozent gestiegen, im Gesamtjahr sogar um 31,9 Prozent. Schuld ist der SUV Stelvio.

Platz 5 - Jeep
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Die Lebensversicherung des FCA-Konzerns schwächelte zuletzt. Im Oktober kann die amerikanische Marke wieder deutlich um 19,8 Prozent auf rund 9400 verkaufte Fahrzeuge zulegen. Seit Jahresbeginn ist der Absatz allerdings nur leicht im Plus.

Platz 4 - Dacia
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Erfolgsmodelle wie der Duster polieren die Absatzbilanz des Renault-Konzerns auf. Die rumänische Billigtochter legt im Oktober um 20 Prozent auf 34.600 Fahrzeuge zu, seit Jahresbeginn um 11,2 Prozent.

Doch nun geht es wieder aufwärts, und zwar ebenfalls in zweistelligem Tempo. Derzeit wächst der Markt um rund elf Prozent, doch er beschleunigt gerade noch einmal am Berg. Im Oktober lag das Plus bei 17,3 Prozent. Es sei bereits der achte Monat in Folge, dass die Umsätze steigen.

Zuletzt habe es das 2012 gegeben, freute sich Jörg Schreiber, der Chef des Automobilkomitees bei der Vereinigung Europäischer Unternehmen in Moskau (AEB): „Natürlich ist der Umsatz des heutigen Marktes weit entfernt vom damaligen Rekord.“ Aber bei den derzeitigen Wachstumsraten habe der Markt die Chance immerhin das Ergebnis von 2015, also etwa 1,6 Millionen Neuwagen, einzustellen, schätzt er.

Krise hat nachhaltige Folgen
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