VW-Chef gegen Neumann als VW-Arbeitsdirektor
Eklat bei Wahl des Hartz-Nachfolgers

Audi-Personalchef Horst Neumann ist Aufsichtsratskreisen zufolge gegen den Willen seiner künftigen Kollegen Bernd Pischetsrieder und Wolfgang Bernhard zum Arbeitsdirektor von Volkswagen bestellt worden.

HB FRANKFURT. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech habe den ehemaligen IG-Metall-Funktionär Neumann zusammen mit der Arbeitnehmerseite gegen die Mehrheit der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat durchgesetzt, sagten mit den Vorgängen in dem Gremium vertraute Personen am Samstag. „Piech und (IG-Metall-Chef Jürgen) Peters haben Neumann gegen Bernhard und Pischetsrieder durchgesetzt“, sagte eine Person aus dem Umfeld des Gremiums. Teile des Aufsichtsrats fürchteten nun, dass der als Sanierer nach Wolfsburg geholte ehemalige Daimler-Chrysler- Manager Bernhard den Konzern wieder verlassen könnte.

In der Aufsichtsratssitzung sei es zum Eklat gekommen: „Das ist nicht durchgängig harmonisch verlaufen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Piech und die zehn Arbeitnehmervertreter hätten den früheren VW-Aufsichtsratschef Klaus Liesen und Tui-Chef Michael Frenzel auf ihre Seite gezogen. Weil Lord David Simon krankheitshalber gefehlt habe, hätten ihre 13 Stimmen für die nötige Zweidrittelmehrheit ausgereicht, hieß es übereinstimmend in den Kreisen.

Der 56 Jahre alte Neumann soll seinen neuen Posten zum 1. Dezember übernehmen. Er ist der Nachfolger von Peter Hartz, der im Zuge der Affäre um Lustreisen des VW-Betriebsrats seinen Hut genommen hatte. Für den Arbeitsdirektor hat die Arbeitnehmerseite nach dem Gesetz das Vorschlagsrecht. Ein VW-Sprecher wollte sich zu den Vorgängen in der Sitzung nicht äußern.

Die Wahl von Neumann, der 16 Jahre lang für die IG Metall gearbeitet hat und mit der SPD-Politikerin Andrea Nahles liiert ist, war überraschend gekommen. Piech habe den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) erst am Mittwoch über die Absicht informiert, bereits am Freitag einen Personalchef zu berufen. Im Aufsichtsratspräsidium habe Wulff aber als einziger gegen Neumann gestimmt, Piech, Peters und Betriebsratschef Bernd Osterloh hätten ihn gestützt. Die niedersächsische Staatskanzlei wollte sich dazu nicht äußern.

Die Arbeitnehmerseite hatte Piech im Aufsichtsrat zuletzt gegen Rücktrittsforderungen von Wulff verteidigt. Der Politiker, der den ehemals größten VW-Aktionär, das Land Niedersachsen, vertritt, wirft Piech einen Interessenkonflikt nach dem Einstieg von Porsche vor. Piechs Familienclan ist der einzig stimmberechtigte Aktionär von Porsche.

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