VW-Chef in Detroit: Der amerikanische Müller

VW-Chef in Detroit
Der amerikanische Müller

Auf der Automesse in Detroit hat sich Matthias Müller für den Diesel-Skandal entschuldigt und hohe Investitionen im Land angekündigt. Der erste US-Auftritt des Volkswagen-Chefs hatte dabei durchaus amerikanische Züge.

DetroitDie Tragweite des bis dato eher geselligen Abends wurde sogleich klar. Wo früher eine kleine Band beim Aufbau ihrer Utensilien darauf geachtet hatte, dass davor noch etwas Platz für den Gastgeber war, damit der einige kurze Worte an die Geladenen richten konnte, da stand nun ein Bühne mit einem Glastisch. Groß, weiß, staatstragend.

Der erste öffentliche Auftritt des neuen Volkswagen-Chefs Matthias Müller in den USA war schließlich nicht irgendein Grußwort eines Autochefs im Vorfeld der größten amerikanischen Automesse. Jeden Januar, wenn sich Detroit, diese geschundene Stadt, auch noch von der hässlichsten Seite zeigt, versammelt sich hier die automobile Welt zum glamourösen Schaulaufen. Auch diesmal bei Schneetreiben, beißendem Wind und Minusgraden.

Jahrelang hat Volkswagen ebenfalls so getan, als wäre man hier in der Heimat der „Big three“ General Motors, Ford und  Chrysler eine große Nummer. Obwohl die Verkäufe im Gegensatz zur Konkurrenz immer weiter sanken. Bei der Kernmarke VW zuletzt auf das Niveau eines Nischenplayers mit einem Marktanteil von rund zwei Prozent.

2016 sollte das anders werden. Das Jahr der an selber Stelle erstmals 2014 angekündigten großen SUV-Offensive sollte es werden. Doch das ist jetzt in den Hintergrund gerückt.

Die Stimmung wird lockerer

Matthias Müller muss vieles erklären. Warum es zu dem Skandal kommen konnte, den die Welt seit September Diesel-Gate nennt. Er muss besänftigen und zuhören. Und er muss vor allem Lösungen liefern für die gut 580.000 US-Kunden, deren Motoren wegen einer manipulierten Software weit mehr Schadstoffe ausstoßen als angegeben.

Gut zwei Dutzend Fernsehteams haben bereits aufgebaut, als er das traditionelle amerikanische Burger-Lokal Fishbones in Detroits Vergnügungsviertel Greektown betritt. Es ist sein erster Auftritt als Volkswagen-Chef auf amerikanischen Boden. Müller weiß, dass es auf jedes Wort jetzt ankommt. Entsprechend angespannt könnte er sein.

Stattdessen geht er bewusst auf bekannte Journalistengesichter zu, lächelt, schüttelt Hände. Und weiß natürlich, dass sofort die immer wieder gleichen Fragen zum Dieselskandal kommen. „Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben. Ich bitte daher um Entschuldigung“, sagt Müller.

„Wir sind seit Monaten mit der EPA im Gespräch“, erklärt er und zeigt dabei sein charmantestes Lächeln. Dass es einen Austausch mit der obersten US-Umweltbehörde gibt, ist nun wahrhaft nicht neu. Die Stimmung wird aber lockerer so.

Kein Vergleich auch zu Martin Winterkorn, seinem Vorgänger. Der mischte sich in den Vorjahren zwar auch unters Volk, begrüßte Gäste und nippte an einer Weinschorle, war aber sonst eher nicht für Charmeoffensiven bekannt. Doch da war Diesel-Gate auch noch ein Fremdwort.

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