VW-Chef Winterkorn
Rolle rückwärts

Der neue VW-Boss Martin Winterkorn krempelt Volkswagen um. Es droht die Rolle rückwärts. Konzernkenner erwarten, dass Winterkorn alles umsetzen wird, was sich der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch wünscht. Mit der neuen Konzernstruktur bürdet Winterkorn sich viel Verantwortung auf. Zu viel?
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Wer leitet das Unternehmen und wer den Aufsichtsrat? Diese Frage dürften sich nicht wenige gestellt haben, die auf dem Autosalon in Detroit vor wenigen Tagen dem Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch begegneten. Der 69-jährige Österreicher marschierte gut gelaunt über die Messe, im Schlepptau den neuen Konzernchef Martin Winterkorn und in wechselnder Besetzung mal den designierten Entwicklungschef der Marke VW, Ulrich Hackenberg, mal den Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh, mal Winterkorns Nachfolger bei Audi, Rupert Stadler. Im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit stand aber stets einer: Piëch selbst.

Dabei sollte jetzt eigentlich Winterkorn im Rampenlicht stehen. Er führt den gesamten Konzern und hat zugleich die Leitung der Marke VW und der Konzernentwicklung übernommen. Eine ungewöhnliche Ämterhäufung. "Ich glaube, der hat noch keine Ahnung, auf was er sich da eingelassen hat", sagt ein Konzernin- sider. Verzettelt sich Winterkorn?

Es gibt bereits Automanager, die versuchen, zwei Jobs gleichzeitig zu machen. Dieter Zetsche etwa, der Vorstandsvorsitzende von DaimlerChrysler, leitet im Nebenberuf auch die Marke Mercedes. Carlos Ghosn ist sogar Präsident und Vorstandschef zweier Hersteller: Renault und Nissan. Was Zetsche und Ghosn eint: Ihre Doppelrolle funktioniert nicht. Zetsche hat zwar Erfolge mit Mercedes, dafür ist ihm die amerikanische Tochter Chrysler aus dem Ruder gelaufen. Ghosn galt in der Branche lange Zeit als Wundermanager, er hatte den dahinsiechenden Autobauer Nissan wiederbelebt; derzeit aber kann er weder bei Nissan noch bei Renault an frühere Erfolge anknüpfen.

Was also treibt Winterkorn dazu, sich noch mehr Verantwortung aufzuhalsen? Allein die Sanierung der angeschlagenen Marke VW ist ein abendfüllender Job. Und: Ist ein detailversessener Manager wie Winterkorn, der die Preisdifferenz zwischen einem Audi A6 Avant Rücklicht in der normalen und der Version mit Leuchtdioden auswendig aufsagen kann, wirklich im Stande, sich auf die großen Linien zu konzentrieren? Lässt sich ein Koloss wie Volkswagen überhaupt so zentral steuern, wie Winterkorn es plant? "Nein", sagt Gregor Matthies, Autoexperte der Unternehmensberatung Bain & Company. "Das bringt bei einem so großen Unternehmen in der Regel keine Vorteile, weil die erhofften Synergien durch die Komplexität der Prozesse mehr als aufgezehrt werden."

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