Golf-Produktion in Wolfsburg: Im Herbst kommt die sechst Auflage des Verkaufsschlagers auf den Markt. Foto: dpa
Lässt die Bundesregierung Ihre Industrie im Stich?
Bundeskanzlerin Angela Merkel tut das nicht. Ihr ist die Bedeutung des Themas bewusst und sie betrachtet es von rationaler, naturwissenschaftlicher Seite. Aber es gibt recht viele Populisten in Berlin, auch im Umfeld der Regierung, die meinen, sich mit scharfer Kritik an der deutschen Autoindustrie profilieren zu müssen. Es wird Zeit, dass sie mehr über alle Auswirkungen nachdenken. Niemand kann an einer Stelle ein Schräubchen drehen, ohne das ganze System im Auge zu haben.
Als Sponsor der Olympischen Spiele in Peking macht Ihnen die Politik einen Strich durch die PR-Rechnung. Wird Ihr Engagement in China angesichts der weltweiten Proteste gegen die Tibetpolitik nicht zu einem Tanz auf der Rasierklinge?
Das ist fast ausschließlich bei uns in Deutschland ein Thema. Wir befürworten den Gedanken der Olympischen Spiele. Sie stehen wie kein zweites Ereignis für Frieden, Dialog und Völkerverständigung. Auch angesichts von 35 000 Beschäftigten und sieben Werken im Land sind wir uns unserer Verantwortung in China bewusst, für Arbeitsbedingungen, Verkehrssicherheit und Umweltschutz. Unsere Leute dort sind hoch motiviert. Der Krankenstand liegt bei nicht einmal einem Prozent - das ist weniger als hier zu Lande. Und: China ist ein großer Markt, wir werden als Konzern in China in diesem Jahr erstmals mehr Autos verkaufen als in Deutschland, über eine Million.
Im Herbst kommt der neue Golf, Ihr mit Abstand wichtigstes Modell. Für die bisherige Version galt mal eine Absatzvorgabe von 600 000 Stück pro Jahr. Muss der Nachfolger mehr bringen?
Wir werden uns nicht auf Stückzahlen festlegen. Aber der neue Golf wird wieder die klassischen Werte dieses Wagens repräsentieren: technische Präzision, perfektes, schnörkelloses Design, hohe Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit.
Ausgerechnet vor dem Start des Golf sind die Posten des Vertriebschefs der Marke VW
und des Konzernvertriebsvorstandes noch immer nicht besetzt. Wird das Team vor der Einführung des Golf im Oktober vollständig sein?
Machen Sie sich da mal keine Sorgen. Derzeit haben wir mit Herrn Wittig, der beide Funktionen ausübt, einen der besten und erfahrensten Vertriebsfachleute der Automobilindustrie an Bord. Für die Marke Volkswagen
werden wir in Kürze einen Nachfolger präsentieren. Die Besetzung des Vertriebsvorstandes für den Konzern mit seinen neun starken Marken bedarf einer besonderen Betrachtung. Man muss diesen neun Marken genug Freiraum geben und sie doch strategisch so steuern, dass für den Konzern ein Optimum an Synergien entsteht.
Sollten Sie - wie jüngst in Erwägung gezogen - eine spätere Generation der Geländewagen VW
Touareg, Audi Q7 und sogar Porsche
Cayenne in den USA bauen, könnten Sie deren Fertigung dann komplett aus Europa abziehen?
Aus Gründen der Verzollung beim Import in die EU ist entscheidend, ob ein Modell ganz überwiegend im Dollarraum verkauft wird. Trifft das zu, dann müssten wir das durchrechnen.
Gibt es unter den drei Bundesstaaten, die noch im Rennen für die US-Fabrik sind, einen Favoriten?
Nein. Einen Favoriten gibt es nicht. Wir werden dem Aufsichtsrat im Juli eine Beschlussvorlage vorstellen.
Wie hoch muss der Dollaranteil an Einkauf und Produktion sein?
Das neue Werk wird und muss einen hohen Lokalisierungsgrad haben. Mindestens 60 Prozent der Fertigung dort soll im Dollarraum geschehen, sonst würden wir nur die Fehler wiederholen, die andere Hersteller vor uns gemacht haben.
Reicht das, um erfolgreich zu werden?
Das ist ja nicht alles. Unser VW
-Chef in den USA, Stefan Jacoby, hat ein schlagkräftiges Team zusammengestellt und die Zentrale in die Nähe von Washington verlegt, wo wir besonders viele Fahrzeuge verkaufen. Da geht es nicht nur um Büros, sondern um eine generelle Neuausrichtung. Jetzt müssen die neuen Produkte kommen und es wäre auch wichtig, in den USA als lokaler Hersteller wahrgenommen zu werden.
Die US-Händler murren über ihre Modellpalette. Was verlangt der US-Vertrieb von Ihnen?
Eines hat mich überrascht: Unsere Händler in den USA wünschen sich nicht nur die zwei angekündigten, eigens für den US-Markt entwickelten Limousinen in der Größenklasse eines Jetta und Passat, sie wünschen sich von uns mehr kleine Fahrzeuge. Als ich im Februar dort war, sprach sich unsere Vertriebsorganisation vor allem für zwei Dinge aus: Dieselfahrzeuge und kleine Wagen wie den Polo und den geplanten Up. Die Verkehrsverhältnisse in New York gleichen nun mal denen in Paris, Rom oder München.
Schwacke-Auswertung:
Welche zwei Jahre alten Autos den höchsten Restwert bieten
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