Dieselmotor im VW-Werk

Der Abgasskandal erschüttert die deutsche Autobranche erneut.

(Foto: dpa)

VW, Daimler, Audi, BMW Diesel-Sturm wütet in der Autobranche

Volkswagen, Daimler und BMW schienen die Dieselkrise fast bewältigt zu haben. Doch die Versäumnisse der Vergangenheit haben die Industrie an diesem turbulenten Diesel-Tag wieder einmal eingeholt. Ein Überblick.
1 Kommentar

Düsseldorf, Stuttgart, MünchenDie Empörung über umstrittene Tierversuche, finanziert von der deutschen Autoindustrie, war noch nicht abgeklungen, da überschlugen sich am Mittwoch die Ereignisse. Am Morgen verkündete die Staatsanwaltschaft Stuttgart, dass sie nun gegen zwei Manager des Autozulieferers Bosch ermittelt, die dem Autokonzern Fiat Chrysler bei der Manipulation von Dieselmotoren geholfen haben sollen.

Wenige Stunden später wurde bekannt, dass 38 Beamte Büros und Privatwohnungen von mehreren führenden Audi-Managern durchsucht haben. Auch in Ingolstadt geht es um den Verdacht des Betrugs mit Dieselmotoren.

Und am Mittwochnachmittag verkündeten Daimler und BMW, den jeweils verantwortlichen Manager für Umweltschutz freizustellen. Die Konzerne hatten gemeinsam mit VW Tierversuche finanziert, bei denen Affen über Stunden Dieselabgase einatmen mussten.

Alle Fälle haben einen gemeinsamen Kern: Sie zeigen, dass viele dunkle Machenschaften rund um den Diesel zu lange ignoriert wurden. Die Versäumnisse der Vergangenheit wirken bis heute nach. Freiwillige Rückrufe, umfangreiche Imagekampagnen und Elektrooffensiven können nicht verdecken, dass das Vertrauen in die Aufrichtigkeit der Autokonzerne mit dem Dieselskandal nachhaltig beschädigt wurde.

Die Industrie hat ein Problem: Selbst wenn sie zurecht darauf hinweist, dass viele Probleme mit modernen Dieselmotoren gelöst werden könnten, glaubt ihr niemand mehr. Die selbsternannten Stimmen der Vernunft werden als Stimmen der Lobby wahrgenommen.

Deswegen wird die Industrie nach den aktuellen Meldungen auch aus der Politik so harsch kritisiert. Die Welt hat sich verändert. Grenzübertretungen, die früher mit dem Hinweis auf die Arbeitsplätze und die Relevanz der Industrie einfach hingenommen wurden, werden heute staatlich verfolgt. Die Öffentlichkeit ist empfindlicher geworden. Und die Aufräumarbeiten in den Konzernen sind noch lange nicht beendet.

Beispiel Bosch: Dort sollen zwei Manager einer US-Tochter des Automobilzulieferers seit 2014 dafür gesorgt haben, dass Autos vom Typ Jeep Grand Cherokee mit Drei-Liter-Motor sowie Chrysler Dodge Ram 1500 mit manipulierten Abgassystemen auf den Markt gekommen sind. Die Bosch-Software erkenne, wenn das das Fahrzeug nicht auf einem Prüfstand ist und verringert dann die Abgasreinigung, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Ein Konzernsprecher versicherte, Bosch kooperiere uneingeschränkt mit den zuständigen Behörden, wie bei allen anderen Vorwürfen der Manipulation von Diesel-Software.

Beispiel Audi: Bei der VW-Tochter hat die Staatsanwaltschaft München den Kreis der Beschuldigten im Dieselskandal von sechs auf nunmehr 13 erhöht, wie am Mittwoch bekannt wurde. Sie wirft den Mitarbeitern strafbare Werbung und Betrug vor. Die Ermittler durchsuchten daher Privaträume von Audi-Mitarbeitern in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte.

Standorte von Audi waren nach Angaben eines Firmensprechers nicht betroffen. Alle Beschuldigten würden der Manipulation von Abgaswerten in den USA verdächtigt, hieß es weiter. Aktuelle oder frühere Vorstandsmitglieder von Audi seien nach wie vor nicht im Fokus der Ermittler.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Personelle Konsequenzen bei Daimler und BMW
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: VW, Daimler, Audi, BMW - Diesel-Sturm wütet in der Autobranche

1 Kommentar zu "VW, Daimler, Audi, BMW: Diesel-Sturm wütet in der Autobranche"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Dieselkrise erscheint mir als eine weitgehend fiktive "Krise". Analog der Kernenergie ist die individuelle Motorisierung der Menschen und der damit verbundene allgemeine Wohlstand ein grosser Dorn im Auge der destruktiven Ökoreligion. So wird dann mit Hilfe willkürlicher Abgasgrenzwerte ein Skandal erzeugt.

    Gem. eigener Erkenntnisse s.u..... gehe ich davon aus, dass die Luftverschmutzung durch Diesel heutzutage um ein Vielfaches geringer ist als noch vor 20 Jahren.

    Ich besass zur Jahrtausendwende einen Golf II Diesel. Dieser hatte noch keine Commen Rail Einspritzung, keine Motorsteuerung... Ich besitze einen Diesel mit Abgasrückführung, Katalysator und Dieselpartikelfilter, Stufe 4 grüner Feinstaub gem. EU.

    - Die Commen Rail Einspritzung mit sehr hohem Einspritzdruck, gesteuerten Einspritzzeiten etc. führt zu einer wesentlich saubereren, vollständigeren Verbrennung als dies vor 20 Jahren der Fall war. Russwolken wie seinerzeit üblich kann ich nicht beobachten.

    - Die Abgasrückführung senkt die Temperaturen im Verbrennungsraum* drastisch und senkt damit die NOx Belastung gleichfalls drastisch.

    - Der DPF bewirkt zusammen mit der optimaleren Verbrennung, dass mein heutiges Auto viel weniger Kohlenwasserstoffe und Russ ausstösst.

    *Stickoxide entstehen und zerfallen bei sehr hohen Temperaturen. Ein Automotor ist dafür ideal und eine Hauptquelle der menschlichen NOx Emissionen. Im Verbrennungsraum entstehen die NOx und können weil diese im Abgassystem schnell abkühlen nicht mehr zerfallen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%