VW-Dieselaffäre in Deutschland: Schadensersatz könnte 75 Millionen Euro kosten

VW-Dieselaffäre in Deutschland
Schadensersatz könnte 75 Millionen Euro kosten

Ein US-Anwalt hat kalkuliert, wie viel Geld durch falsche Abgaswerte getäuschte VW-Kunden in Deutschland verlangen könnten. Er will in Deutschland wie in den USA Sammelklagen ermöglichen.

BerlinBis zu 75 Millionen Euro Schadenersatz soll Volkswagen seinen vom Dieselskandal betroffenen deutschen Kunden zahlen, wenn es nach dem Willen von US-Anwalt Michael Hausfeld geht. Sein Partner Christopher Rother sagte dem „Tagesspiegel“, dass VW zur Schadenersatzzahlung verpflichtet sei, sei „unstrittig“. Die Frage sei nur, in welcher Höhe.

Rother leitet als Partner der Kanzlei von Hausfeld das Büro in Berlin; Hausfeld gehört zu den Kanzleien, die in den USA gegen den Autobauer klagen. Der Anwalt rechnet mit mehreren zehntausend Geschädigten hierzulande, wie er dem „Tagesspiegel“ sagte. „Bei etwa 50.000 Geschädigten hätte man eine kritische Masse erreicht, die VW ernst nimmt.“

Den durchschnittlichen Schaden bezifferte Rother mit 1000 bis 1500 Euro - so kämen auf VW bis zu 75 Millionen Euro Schadenersatzzahlung zu. In den USA sollen betroffene VW-Kunden eine Prepaid-Kreditkarte, einen Gutschein zur Einlösung bei einem VW-Händler sowie Pannenhilfe für drei Jahre bekommen. „Warum sollen deutsche VW-Kunden leer ausgehen, nur weil es in Deutschland keine Möglichkeit zu Sammelklagen gibt wie in den USA?“, sagte Rother.

Die Kanzlei sei zusammen mit dem US-Prozessfinanzierer Burford mit sogenannten Rechtsdienstleistern im Gespräch, die tausende VW-Kunden sammeln sollen, die Schadenersatz fordern. Burford stellt laut „Tagesspiegel“ für das Verfahren zehn Millionen Euro zur Verfügung.

US-Anwalt Hausfeld selbst sagte der „Welt am Sonntag“, seine Kanzlei prüfe auch Sammelklagen auf Schadenersatz von Anlegern und Umweltorganisationen. Er hofft, dass es VW nicht zum Prozess kommen lassen wird und stattdessen einen Vergleich anstrebt. „VW weiß: Je schneller man eine solche Krise bereinigt, desto besser“, sagte Hausfeld. Nur so könne der Konzern „die Glaubwürdigkeit seiner Marke und das Vertrauen der Kunden wieder herstellen“.

Der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker, riet VW-Aktionären in der „Welt am Sonntag“, sie sollten zunächst abwarten, zu welchem Ergebnis die Finanzaufsicht Bafin komme. Die Behörde prüft derzeit, ob VW seine Anleger zu spät über mögliche Risiken als Folge der Manipulationen von Abgaswerten informiert hat.

Volkswagen hatte am 22. September zugegeben, dass weltweit bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen mehrerer Marken eine Manipulations-Software eingesetzt wurde, die den Stickoxid-Ausstoß im Testbetrieb zu niedrig auswies. In einem auf den 4. September datierten Brief habe ein Manager den damaligen Konzernchef Martin Winterkorn informiert, dass VW die Manipulation gegenüber der kalifornischen Umweltbehörde Carb am 3. September eingeräumt hatte, berichtete die „Bild am Sonntag“.

VW habe aber erst mehr als zwei Wochen später die Öffentlichkeit informiert, worauf der Kurs der VW-Aktie abstürzte. Das Wertpapierhandelsgesetz schreibt vor, dass kursrelevante Firmennachrichten sofort veröffentlicht werden müssen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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