VW-Dieselautos in den USA
Widerwilliger Eintausch

Nicht die Umweltverträglichkeit, sondern vor allem die Sparsamkeit begeistert die US-Besitzer von VW-Dieselfahrzeugen. Einem Rückruf sehen sie mit gemischten Gefühlen entgegen. VW könnte sich damit nun Zeit lassen.

New YorkKeine Frage: Die amerikanischen Fahrer eines VW-Diesels sind sauer. „Ich kann es nicht glauben“, sagte Marcia Mallow. „Sehr enttäuscht“, schreibt Tony TDI im Forum „Volkswagen Owner Club“. Dort lassen sie über Dieselgate aus, die Enthüllungen um die Manipulations-Software von Volkswagen. Das Programm schaltet den Motor im Normalgebrauch um, mit Folgen: Der Ausstoß von Stickstoffoxid geht durch die Decke, dafür hält sich aber der Kraftstoffverbrauch in Grenzen.

Der Zorn stammt nicht nur aus einem schlechten Ökogewissen. Viele Besitzer sorgen sich um den sparsamen Verbrauch, der verloren gehen könnte. Das führt zu einer überraschenden Sache: Ein Rückruf stößt auf wenig Begeisterung. „Mein Problem ist, dass ich 65 Kilometer von meiner Arbeit wohne und das Auto vor allem wegen dem niedrigen Verbrauch kaufte“, schrieb TN Horse auf dem VW-Besitzerforum, der einen Passat TDI Baujahr 2015 fährt. „Wenn der Widerruf das ändert, bin ich wütend“.

Die Fahrer von VW-Diesels sind ein eingeschworener Haufen. Es gibt nur wenige von ihnen in Amerika, sie fühlten sich als Trendsetter. Genau 482.000 Passats, Jettas und Golfs aus den Baujahren 2009 bis 2015 verkaufte Volkswagen mit einem Dieselmotor in den USA. Ein winziger Anteil von den 258 Millionen Autos, die auf den Straßen von Amerika unterwegs sind.

Dieselfahrzeuge sind nicht einfach an den Amerikaner zu bekommen. Anders als in Deutschland sind sie kaum in den USA vertreten, nicht zuletzt weil Diesel an der Tankstelle deutlich mehr als Benzin kostet. Dazu kosten die Fahrzeuge mehr, was viele abschreckt – auch wenn sich Diesel durch einen 25 bis 40 Prozent geringeren Verbrauch gegenüber Benzinern langfristig rentieren.

Vor allem Volkswagen feierte in den vergangenen Jahren einige Erfolge und ist stark in dem kleinen Marktsegment vertreten. Die „Clean Diesel“-Werbung schlug ein. Für ein großes Echo sorgte beispielsweise der Werbespot mit zwei Freunden, die mit einem Passat TDI auf Reise gehen und eine CD zum Spanischlernen auflegen. Als sie nach 13 Stunden zum ersten Mal an einer Tankstelle anhalten, beschwert sich der Mitfahrer im perfekten Spanisch über mangelnde Musik auf der 1280 Kilometer langen Strecke. Reichweite ist ein große Plus in den USA: „Amerikaner wollen so wenig wie möglich aus dem Auto steigen“, sagte Rainer Michel, der frühere Produktchef von Volkswagen Amerika 2013 im Interview mit dem Handelsblatt.

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VW verspricht ähnlichen Verbrauch

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