VW-Dieselskandal Piëch soll Winterkorn angeschwärzt haben

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn beteuert, erst spät von der Diesel-Manipulation erfahren zu haben. Doch laut einem Bericht belastet ihn nun Ex-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gegenüber der Staatsanwaltschaft.
Update: 03.02.2017 - 16:33 Uhr 16 Kommentare
Der frühere Aufsichtsratschef Piëch soll laut einem Bericht den ehemaligen Vorstandschef Winterkorn gegenüber der Staatsanwaltschaft belastet haben. Quelle: dpa
Martin Winterkorn (links) und Ferdinand Piëch 2008

Der frühere Aufsichtsratschef Piëch soll laut einem Bericht den ehemaligen Vorstandschef Winterkorn gegenüber der Staatsanwaltschaft belastet haben.

(Foto: dpa)

HamburgDer im Groll bei Volkswagen ausgeschiedene frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch belastet in der Abgasaffäre einem Magazin-Bericht zufolge den ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn. Piëch habe in einer ausführlichen Aussage bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig erklärt, Winterkorn habe früher als bislang eingeräumt von dem Dieselbetrug erfahren, berichtete der „Spiegel“ am Freitag vorab. Piëch habe ausgesagt, er selbst habe Ende Februar 2015 von einem Informanten den Hinweis erhalten, dass VW ein großes Problem in den USA habe, weil das Unternehmen mit einer Software die Abgaswerte manipuliere. Hinweise darauf hätten die US-Behörden bereits an VW weitergeleitet.

Laut Spiegel will Piëch Winterkorn damals darauf angesprochen haben. Doch der damalige VW-Chef habe ihm versichert, ein solches Papier aus den USA existiere nicht. Dies habe der frühere VW-Patriarch den Ermittlern bei einer Befragung Ende vergangenen Jahres gesagt, berichtete das Nachrichtenmagazin ohne Quellenangabe.

Winterkorn ließ über seinen Anwalt erklären, er habe erst vor wenigen Tagen von der Existenz der weitergehenden Aussage Piëchs erfahren. Er werde sich dazu äußern, sobald ihm die Akten der Staatsanwaltschaft zur Einsicht vorgelegen hätten.

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hatte vor einer Woche erst die Ermittlungen gegen Winterkorn auf den Betrugsverdacht ausgeweitet. Laut den Strafverfolgern hatten sich „zureichende tatsächliche Anhaltspunkte“ ergeben, dass der ehemalige Konzernchef früher als von ihm öffentlich behauptet von der Betrugssoftware und ihrer Wirkung gewusst haben könnte. Dabei berief sich die Ermittlungsbehörde auf eigene Vernehmungen von Zeugen und die Auswertung beschlagnahmter Dateien.

Winterkorn hat mehrfach beteuert, erst im September 2015 von den millionenfachen Abgasmanipulationen erfahren zu haben. Er war kurz nach Bekanntwerden des Dieselskandals von seinem Amt an der Spitze von Europas größtem Autobauer zurückgetreten. Schon damals hatte er erklärt, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Sollte sich herausstellen, dass Winterkorn früher von dem Skandal wusste, hätten Anleger Argumente, um Schadensersatz für erlittene Kursverluste ihrer VW-Aktien zu fordern.

Der damalige VW-Chef war im September 2015 von seinem Amt an der Spitze von Europas größtem Autokonzern zurückgetreten, kurz nachdem die Abgasmanipulation durch die US-Umweltbehörden öffentlich bekannt gemacht wurde. Wenige Monate vorher, im April 2015, hatte der damalige Konzernlenker einen Machtkampf gegen seinen Ziehvater Piëch überstanden. Piëch zog sich daraufhin aus dem Konzern zurück.

Die Opfer des Ferdinand Piëch
Porsche wehrt sich gegen Gerichtsentscheidung
1 von 10

Porsche-Miteigner und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat sich in vielen Machtkämpfen durchgesetzt. Einer seiner großen Coups war die Übernahme des Sportwagenbauers Porsche. In seiner langen Karriere hat Piëch schon so manchen Top-Manager aus dem Weg geräumt.

Piëchs Karriere
2 von 10

Von 1963 bis 1972 arbeitet der Enkel des legendären Ferdinand Porsche selbst bei dem Sportwagenbauer. Doch dann verständigen sich die Inhaberfamilien darauf, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Ferdinand Piëch macht trotzdem Karriere in der Autoindustrie. Eine wichtige Station ist Audi, wo er 1988 Chef wird. 1993 übernimmt er das Steuer bei der Konzernmutter Volkswagen. Die Entwicklung bei Audi verfolgt er dennoch aufmerksam weiter – und lässt seine Nachfolger gleich reihenweise über die Klinge springen.

Franz-Josef Kortüm
3 von 10

Als erster bekommt Franz-Josef Kortüm zu spüren, dass ausgewechselt wird, wer Piëch nicht passt. Der neue Mann an der Audi-Spitze kritisiert seinen Vorgänger, er habe ihm Parkplätze voller unverkaufter Autos zurückgelassen. Nach nur 13 Monaten muss Kortüm gehen. Offiziell, weil er die Erwartungen an die Absatzzahlen nicht erfüllt hat.

Herbert Demel
4 von 10

Abgelöst wird Kortüm von Herbert Demel. Doch der selbstbewusste Manager gerät mehrfach mit Ferdinand Piëch aneinander. Das Ende vom Lied: Demel muss den Platz als Audi-Chef räumen und wird nach Brasilien strafversetzt.

Franz-Josef Paefgen
5 von 10

Und noch ein dritter Audi-Chef fällt Piëch zum Opfer: Franz-Josef Paefgen. Dessen Entlassung ging ein Zeitungsinterview des VW-Chefs voraus, in dem er Paefgen "Stillstand" bei Audi vorwarf. Gemunkelt wird aber, Paefgen sei dem VW-Chef zu erfolgreich geworden. Er wird zur VW-Tochter Bentley verschoben.

José Ignacio López
6 von 10

Angst und Schrecken verbreitet Piëch bei weitem nicht nur in Ingolstadt. Den berühmt-berüchtigten Kostendrücker José Ignacio López wirbt der VW-Chef zunächst 1993 bei General Motors ab. 1996 lässt Piëch ihn fallen, weil Vorwürfe laut geworden waren, López habe Geheimpapiere von GM zu VW mitgebracht. Die Konzerne beenden ihren Streit mit einem Vergleich.

Bernd Pischetsrieder
7 von 10

2002 wechselt Piëch an die VW-Aufsichtsratsspitze. Als seinen Nachfolger auf dem Posten des Vorstandschefs verpflichtet er Bernd Pischetsrieder. Doch wieder einmal ist Piëch unzufrieden. Er und Pischetsrieder kommen nicht miteinander zurecht. Obwohl der Vertrag des Bayern noch auf der Hauptversammlung 2006 um fünf Jahre verlängert wird, muss er Ende des Jahres seinen Posten räumen. Piëch stürzt ihn in einer Nacht- und Nebel-Aktion.

Auslöser für den Streit war damals ein Zitat Piëchs im „Spiegel“, er sei „auf Distanz“ zu Winterkorn. Damit durchkreuzte Piëch Winterkorns Hoffnung, ihn als Aufsichtsratschef beerben zu können. Warum Piëch von Winterkorn abrückte, blieb im Dunkel. Er selbst äußerte sich nie dazu.

Von der Ermittlungsbehörde war keine Stellungnahme zu erhalten. VW wollte den Bericht nicht kommentieren: „Zu laufenden Untersuchungen äußern wir uns nicht“, sagte ein Sprecher. Auch die Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piëch die Mehrheit an dem Wolfsburger Konzern halten, lehnte einen Kommentar ab. Über die Familienholding ist Piëch weiterhin an Volkswagen beteiligt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
  • vov
Startseite

Mehr zu: VW-Dieselskandal - Piëch soll Winterkorn angeschwärzt haben

16 Kommentare zu "VW-Dieselskandal: Piëch soll Winterkorn angeschwärzt haben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Stefan Nold, 03.02.2017, 16:14 Uhr

    "(...) Die Rettung kann nur daran liegen, dass jeder einzelne von uns, jeder Chef, jeder Lehrer, jeder Professor, jeder Gewerkschaftsboss, jeder Journalist, jeder einzelne kleine Vereinsvorsitzende und nicht zuletzt auch jeder Politiker sich auf die Werte besinnt, die ihm oder ihr irgendwann einmal beigebracht worden sind und danach handelt."

    Damit haben Sie natürlich völlig Recht. Aber zur Passage "(Werte) die ihm oder ihr irgendwann einmal beigebracht worden sind" möchte ich anmerken, dass es sehr vom jeweiligen politischen Umfeld abhängt, welche "Werte" gerade angesagt sind, und vor allem auch, ob bei der Erziehung von Kindern überhaupt noch Werte vermittelt werden. Tröstlicherweise scheint dessenungeachtet aber den Menschen ein ganz eigenes Gefühl für Anstand gegeben zu sein (siehe z.B. das Zitat von Anne Frank: "Trotz allem glaube ich an das Gute im Menschen").

    In finsteren Zeiten mussten die Menschen (und müssen es leider oft immer noch) ganz bewusst mit den propagierten „Werten“ und Gesetzen brechen, wenn sie sich nicht schuldig machen wollten. Beispiele dafür wären z.B. Oskar Schindler, Sophie Scholl, Nelson Mandela, Solschenizyn, Martin Luther King und noch viele, viele andere, von denen die Gesellschaft später nie etwas gehört hat.

  • Entschuldigung:
    Ein Zeunisverweigerungsrecht hat Herr Piech offensichtlich nicht.

  • Herr Piech hat bei einer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in Braunschweig eine Aussage gemacht, die wohl auf Fragen des Staatsanwalts basiert. Ein Zeugnisverweigerungsrecht hat Herr Piech offensichtlich. Man muss also davon ausgehen, dass Herr Piech schlicht die Wahrheit gesagt hat.

    Wieviel postfaktische Fantasie ist notwendig, um darin ein "Anschwärzen" zu sehen und die vielen anderen Verschwörungstheorien zu produzieren? Mit Journalismus und Kommentierung hat das alles nichts mehr zu tun. In der Überschrift wird schon die Meinung vorweggenommen, die auf Unterstellungen beruht.

    Unsere hyperaktive Medienwelt ist dabei, ihr Verständigungsmittel zu verlieren - die Sprache - und den Verstand dazu.

  • @Toni Ebert
    Da haben Sie mich leider missverstanden.
    1. Mit einem Kreuzchen bei einer Wahl, egal an welcher Stelle, ist es nicht getan. Die eigene Verantwortung muss man wahrnehmen und nach ethischen Grundsätzen handeln. Leo Tolstoi oder Alexander Solschenizyn wären Vorbilder, an denen man sich orientieren könnte.
    2. Nach allem was wir wissen, ist Donald Trump als Geschäftsmann völlig rücksichtlos gewesen und hat den Staat, dem er heute als Präsident dienen soll, schamlos bei der Steuer ausgetrickst - und hat damit noch geprahlt.

    Auf zwei Bibeln hat er seinen Amtseid geschworen. In Psalm 68, 31 heißt es dort: "tritt nieder, die das Silber lieb haben, zerstreue die Völker, die gerne Krieg führen". Mit diesem frommen Wunsch in Richtung USA, Russland, EU und China im allgemeinen und Mr. Donald Trump im besonderen verabschiede ich mich ins Wochenende.

  • Die Rettung kann nur daran liegen, dass jeder einzelne von uns, jeder Chef, jeder Lehrer, jeder Professor, jeder Gewerkschaftsboss, jeder Journalist, jeder einzelne kleine Vereinsvorsitzende und nicht zuletzt auch jeder Politiker sich auf die Werte besinnt, die ihm oder ihr irgendwann einmal beigebracht worden sind und danach handelt. Das ist der Ruck, der durch Deutschland gehen sollte.
    -----------------------------------

    Genau das ist (unerwartet) in den USA gerade passiert.

    Wir sollten aber immer daran denken, dass es Kräfte gibt, die am Krieg, Unfrieden und der Entwurzlung des Volkes bestens verdienen:

    - Medien
    - Politiker
    - Bankster.

    Immerhin das Volk in den USA hat es verstanden und durch eine freie und geheime Wahl zum Ausdruck gebracht.

    Glückwunsch an das Volk.

  • Artikel 5 GG

    Handelt es sich bei Ihrer Auslegung um eine postfaktische, Herr Kastner?

  • Pie..Pack.....
    ......schlaegt sich
    ......

  • Was sich hier offenbart ist mehr als eine bloße Intrige. Die treibende Kraft hinter solchen Aktionen ist die unersättliche Gier. Das wusste schon der Prophet Micha: "Höret ihr Stämme und Ratsleute. Noch immer bleibt unrecht Gut in des Gottllosen Hause und das verfluchte falsche Maß. Oder sollte ich unrechte Waage und falsche Gewichte im Beutel billigen? Ihre Reichen tun viel unrecht, und ihre Einwohner gehen mit Lügen um und haben falsche Zungen in ihrem Halse" (Micha 6, 9-12). Das Motto der Konzernchefs von heute lautet: Der Profit heiligt die Mittel. Aber wenn man danach handelt, kann man am Ende alles verlieren. Anstand und Fair Play. Darum sollte es gehen. Aber wenn die Chef-"Aufklärerin" bei VW sich nach einem Jahr mit 13 Millionen "Entschädigung" im eigenen Säckel vom Acker macht, dann sieht man, wie tief der Sumpf da oben tatsächlich ist. Die Rettung ist nicht irgendein Heilsbringer, das hat die Geschichte zu genüge gezeigt. Die Rettung kann nur daran liegen, dass jeder einzelne von uns, jeder Chef, jeder Lehrer, jeder Professor, jeder Gewerkschaftsboss, jeder Journalist, jeder einzelne kleine Vereinsvorsitzende und nicht zuletzt auch jeder Politiker sich auf die Werte besinnt, die ihm oder ihr irgendwann einmal beigebracht worden sind und danach handelt. Das ist der Ruck, der durch Deutschland gehen sollte.

  • "Wer mit dem Russen einen Krieg beginnt, hat schon verloren", sagte mein Opa. Und gegen Piech kann keiner gewinnen, auch das war uns und dem Rest der Welt schon immer klar.

    Und wir alle taten gut daran, uns das sehr zu Herzen zu nehmen.

    Es erfüllt mich mit Stolz, Herr Dr. Piech hat einmal wieder gezeigt, dass er großer Mann mit Format und Macht ist. Man sieht, am Ende siegt immer die Gerechtigkeit.

    Zuerst ist man dem Vorschlag von Piech gefolgt und hat Herrn Müller an die Spitze gesetzt und nun dürfte es wohl an der Zeit sein, dass wir alle "auf Abstand zu Wiko gehen".

    Dank Herrn Müller ist es VW gelungen wieder an die Weltspitze zu kommen und das in dieser so schweren Zeit.

  • @Baltes, die hiesige Kommentarfunktion ist aber ein selten gewordener Ort, ich vermute Herrn Gabor Steingart sei Dank, an dem Artikel 5 GG noch gilt. Dafür riesigen Dank an HB.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%