VW-Einstieg bei MAN
Pischetsrieder zieht die Strippen

Im Übernahmepoker um den schwedischen Lkw-Bauer Scania hat Großaktionär VW die Initiative ergriffen. Die Wolfsburger sind bei MAN eingestiegen. Der Münchener Mischkonzern, der ein Übernahmeangebot für Scania vorgelegt hat, droht damit vom Jäger zum Gejagten zu werden. Dagegen steht VW-Chef Pischetsrieder glänzend da. Er ist seinen Zielen so nah wie nie.

hz/HB MÜNCHEN. Der Volkswagen-Konzern kündigte am Mittwoch überraschend an, sich mit gut 15 Prozent an MAN beteiligt zu haben. VW-Chef Bernd Pischetsrieder hält nun im Übernahmepoker alle Asse im Ärmel. Er hat damit sein Ziel erreicht, an einem fusionierten Konzern MAN/Scania eine Sperrminorität von 25 Prozent zu halten. Die vollständige Übernahme von MAN sei hingegen nicht geplant, wie eine Volkswagen-Sprecherin betonte. „Das Vorgehen von Volkswagen ist in keinerlei Hinsicht als unfreundlich beabsichtigt“, heißt es ausdrücklich.

Die Wolfsburger sind größter Scania-Aktionär und hatten unlängst zusammen mit dem zweitgrößten Anteilseigner – der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg – ein Übernahmeangebot von MAN für den schwedischen LKW-Bauer zurückgewiesen. Spekulationen um ein mögliches Gegenangebot von VW und Scania für MAN hatten die Aktie des Münchener Lkw-Herstellers am Dienstag auf ein Allzeithoch getrieben. Im Markt kursierten Gerüchte, VW und Scania wollten gemeinsam MAN übernehmen. Als Preis wurden 81 Euro pro Aktie genannt. Der Kurs der MAN-Aktie stieg daraufhin um bis zu 7,67 Prozent auf 75,37 Euro. Nach dem tatsächlichen Einstieg Volkswagens und der Erklärung, die vollständige Übernahme sei nicht beabsichtigt, brach die MAN-Aktie zeitweise um mehr als 9 Prozent ein.

VW begründete seinen Einstieg bei MAN mit Hinweisen im Markt auf einen unfreundlichen Übernahmeversuch durch Dritte. „Die Beteiligung an MAN sei zur Sicherung der Interessen von Volkswagen erforderlich.“ Mit einer ähnlichen Begründung hatte Porsche vor gut einem Jahr seinerseits auch seinen Einstieg bei VW begründet.

Pischetsrieder sieht sich als „Hochzeits-Lader“

Die 15-Prozent-Beteiligung solle das strategische Interesse von Volkswagen im Nutzfahrzeuggeschäft sichern, betonte VW-Chef Pischetsrieder. „Es ist das klare Ziel von Volkswagen, dieses Interesse nicht nur zu wahren, sondern vielmehr deren Wahrnehmungsmöglichkeiten zu stärken“, sagte er. Der Konzernchef will das eigene Lkw-Geschäft in Brasilien in das neue Unternehmen einzubringen. In dem südamerikanischen Land ist VW der größte Lkw-Hersteller und verkauft seine Fahrzeuge auch in andere Schwellenländer. Hierzulande hat VW lediglich den Kleintransporter VW Crafter (ehemals LT) im Programm, ein Schwestermodell des Mercedes Sprinter. Die Rolle von VW hatte Pischetsrieder unlängst als die eines „Hochzeits-Laders“ für MAN und Scania beschrieben.

Zurzeit hält der Volkswagen mit seinem Stimmrechtsanteil von 34 Prozent und einem Kapitalanteil von 18,7 Prozent bei Scania die Sperrminorität. Bei einem fusionierten Konzern MAN/Scania hätten die Wolfsburger höchstens noch 16 Prozent der Anteile gehalten und damit deutlich an Macht eingebüßt. Dank der nunmehr erworbenen gut 15 Prozent an MAN sichert sich VW nun nach ersten Berechnungen von Analysten die angestrebte Sperrminorität von 25 Prozent.

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