Volkswagen setzt mit einem eigenen Werk zum Sprung auf den US-Markt an. Dazu legt Konzernchef Martin Winterkorn den VW-Kontrolleuren unter Vorsitz von Ferdinand Piëch in ihrer Sitzung Mitte Juli ein Konzept vor. „Noch vor der Sommerpause im Juli werden wir das Thema US-Werk zur Entscheidung in den Aufsichtsrat bringen“, sagte Winterkorn dem Handelsblatt.
HB WOLFSBURG. Geplant sei, dass die Produktion in den USA bereits 2010 anlaufe, sagte der VW-Chef. Aus Unternehmenskreisen verlautete, eine Grundsatzentscheidung sei gefallen, man hoffe jetzt auf weitere finanzielle Zugeständnisse im Wettkampf der Standorte. „Es sind drei Bundesstaaten im Osten der Vereinigten Staaten in der finalen Auswahl“, sagte Winterkorn. Gemeint sind Alabama, Tennessee und Michigan.
Der VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh äußerte sich zufrieden mit den Plänen. "Winterkorn hat eine ueberzeugende US-Strategie vorgelegt", sagte er. Angesichts des Dollar-Kurses gebe es mittelfristig keine Alternative zu einer Fertigung im Dollar-Raum. "Allerdings setzt dies voraus, dass wir auch im Bereich der Zulieferer eine starke Lokalisierung vornehmen", sagte Osterloh.
Er kündigte an, dass er im Juni Gespräche mit seinen us-amerikanischen Gewerkschaftskollegen führen wolle. "Wir nehmen einen neuen Standort in den USA sehr ernst. Wenn wir Toyota überholen wollen und unsere erfolgreiche Wachstumsstrategie fortsetzen wollen, dann müssen wir in den USA Marktanteile gewinnen", betonte der VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende.
Europas größter Autobauer legt sich damit erstmals auf einen konkreten Zeitplan für die Entscheidung und den Bau fest. Zum ersten Mal könnte eine Fertigung zudem gemeinsam mit dem VW-Großaktionär Porsche betrieben werden, heißt es in Unternehmenskreisen. Das wäre ein Symbol für die neuen Möglichkeiten im Autoreich der Familien Porsche und Piëch.
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Um Kosten zu sparen, soll die Fabrik neben VW-Fahrzeugen auch Modelle der Ingolstädter Premiumtochter Audi und des Stuttgarter Großaktionärs Porsche bauen.
„Wir prüfen, ob wir dort möglicherweise die nächste Generation eines SUV von Audi gemeinsam mit unseren Fahrzeugen produzieren können“, sagte Winterkorn dem Handelsblatt. „Das wäre sicher die kostengünstigere Variante gegenüber einem eigenen Audi-Werk. Deshalb bevorzuge ich sie.“ Die Neuauflagen von Audi Q7 und Porsche Cayenne würden aber nicht vor Mitte des nächsten Jahrzehnts in den USA gebaut werden können. Auch eine exklusive Fertigung der Geländewagen in den USA wird durchgerechnet.
Solange VW kein US-Werk hat, müssen Imageträger wie der kleine Geländewagen Tiguan verlustreich in die USA geschippert werden. Weitere Nischenmodelle wie die Coupévariante des Golf könnten folgen. „Wir überlegen auch, den Scirocco in die USA zu bringen“, sagte Winterkorn. VW betreibt nach der Schließung seines letzten US-Werks im Jahr 1998 derzeit nur im mexikanischen Puebla eine Produktion.
Dort soll auch der nächste Jetta gebaut werden. Die Limousinenversion des Golf ist das wichtigste Modell der Wolfsburger auf dem US-Markt. „Bereits 2010 wird aus Mexiko ein Nachfolger des Jetta kommen, der als erstes Modell exakt auf die Kundenwünsche in den USA ausgerichtet sein wird“, sagte der VW-Chef.

