VW-Führung zum Dieselgate
„Volkswagen wird daran nicht zerbrechen“

Die VW-Führungsspitze stellt sich erstmals der Öffentlichkeit: Volkswagen-Chef Müller verbreitet Optimismus, während Chefaufseher Pötsch volle Aufklärung verspricht. Doch einen umfassenden Bericht gibt es erst später.
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WolfsburgDer „Mobile Life Campus“ in Wolfsburg ist gewöhnlich ein Ort der Fortbildung bei Volkswagen. Am Donnerstag ist er auch ein Ort der Aufarbeitung. Erstmals stellen sich der neue Vorstandschef Matthias Müller und der oberste Aufseher Hans Dieter Pötsch der Öffentlichkeit. 150 Journalisten aus der ganzen Welt sind da. So viele wie sonst nur beim Aktionärstreffen im Frühjahr.

Am Anfang stehen Demut und Aufarbeitung. 450 Spezialisten sind derzeit damit beschäftigt. Datenmaterial im Volumen von 50 Millionen Büchern sei zur Auswertung gesichert worden. „Nehmen sie das als Zeichen, dass wir es sehr sehr ernst meinen“, sagt Aufsichtsratschef Pötsch. Die interne Aufklärung werde allerdings noch bis zum kommenden Jahr dauern. Ein umfassender Bericht sei für die Hauptversammlung am 21. April geplant.

Der ehemalige Finanzvorstand hält die Abgaskrise für die bisher größte Bewährungsprobe in der Geschichte von Europas größtem Autobauer. „Die Krisenfolgen werden vermutlich beträchtlich sein“, sagt Pötsch mit Blick auf die finanziellen Folgen der Manipulationen von Millionen Dieselmotoren. „Die vergangenen zwei Monate waren für uns beispiellos – niemand hier hat sich vorstellen können, dass unser Unternehmen in eine Situation geraten könnte, wie wir sie seit Ende September erleben.“

Europas größter Autobauer hatte zugegeben, in Millionen Dieselmotoren eine Software eingesetzt zu haben, die Daten zum Ausstoß der gesundheitsschädlichen Stickoxid-Abgase schönte. In der Folge stürzte Volkswagen in eine schwere Krise. Für deren Bewältigung bildete der Konzern bisher Rücklagen von 6,7 Milliarden Euro. Das Ansehen des größten europäischen Autobauers ist ramponiert, sodass Analysten mit sinkenden Verkaufszahlen rechnen. Rückrufaktionen, Geldbußen und milliardenschwere Schadensersatzklagen sind weitere Folgen. „Alles kommt auf den Tisch, nichts wird unter den Teppich gekehrt“, sagt Pötsch am Donnerstag.

Drei Faktoren hätten zu der Manipulation geführt: Individuelles Fehlverhalten, Schwachstellen in Prozessen und die Toleranz von Regelverstößen in einigen Teilen des Unternehmens. Künftig solle in der Entwicklung deshalb das Vier-Augen-Prinzip strikt eingehalten werden.

Als eine Konsequenz aus der Affäre will VW den Ausstoß von Emissionen „extern und unabhängig“ überprüfen lassen. Es würden Straßentests eingeführt, sagte Pötsch. „Damit tragen wir hoffentlich dazu bei, Vertrauen zurückzugewinnen.“ Derzeit werden Autos nur auf dem Prüfstand getestet. Straßentests sind in der EU ab dem 1. September 2017 verpflichtend – für alle neu zugelassenen Fahrzeuge ab dem 1. September 2019.

Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Zwischenbilanz. Die VW-Aktien, die zunächst 3,7 Prozent zugelegt hatten, drehten ins Minus und notierten zeitweise 2,5 Prozent schwächer.

Volkswagen will sich nicht aus der Bahn werfen lassen. „Wir tun alles, um die aktuelle Situation zu bewältigen. Aber wir werden nicht zulassen, dass uns diese Krise lähmt“, sagte VW-Chef Müller laut Redetext. „So ernst die aktuelle Situation auch ist: Dieses Unternehmen wird daran nicht zerbrechen“, ergänzte er. Volkswagen kündigte zudem an, Emissionstests künftig externen unabhängigen Überprüfungen unterziehen zu wollen.

Unmittelbar Verantwortliche für den Skandal werden zunächst namentlich nicht genannt. Sie könne Volkswagen noch nicht nennen, weil die Erkenntnisse erst wasserdicht sein müssten, sagte Chefaufseher Pötsch. Bis dahin gelte die Unschuldsvermutung, und Sorgfalt gehe vor Geschwindigkeit. Vorzeitige Schuldzuweisungen sind ohnehin heikel – und erst recht angesichts der vor allem in den USA auf VW zurollenden Klagewelle.

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  • „Volkswagen wird daran nicht zerbrechen“
    Warum sollten sie auch. Das ein wirtschaftlicher Einbruch erfolgt ist bestimmt nicht ausschließlich den manipulierten Dieselmotoren zuzuschreiben. Ein Einbruch kommt mich Sicherheit.
    Aber ansonsten sollten VW den amerikanischen Markt den Japanern oder den Chinsen überlassen. Die sind viel dickfelliger.

  • Wenn Herr Pötsch als seines Zeichens amtierender Aufsichtsratsvorsitzender heute sagt, dass gleichsam alles auf den Tisch kommt und nichts unter den Teppich gekehrt wird, fehlt aufgrund des zurückliegenden Fehlverhaltens Dritter das nötige Vertrauen. Selbst die von der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission ausdrücklich als eigenständig anerkannten und am Beispiel der Volkswagen AG erhobenen Befunde zur Frage der inneren Logik produktiver Arbeit wies beispielsweise die Hans-Böckler-Stiftung ab. Es bedarf somit nicht einer Entscheidung des Konzerns selbst, sondern etliche Vorfeldorganisationen insbesondere auf der Seite der Gewerkschaft lassen nichts unversucht, damit keiner den Frevel im Detail aufklären kann.

  • ...dümmer geht es kaum noch....

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