VW-Führung zum Dieselgate

„Volkswagen wird daran nicht zerbrechen“

Die VW-Führungsspitze stellt sich erstmals der Öffentlichkeit: Volkswagen-Chef Müller verbreitet Optimismus, während Chefaufseher Pötsch volle Aufklärung verspricht. Doch einen umfassenden Bericht gibt es erst später.
Update: 10.12.2015 - 12:42 Uhr 9 Kommentare
Gute Laune nach zwei „beispiellosen“ Monaten. Quelle: Reuters
Matthias Müller (r.) und Hans Dieter Pötsch

Gute Laune nach zwei „beispiellosen“ Monaten.

(Foto: Reuters)

WolfsburgDer „Mobile Life Campus“ in Wolfsburg ist gewöhnlich ein Ort der Fortbildung bei Volkswagen. Am Donnerstag ist er auch ein Ort der Aufarbeitung. Erstmals stellen sich der neue Vorstandschef Matthias Müller und der oberste Aufseher Hans Dieter Pötsch der Öffentlichkeit. 150 Journalisten aus der ganzen Welt sind da. So viele wie sonst nur beim Aktionärstreffen im Frühjahr.

Am Anfang stehen Demut und Aufarbeitung. 450 Spezialisten sind derzeit damit beschäftigt. Datenmaterial im Volumen von 50 Millionen Büchern sei zur Auswertung gesichert worden. „Nehmen sie das als Zeichen, dass wir es sehr sehr ernst meinen“, sagt Aufsichtsratschef Pötsch. Die interne Aufklärung werde allerdings noch bis zum kommenden Jahr dauern. Ein umfassender Bericht sei für die Hauptversammlung am 21. April geplant.

Der ehemalige Finanzvorstand hält die Abgaskrise für die bisher größte Bewährungsprobe in der Geschichte von Europas größtem Autobauer. „Die Krisenfolgen werden vermutlich beträchtlich sein“, sagt Pötsch mit Blick auf die finanziellen Folgen der Manipulationen von Millionen Dieselmotoren. „Die vergangenen zwei Monate waren für uns beispiellos – niemand hier hat sich vorstellen können, dass unser Unternehmen in eine Situation geraten könnte, wie wir sie seit Ende September erleben.“

Europas größter Autobauer hatte zugegeben, in Millionen Dieselmotoren eine Software eingesetzt zu haben, die Daten zum Ausstoß der gesundheitsschädlichen Stickoxid-Abgase schönte. In der Folge stürzte Volkswagen in eine schwere Krise. Für deren Bewältigung bildete der Konzern bisher Rücklagen von 6,7 Milliarden Euro. Das Ansehen des größten europäischen Autobauers ist ramponiert, sodass Analysten mit sinkenden Verkaufszahlen rechnen. Rückrufaktionen, Geldbußen und milliardenschwere Schadensersatzklagen sind weitere Folgen. „Alles kommt auf den Tisch, nichts wird unter den Teppich gekehrt“, sagt Pötsch am Donnerstag.

Drei Faktoren hätten zu der Manipulation geführt: Individuelles Fehlverhalten, Schwachstellen in Prozessen und die Toleranz von Regelverstößen in einigen Teilen des Unternehmens. Künftig solle in der Entwicklung deshalb das Vier-Augen-Prinzip strikt eingehalten werden.

Als eine Konsequenz aus der Affäre will VW den Ausstoß von Emissionen „extern und unabhängig“ überprüfen lassen. Es würden Straßentests eingeführt, sagte Pötsch. „Damit tragen wir hoffentlich dazu bei, Vertrauen zurückzugewinnen.“ Derzeit werden Autos nur auf dem Prüfstand getestet. Straßentests sind in der EU ab dem 1. September 2017 verpflichtend – für alle neu zugelassenen Fahrzeuge ab dem 1. September 2019.

Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Zwischenbilanz. Die VW-Aktien, die zunächst 3,7 Prozent zugelegt hatten, drehten ins Minus und notierten zeitweise 2,5 Prozent schwächer.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Volkswagen will sich nicht aus der Bahn werfen lassen. „Wir tun alles, um die aktuelle Situation zu bewältigen. Aber wir werden nicht zulassen, dass uns diese Krise lähmt“, sagte VW-Chef Müller laut Redetext. „So ernst die aktuelle Situation auch ist: Dieses Unternehmen wird daran nicht zerbrechen“, ergänzte er. Volkswagen kündigte zudem an, Emissionstests künftig externen unabhängigen Überprüfungen unterziehen zu wollen.

Unmittelbar Verantwortliche für den Skandal werden zunächst namentlich nicht genannt. Sie könne Volkswagen noch nicht nennen, weil die Erkenntnisse erst wasserdicht sein müssten, sagte Chefaufseher Pötsch. Bis dahin gelte die Unschuldsvermutung, und Sorgfalt gehe vor Geschwindigkeit. Vorzeitige Schuldzuweisungen sind ohnehin heikel – und erst recht angesichts der vor allem in den USA auf VW zurollenden Klagewelle.

„Wunder von Wolfsburg“
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9 Kommentare zu "VW-Führung zum Dieselgate: „Volkswagen wird daran nicht zerbrechen“"

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  • „Volkswagen wird daran nicht zerbrechen“
    Warum sollten sie auch. Das ein wirtschaftlicher Einbruch erfolgt ist bestimmt nicht ausschließlich den manipulierten Dieselmotoren zuzuschreiben. Ein Einbruch kommt mich Sicherheit.
    Aber ansonsten sollten VW den amerikanischen Markt den Japanern oder den Chinsen überlassen. Die sind viel dickfelliger.

  • Wenn Herr Pötsch als seines Zeichens amtierender Aufsichtsratsvorsitzender heute sagt, dass gleichsam alles auf den Tisch kommt und nichts unter den Teppich gekehrt wird, fehlt aufgrund des zurückliegenden Fehlverhaltens Dritter das nötige Vertrauen. Selbst die von der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission ausdrücklich als eigenständig anerkannten und am Beispiel der Volkswagen AG erhobenen Befunde zur Frage der inneren Logik produktiver Arbeit wies beispielsweise die Hans-Böckler-Stiftung ab. Es bedarf somit nicht einer Entscheidung des Konzerns selbst, sondern etliche Vorfeldorganisationen insbesondere auf der Seite der Gewerkschaft lassen nichts unversucht, damit keiner den Frevel im Detail aufklären kann.

  • ...dümmer geht es kaum noch....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "VW ist das Opfer einer bösartigen Attacke (wie zuvor übrigens Siemens mit ihrem Bestechungsskandal auch schon)."

    Das sehe ich anders.

    Um überhaupt erst zum "Opfer" werden zu können, muss man überall dort, wo auch nur annähernd rechtsstaatliche Verhältnisse herrschen, schon genug "Angriffsfläche" bieten.

  • Tja in Deutschland kann das VW, da gilt die Devise, wir halten mal alle hin und hoffen, dass sich alles im Sande verläuft.....

    Ist ja schon ärgerlich, dass nun in den USA ausgerechnet in Kalifornien das Verfahren gegen VW durchgezogen wird!

    Ja ja, Schuld sind die anderen, das kann man in Deutschland bringen und die fehlende KFZ-Steuer, ach die lassen wir einfach unter den Tisch fallen!
    Wir haben ja genug doofe die zahlen!

    Pfui Teufel und ich bin gespannt wie dieses Schmierentheater weiter geht!

    Es ist kriminell und in keinster Weise zu entschuldigen, geschweige denn unter den Tisch zu kehren!
    Höre ich da mehr aus der Politik???????????????NEIN, wir sind ja im Autoland und da darf dieser Industriezweig alles machen!
    Gibt ja dann auch wieder gute Parteienspenden, gelle!

  • Ja, die Hoffnung ist.

    Wenn man sich jedoch das Timing dieser Skandal-Veröffentlichung mit großer , taggleicher medialer Breitenseiten-Attacke über sämtiche Medien-Kanäle anschaut, dann weiß man, dass hinter dieser 'Vermarktung' des Skandals professionelle Interessen stehen.

    Und diese Interessen wirken nicht nur im Vorfeld des Skandal-Hypes, sondern weiterhin hinter den Kulissen.

    In meinem Verständnis handelt es sich um eine groß angelegte, konzertierte Aktion, um VW fundamental und substanziell zu treffen. Ein Aspekt der Wirtschaftskriegführung.

    Und diese Akteure sind mächtig und vernetzt genug, um beim jetzt bevorstehendem 'Schlachtfest' die Dinge in ihrem Sinne zu beeinflussen.

    VW ist das Opfer einer bösartigen Attacke (wie zuvor übrigens Siemens mit ihrem Bestechungsskandal auch schon).

    Das wird teuer.

  • Nach meinem Kenntnisstand aus Europa, hat VW bisher keine End- oder Firmenkunden darüber informiert, dass ihre Fahrzeuge mit der Betrugssoftware ausgestattet sind.
    Daher ist es schon reichlich unglaubwürdig, den Skandal für beendet zu erklären. Natürlich machen der Bundesverkehrsminister DOBRINDT und das KBA dieses VW-Spielchen mit. Im Prinzip deckt DOBRINDT VW.

    AUDI-Händler haben vereinzelt Firmen bzw. Firmenkunden angeschrieben und informiert, dass ihre Fahrzeuge ebenfalls mit der Betrugssoftware von VW ausgestattet sind. Vereinzelt wurden Inspektionen oder andere geringfügige Dienstleistungen gratis angeboten. Allerdings haben dies die Händler oder Werkstätten in eigener Regie durchgeführt.

    Bleibt zu hoffen, dass VW wenigstens in den USA und anderen Ländern hart bestraft wird. Deutschland scheint eher an der Schwelle der Korruption zu stehen, anders ist die Untätigkeit des Bundesverkehrsministers DOBRINDT nicht zu erklären.

    Oder die Vermutung liegt nahe, dass DOBRINDT komplett versagt hat.

  • „Volkswagen wird daran nicht zerbrechen“
    Ob VW am Schummeldiesel zerbrechen wird oder nicht entscheiden allein US Gerichtet und nicht diese Kasper.

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