VW-Gesetz und Schuldenstand
Weiter Wirbel um Porsche

Die finanzielle Lage des Porsche- Konzerns ist nach Medien-Berichten dramatischer als bisher bekannt. Die Nachrichtenmagazine „Focus“ und der „Der Spiegel“ berichten übereinstimmend von einem Schuldenberg von 14 Mrd. Euro. Porsche sprach zuletzt von einer Verschuldung in Höhe von neun bis zehn Mrd. Euro.

HB STUTTGART/HANNOVER. In der Marathonsitzung in der Nacht zum Donnerstag kamen nach den Berichten andere Zahlen auf den Tisch. Sitzungsteilnehmer sagten laut „Focus“, wäre es nicht zu einer Einigung mit VW gekommen, wäre Porsche in etwa zwei Wochen zahlungsunfähig gewesen. Laut „Spiegel“ benötigt Porsche deshalb schnell frisches Kapital - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann habe bereits interveniert.

Ein Porsche-Sprecher dementierte die Zahlen am Samstag in Stuttgart auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa: „Diese Zahlen können wir nicht bestätigen. Wir hatten zum Halbjahr eine Nettoverschuldung von neun Mrd. Euro. Diese ist durch Steuerzahlungen auf rund zehn Mrd. Euro angewachsen. Eine andere Zahl ist uns nicht bekannt.“

Volkswagen hatte den monatelangen Übernahme-Machtkampf mit Porsche nach dem Aus von Vorstandschef Wendelin Wiedeking gewonnen. Der Wolfsburger Konzern will nun bis Mitte 2011 Porsche schrittweise übernehmen und als zehnte Marke integrieren. Porsche soll eigenständig bleiben. Eine Grundlagenvereinbarung soll bis zum 13. August stehen. Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende und Porsche- Miteigentümer Ferdinand Piëch soll nach dem Sieg laut „Focus“ erklärt haben: „Das war der größte Kampf meines Lebens.“

Nach Medienberichten könnte der Anteil der Familien Porsche und Piëch an einem vereinten VW-Porsche-Konzern geringer als bislang unterstellt werden. Die Familien kämen um eine Kapitalerhöhung nicht herum, sagte Ackermann laut „Spiegel Online“. Sie müssten sehr schnell eigenes Kapital ins Unternehmen stecken. Aus einer Präsentation für den Grundlagenvertrag gehe hervor, dass die Familien Porsche und Piëch in der ersten Jahreshälfte 2011 nicht über 50, sondern nur über 30 Prozent halten sollen, Niedersachsen über 20 und das Emirat Katar unter 20 Prozent. Laut „Focus“ sehen die Besitzverhältnisse wie folgt aus: Den Familien Porsche und Piëch sollen rund 34 Prozent gehören, dem Land Niedersachsen etwas über 20 Prozent sowie dem Staatsfonds aus Katar 19 Prozent.

Zu den Eigentümern des geplanten Fahrzeuggiganten sollen laut „Focus“ auch die Arbeitnehmer gehören. Die Beschäftigten sollen einen Anteil von zwei bis fünf Prozent am Konzern erhalten. Die Betriebsräte fordern allerdings einen höheren Anteil am Unternehmen, von bis zu zehn Prozent ist dabei die Rede.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) warf dem Porsche-Management im „Spiegel“ entscheidende Fehler in der verlorenen Übernahmeschlacht vor. Die Führung des Sportwagenherstellers habe den Eindruck erweckt, bei VW bleibe „kein Stein auf dem anderen“, sollte die Übernahme aus Stuttgart gelingen. „Die Art und Weise, wie Porsche in Wolfsburg einmarschiert ist, fanden sicherlich nicht alle gut.“ So was „produziert natürlich Abwehrreaktionen. Das ist völlig menschlich.“ Im Kampf gegen das VW- Gesetz sei noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Bei diesem Kampf mischt auch die EU-Kommission weiter mit. Die Kommission hat angekündigt, im Herbst darüber zu beraten, ob sie Deutschland wegen des VW-Gesetzes erneut vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt. Der Sprecher von Wettbewerbskommissar Charlie McCreevy sagte der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag, es sei offen, ob auch das nachgebesserte VW-Gesetz gegen EU-Recht verstoße. Der EuGH hatte das Gesetz 2007 für unvereinbar mit EU-Recht erklärt, da es den freien Kapitalverkehr einschränke und eine feindliche Übernahme unmöglich mache. Die Bundesregierung überarbeitete das Gesetz 2008 daraufhin zwar, behielt jedoch die Sperrminorität Niedersachsens bei.

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