VW-Gesetz
Wendelin und das Gespenst

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking glaubte, das VW-Gesetz sei endlich tot – er irrt. Eine mächtige Allianz aus VW-Betriebsräten und Politik will es nun in einer „Light“-Version wiederbeleben. Ein Handelsblatt-Report.

STUTTGART/FRANKFURT/DÜSSELDORF. So etwas mag Wendelin Wiedeking gar nicht. Anfang der Woche rief Porsche 19 000 Cayenne-Geländewagen in die Werkstätten zurück. Die Kraftstoffleitung im Motorraum muss neu verlegt werden. Peinlich: Normalerweise unterlaufen Wiedeking und seinen erfolgsverwöhnten Perfektionisten solche Patzer nicht.

Ein Rückruf? Kann schon mal passieren in der Autoindustrie. Aber es scheint da noch ein anderes Detail zu geben, das Porsche-Chef Wiedeking übersehen hat und das ihm viel mehr Ärger bringen könnte als ein paar Tausend Kraftstoffleitungen: das VW-Gesetz. Das hielt nicht nur Wiedeking für tot, seit es der Europäische Gerichtshof im September 2007 beerdigte. Er irrte – gewaltig.

Das Gesetz, das den Einfluss der Aktionäre bei Volkswagen zugunsten des Landes und der Mitarbeiter begrenzte, entpuppt sich als Untoter – für den Porsche-Chef gar wie der Zombie aus einem Horrorfilm. Eine mächtige Allianz aus VW-Betriebsräten und Politikern in Berlin und Hannover möchte ein VW-Gesetz „light“ wieder einführen. Ein Entwurf liegt bereits vor. Nun rudert Wendelin Wiedeking heftig, um ihn wieder einzusargen. Dass ihm das gelingt, ist alles andere als ausgemacht.

Drei Akteure sind es, die Wiedekings Schreckgespenst wiederauferstehen lassen wollen: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), die aus Niedersachsen stammt. Unterstützt wird das Trio von einer riesigen Statistenschar – den Kollegen bei VW.

„80 000 VW-Mitarbeiter in Niedersachsen stehen hinter dem Bestreben nach einem neuen VW-Gesetz“, sagt Thomas Oppermann. Er ist der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Reichstag zu Berlin – und er gibt sich siegesgewiss: „Eine gewaltige Allianz aus Betriebsrat, IG Metall, dem niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff, allen Landtagsabgeordneten ohne FDP und sämtlichen niedersächsischen Abgeordneten im Bundestag“ macht Oppermann aus. Angesichts „solcher Truppen hinter dem VW-Gesetz“ sieht der Niedersachse „keine Chance für den Widerstand von Herrn Wiedeking“.

Gut gebrüllt, Löwe, immerhin geht es gegen den vielleicht erfolgreichsten deutschen Unternehmenslenker der vergangenen zehn Jahre.

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