VW-Gewinne überdecken Sorgen beim Autoverkauf
Porsche, die Investmentbank

Streit in der Eigentümerfamilie, Machtkampf um Volkswagen, Ärger um die Mitbestimmung im künftigen Konzern. Dass Porsche nebenbei noch eigene Autos baut, scheint derzeit wenig zu interessieren. "Porsche bleibt Porsche", hat Konzern-Chef Wendelin Wiedeking nach dem Einstieg bei VW einmal gesagt. Doch Porsche ist seither vor allem eines: eine erfolgreiche Investmentbank.
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STUTTGART. Finanzchef Holger Härter glänzt mit heiklen Währungs- und VW-Optionsgeschäften. Erstmals könnte Porsche das betriebswirtschaftliche Kunststück gelingen, mehr Gewinn als die erreichten 7,4 Mrd. Euro Umsatz zu erzielen.

In diesen Tagen stellt sich die Frage, wann die Spekulationsblase um Porsche und VW platzt. Spätestens wenn Porsche alle seine Optionen auf VW-Aktien eingelöst hat und über 50 Prozent der Aktien hält, wird der VW-Kurs wohl zusammenfallen. Aber selbst das ist nicht sicher: Offen ist, ob die Zuffenhausener vielleicht doch auf 75 Prozent erhöhen wollen.

So oder so - es gibt allen Grund, in Zeiten einer historischen Finanzkrise das immer hoch profitable Kerngeschäft von Porsche genauer anzuschauen. Wie die Absatzzahlen zeigen, brauen sich dunkle Wolken zusammen: Nicht nur arbeitslose Investment-Banker dürften reihenweise als Käufer der prestigeträchtigen Boliden ausfallen; die Zeiten zweistelliger Absatzzuwächsen sind vorerst vorbei. Bereits im Geschäftsjahr 2006/07 legte der Absatz nur noch um 0,7 Prozent zu. Im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/08 reichte es nur zu einem Plus von 1,2 Prozent. Mager im Vergleich zu früher.

Ausgerechnet der Geländewagen Cayenne stützt das Geschäft. Nie wurden mehr der Autos verkauft als im vergangenen Jahr - plus 34 Prozent bedeuten über 45 000 sportliche Geländewagen. Die Wachstumsgeschichte der vergangenen Jahre basiert auf der dritten Modellreihe. Nur mit ihr kam Porsche in eine neue Dimension. Aber im Zuge der CO2 Diskussion könnte dieses Fahrzeug unter Druck geraten.

Fieberhaft basteln die Schwaben an einer Hybridversion, um mit der Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor den Verbrauch zu drosseln. So soll der Cayenne salonfähig bleiben. Darüber hinaus verhandelt Porsche mit Audi über die Ausstattung des Geländeriesen mit einem Dieselmotor. Ein Porsche mit Dieselantrieb - bis vor wenigen Monaten war das undenkbar. Wer Porsche kennt, weiß dass solche alternativen Dinge eher halbherzig vorangetrieben werden. Der Porsche-Vorstand hat gewöhnlich noch einen Tropfen mehr Benzin im Blut, als in anderen Häusern.

In den Kernmärkten Deutschland und USA schrumpft der Absatz dennoch. In China, im Mittleren Osten und Russland legen die Zuffenhausener dagegen zu. Sinken die Chancen in den USA, leitet Cleverle Wiedeking die Karossen einfach in die aufstrebenden Schwellenländer um. Doch die Fragezeichen werden größer, ob diese Taktik auch dann noch funktioniert, wenn die Finanzkrise in voller Wucht weltweit durchschlägt.

Porsche-Chef Wiedeking hat deshalb gut daran getan, keine Prognose zu geben. Die Lage ist eben verdammt unsicher. Und ob Porsche wieder eine richtige Wachstumsstory in eigener Sache schafft, hängt allein vom Viertürer Panamera ab, der ab kommendem Frühjahr verkauft wird. Floppt er, wird Wiedeking angreifbar - nicht nur für seinen Widersacher Ferdinand Piëch.

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