VW-Hauptversammlung
Der Piëch-Streit spaltet die Kleinaktionäre

Auf der Hauptversammlung von Volkswagen fehlt der Patriarch. Unter den Kleinaktionären wird trotzdem lebhaft über den Abgang von Ferdinand Piëch diskutiert. Ein Stimmungsbericht.
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HannoverDie Unsicherheit ist spürbar, wenn man die Aktionäre auf der Volkswagen-Hauptversammlung fragt, wie sie die Personaldiskussionen um Konzernchef Martin Winterkorn erlebt haben. Auch wenn Patriarch Ferdinand Piëch selbst nicht nach Hannover gekommen ist, wird an fast allen Tischen diskutiert, wie es ohne ihn weitergeht. Viele ehemalige Mitarbeiter sind unter den Anteilseignern, die sich zwischen den Autos der zwölf Konzernmarken drängen.

Niemand will offen Kritik an Winterkorn üben. Aber Piëch, der jahrelange Patriarch, hat unter den Kleinaktionären immer noch einen hohen Rückhalt – trotz seines unrühmlichen Abgangs.

Als „sehr negativ“ hat Siegfried Heise die öffentliche Debatte erlebt. Der ehemalige Geschäftsführer einer Wärmepumpen-Firma ist privat an VW beteiligt. Er ist einer von vielen Kleinaktionären, die sich wünschen, dass nun Ruhe im Konzern einkehrt. Bisher habe das Tandem Winterkorn-Piëch gut funktioniert. „Nun ist Winterkorn alleine“, sagt Heise. Wie es in Zukunft weitergehen könnte, weiß er nicht.

„Wir waren sehr gespannt, was uns heute erwartet“, sagt auch Helga Boog. Sie ist mit ihrem Mann Hartmut nach Hannover gekommen, einem VW-Pensionär. Das Ehepaar erwartet Antworten, welche Motive den Konzernpatriarchen angetrieben haben, als er den offenen Angriff auf den Vorstandsvorsitzenden startete. Sie begrüßen zwar, dass die Familie mit den Nichten von Ferdinand Piëch weiterhin stark im Aufsichtsrat vertreten sein wird. Doch für den Aufsichtsratsvorsitz wünscht sich das Ehepaar einen externen Kandidaten: Wolfgang Reitzle. Den erfahrenen Manager hatte auch Piëch selbst für seine Nachfolge ins Gespräch gebracht.

Ohnehin machen sich die Kleinaktionäre große Sorgen, dass Piëch im Nachhinein zurückschlagen könnte – und seine Anteile am Autobauer verkauft. „Mir hat es nicht gefallen, wie man Piëch rausgemobbt hat“, sagt Jürgen Spicher. Auch er hat 35 Jahre für Volkswagen gearbeitet – viele Jahre unter der Führung von Piëch und lobt dessen Verdienste. Darum glaubt er auch nicht daran, dass Winterkorn tatsächlich mit längerem Vertrag ausgestattet wird. „Möglich, dass er dann sogar ganz von der Bildfläche verschwindet", sagt Spicher

Doch auch Winterkorns Verdienste werden von kaum einem Anteilseigner in Frage gestellt, den man auf der Hauptversammlung auf die Personaldebatte anspricht. Der Streit spaltet den Kleinaktionär.

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