VW-Hauptversammlung im Liveblog: „Nicht zu rechtfertigende Belohnung für Misserfolg“

VW-Hauptversammlung im Liveblog
„Nicht zu rechtfertigende Belohnung für Misserfolg“

VW-Chef Müller verspricht den Aktionären Sparsamkeit, und kündigt einen Partikelfilter für saubere Benziner an. Doch die Kritik der Anteilseigner ist deutlich. Ein Fonds wird dem Vorstand die Entlastung verweigern.
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+++Zusammenfassung bis 17:00 Uhr+++
Heute haben die Kleinaktionäre den Aufstand geprobt. Ohne Aussicht auf Erfolg beantragten mehrere Anteilseigner die Abwahl von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch als Versammlungsleiter, scheiterten aber schon bei dieser Formalie an der Mehrheit der Großaktionäre. Die machtlosen Aktienbesitzer machten dennoch ihrer Kritik am „System Volkswagen“ deutlich Luft. Von einer "Filzokratie" war die Rede, bei der sich das Land Niedersachsen, der VW-Betriebsrat, das Management und die Großaktionärsfamilien Porsche und Piëch gegenseitig Vorteile zuschöben.

Die Entschuldigungen von Konzernchef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch für die millionenfache Abgasmanipulation verpufften in der aufgeheizten Stimmung. „Dieses Fehlverhalten widerspricht allem, wofür Volkswagen steht. Der reumütige Müller sagte, man setze nun alles daran, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Doch Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warf der VW-Führung kollektives Versagen vor: „Wir stehen vor einem Trümmerhaufen.“

Damit beenden wir für heute unsere Live-Berichterstattung von der Volkswagen-HV. Den Tagesverlauf können Sie hier nachlesen.

+++Kapitalmarktrechtliche Pflichten erfüllt+++
VW-Chefjuristin Christine Hohmann-Dennhardt bekräftigt mit Blick auf die strafrechtlichen Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation durch verspätete Information des Kapitalmarktes: „Volkswagen ist unverändert der Überzeugung, seine kapitalmarktrechtlichen Pflichten erfüllt zu haben.“

+++16:06 Uhr: Rednerliste geschlossen+++
Hans Dieter Pötsch schließt um 16:06 Uhr die Rednerliste. Nur wer sich bis jetzt eintragen ließ, hat noch ein Rederecht. Bei Pötsch wächst die Sorge, dass die Hauptversammlung rechtzeitig bis Mitternacht beendet werden kann.

+++Pensionsfonds verweigert die Entlastung+++
Der Vertreter des Pensionsfonds Hermes, Hans-Christoph Hirt, plädiert dafür, Aufsichtsrat und Vorstand die Entlastung wegen der noch laufenden Untersuchungen der Dieselaffäre zu verweigern. „Das ist ein klares Signal an den Aufsichtsrat, dass weitere Veränderungen der Unternehmensführung notwendig sind“, sagt Hirt. Vor allem die Bestellung von Aufsichtsratschef Pötsch sei kritisch, weil er als ehemaliger VW-Finanzvorstand potenziell hafte und damit ein Interessenkonflikt bei der Aufklärung des Skandals bestehe. Die Vorstandsboni kritisiert er als „nicht zu rechtfertigende Belohnung für Misserfolg“. Hermes unterstützt den Antrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, einen unabhängigen Sonderprüfer einzusetzen.

+++Läuft der HV die Zeit davon?+++
Die Aussprache ist schon extrem fortgeschritten: Aufsichtsratsvorsitzender Pötsch droht nun mit der Schließung der Rednerliste, „um die Hauptversammlung in angemessenem Rahmen zu Ende zu bringen“. Bis Mitternacht muss das Treffen beendet sein. Noch einmal hatte zuvor ein Kleinanleger einen Antrag zur Ablösung von Pötsch als Versammlungsleiter gestellt. Es gebe einen begründeten Verdacht, dass Pötsch eine Mitverantwortung dafür trage, dass VW zu spät über die Dieselmanipulation informierte. Viele Kleinaktionäre klatschen. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil soll ihn ablösen. Das Ergebnis fällt noch schlechter aus: Nur 0,01 Prozent der Aktionäre stimmen für diesen Antrag.

+++Natürlich geht zurzeit nichts ohne Fußball-Verweise+++
„Hoffen wir, dass die neuen Ansätze wirken und dass VW in der Spitze landet und nicht im Mittelfeld wie der VfL Wolfsburg in der letzten Bundesliga-Saison“, sagt Alexander Scholl von Deka-Fonds. Noch deutlichere Worte findet Christian Strenger, früherer Chef der DWS-Investmentfonds: „Angesichts des Fehlens jeglichen Veränderungswillens und der Wagenburg-Mentalität der Verwaltung, der Familien und des Landes Niedersachsens muss es heute zu der so unerfreulichen Generalabrechnung kommen.“

+++Die Kritik aus dem Kreis der Aktionäre wird lauter+++
„Die Aktie ist ein Trümmerhaufen“, meint Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Abgasskandal in den USA habe gezeigt, „dass der Diesel eine Mogelpackung ist“. Der Führungsspitze des Konzerns hielt er „kollektives Versagen“ vor. Markus Dufner von den Kritischen Aktionären ergänzt: „In Wolfsburg gibt es keine klare Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat.“

+++Zeit für eine Currywurst+++
Mit dem Start der Aussprache leeren sich die Reihen; viele Aktionäre eilen zu den Buffets. Neben Bockwürsten steht die obligatorische Currywurst von Volkswagen auf der Speisekarte. Ein Kleinaktionär betont zwischen zwei Happen: „Ich habe für die Abwahl von Pötsch als Versammlungsleiter gestimmt. In den 0,02 Prozent ist meine Stimme, auch wenn Pötsch bleiben darf.“

+++Kritische vs. Pötsch, die Zweite!+++
Kritische Aktionäre wollten Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch als Versammlungsleiter abwählen. Sie haben mit ihrem Antrag keine Chance gegen die Großaktionäre: Gerade 0,02 Prozent stimmen für die Ablösung von Pötsch.

+++Jetzt sind die Kritischen Aktionäre dran!+++
Die „Kritischen Aktionäre“ nehmen den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch ins Visier, weil er unmittelbar und ohne sogenannte „Abkühlphase“ vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt ist. „Es ist nicht mehr tragbar, dass Herr Pötsch diese Versammlung leitet“, sagt Markus Dufner. In Wolfsburg gebe es keine Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Zuvor meinte ein anderer Aktionär: „Herrn Pötsch möchte ich einmal als blinden Wegseher bezeichnen.“

+++Bitte fassen Sie sich kurz+++
Die Redezeit für Aktionäre ist auf fünf Minuten begrenzt. Der Grund liegt auf der Hand: Die Hauptversammlung muss vor Mitternacht beendet sein. Andernfalls sind alle Beschlüsse hinfällig und VW müsste das Treffen mit rund 3.000 Aktionären ein weiteres Mal ansetzen.

Von einem großen Protest der Aktionäre kann bislang nicht die Rede sein. Sie folgen den Reden von Pötsch und Müller ruhig und ohne großen Protest. Als Pötsch die Entlastung für den Vorstand rechtfertigt, ist nur ein einzelnes „Unmöglich“ aus den Reihen der Aktionäre zu hören.

+++Müller verspricht eine neue Sparsamkeit+++
„Der Firmen-Airbus steht kurz vor dem Verkauf“, kündigt VW-Vorstandschef Matthias Müller er auf dem Eignertreffen an. Die Zeiten hätten sich im VW-Konzern geändert, niemand brauche einen großen Airbus mehr. Müller ist außerdem noch lange nicht damit zufrieden, wie im großen VW-Konzern miteinander gearbeitet wird.  „Unsere Führungskultur muss besser werden“, sagt er, der Widerspruch des Einzelnen müsse gefördert werden, jeder Mitarbeiter solle mutiger werden.

+++Der Partikelfilter für Benziner kommt+++
Müller kündigt an, dass auch Benzinmotoren bei Volkswagen sauberer werden. Vom kommenden Jahr an sollen auch Benzinmotoren mit einem Partikelfilter ausgestattet werden. „Wir werden die neuen TSI- und TFSI-Motoren des Konzerns sukzessive mit dem Otto-Partikelfilter ausstatten“, sagt Müller. „Den Anfang machen der 1,4 Liter TSI-Motor im neuen Tiguan und der Audi A5 ab Juni 2017“.

Der Partikelausstoß, also letztlich Ruß, werde damit um bis zu 90 Prozent reduziert. Bis zum Jahr 2022 könnten damit sieben Millionen Autos jährlich ausgestattet werden. VW baut etwa zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr.

+++Geld? Anwesend!+++
Die Kapitalpräsenz auf der Hauptversammlung liegt fest: Sie liegt am Mittag bei 93,7 Prozent. Ein ziemlich gewöhnlicher Wert - allein die Familien Porsche und Piech bringen es auf 52,5 Prozent.

+++Rückruf gewinnt an Fahrt+++
„Gestern ist der Bescheid des KBA für rund eine Million weitere Fahrzeuge eingegangen“, sagt der Konzernchef. Damit habe der Konzern nun die Erlaubnis für die Umrüstung von mehr als 3,7 Millionen Fahrzeugen. Darunter seien der VW Passat, Tiguan und Caddy, alle Varianten des Golf, der Seat Exeo, der Skoda Superb sowie verschiedene Modelle von Audi, wie der A3, A4 und Q5. Die Reparatur wird vom KBA nach Typen freigegeben, weil je nach Bauart eine andere Software nötig ist. Sie soll die illegale Abschalteinrichtung ersetzen, die dafür sorgt, dass die Wagen Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten, nicht aber auf der Straße.

Seite 1:

„Nicht zu rechtfertigende Belohnung für Misserfolg“

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Großaktionär hält an Entlastung fest

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  • In dieser fortschrittlichen Zeitung wurde das Daimler-Aktionärs-Würstchen schon beschrieben. Jetzt ist noch ein Artikel für die VW Wurst fällig. Immerhin ist die Wurst aus eigener VW-Produktion und zeigt die Kompetenzen außerhalb der Diesel-Herstellung richtungweisend auf.

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/wuerstchengate-bei-daimler-dividende-aufbessern-und-sich-durchfuttern/13417702.html

  • Für so einen Proll ist die Wurst das Gleiche, wie für uns echte Shareholder der Kaviar. Es sei ihnen gegönnt!

  • Richtig ob beim Daimler oder VW immer nur Wurst als Dividende und die Prols prügeln sich auch noch drum.

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