VW-Hauptversammlung
Piech: Pischetsrieder war der Falsche

Er hat seinen Vertrauten Martin Winterkorn letztlich doch auf den Posten des VW-Vorstandsvorsitzenden gehievt - und kann es doch nicht lassen, gegen dessen Vorgänger nachzukarten: Unverblümt hat VW-Chefkontrolleur Ferdinand Piech dem abgesägten Konzernführer Bernd Pischetsrieder wenig schmeichelhafte Dinge bescheinigt.

HB HAMBURG. Piech begründete am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Hamburg erstmals öffentlich, warum er 2002 zunächst Pischetsrieder zu seinem Nachfolger machte anstelle seines Vertrauten Winterkorn: „Ich hatte Hemmungen, jemanden der mir fachlich und menschlich nahe steht, damals, vor fünf Jahren als meinen Nachfolger vorzuschlagen“, sagte Piech auf der Hauptversammlung. Winterkorn war damals Entwicklungschef bei VW. Piech weiter: „Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben. Ich habe das mit Mühe im November korrigiert.“ Der Aufsichtsrat hatte im November vergangenen Jahres einstimmig gegen Pischetsrieder und für Winterkorn als VW-Chef votiert.

Erst im Mai 2006 hatte das Kontrollgremium Pischetsrieders Vertrag um fünf Jahre verlängert. Diese Entscheidung begründete Piech damit, dass Pischetsrieders Vertrag damals ohne Verlängerung ausgelaufen wäre. Zu diesem Zeitpunkt sei der Aufsichtsrat davon überzeugt gewesen, dass eine Verlängerung des Vertrages sinnvoll gewesen sei. „Davon waren wir später nicht mehr überzeugt“, sagte Piech. Pischetsrieder habe keine Abfindung erhalten, da er weiterhin für VW tätig sei. Pischetsrieder erhalte eine weitgehend vergleichbare Vergütung. „Sie ist unserer Meinung nach angemessen“, sagte Piech.

Hintergrund der Erklärung von Piech waren bohrende Fragen der Aktionäre: Anteilseigner hatten wissen wollen, warum der Vertrag von Pischetsrieder im Frühjahr 2006 um fünf Jahre verlängert wurde und er dann im November abtreten musste. Das koste den Konzern Millionenbeträge, hieß es. Piech war in den Jahren 2002 bis 2006 immer unzufriedener mit der Arbeit von Pischetsrieder geworden: Der frühere BMW-Chef setzte einen radikalen Sanierungskurs bei VW durch und strich auch Lieblingsprojekte von Piech zusammen, nahm etwa die Edelkarosse Phaeton wegen Erfolglosigkeit vom US-Markt.

Der Streit wurde Anfang 2006 öffentlich: Piech hatte einer Zeitung gesagt, die Verlängerung des auslaufenden Vertrages von Pischetsrieder sei eine „offene Frage“. Nach einer monatelangen Hängepartie verlängerte der Aufsichtsrat den Vertrag im Mai 2006 um fünf Jahre bis 2012. Pischetsrieder hatte es geschafft, die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hinter sich zu bringen. Offenbar als Gegenleistung schloss der Vorstand damals mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung, wonach die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten in der Konzernstrategie festgeschrieben werden soll.

Doch Piech ließ nicht locker: Er machte als Aufsichtsratschef weiter Druck gegen Pischetsrieder. Im November dann hatte er offenbar die Arbeitnehmerbank umgestimmt. Beobachter hatten den Personalwechsel damals als Teil der Absicht von Piëch gedeutet, seinen Macht über den VW-Konzern zu festigen. Zuvor war bereits der Sportwagenbauer Porsche, dessen Großaktionär Piech ist, bei VW als Hauptaktionär eingestiegen. Pischetsrieder ist heute weiter mit einem Vorstandsgehalt bei VW beschäftigt, gehört aber nicht mehr dem Vorstand an. Was er konkret tut, ist unklar.

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