VW in Brasilien
Das fatale Erbe des Peter Hartz

In Brasilien stehen sich Volkswagen und Gewerkschaften unversöhnlich gegenüber. Der deutsche Autokonzern will tausende Stellen streichen und droht sogar mit der Schließung eines ganzen Werks. Die Beschäftigten halten dagegen. Der Arbeitskampf ist eine Spätfolge der vielen Fehlentscheidungen unter dem geschassten Personalvorstand und Politikberater Peter Hartz.

SÃO BERNARDO. Der Taxifahrer hat sich hoffnungslos verfahren. Hier in der Peripherie der Millionenstadt São Paulo sieht es im Meer der Reihenhäuser überall gleich aus. Nur die Garagen dienen inzwischen unterschiedlichsten Zwecken: als Kioske, Autowerkstätten oder Billigrestaurants. Die Kleingewerbetreibenden sichern dem Viertel einen für brasilianische Verhältnisse auffallend einheitlichen, fast schon kleinbürgerlichen Wohlstand.

„Wo bitte geht’s hier zur Metallarbeitergewerkschaft?“ Fast jeder in der Gegend kennt den Weg und kann selbst komplizierteste Schleichwege über ein Dutzend Straßen beschreiben. Die jungen Rapper am Schulzaun genauso wie die Hot-Dog-Frau unter ihrem Sonnenschirm und der Rentner im VW-Käfer an der Ampel.

Kein Zweifel, auf das „Sindicato dos Metalúrgicos“ hier im Industriegürtel von São Bernardo ist man stolz. Und das heißt viel in einem Land wie Brasilien, wo politische Institutionen üblicherweise ganz unten stehen auf der Ansehensliste des Volks – Gewerkschaften inklusive.

In São Bernardo ist das anders. Hier fanden in den 80er-Jahren die ersten Streiks gegen international agierende Multis statt. Demonstrationen, die sich schnell zu allgemeinen Unmutsbekundungen gegen die Militärdiktatur auswuchsen – der Anfang vom Ende der Generäle.

Auf dem nahen Platz der Präfektur hielt damals ein vollbärtiger Gewerkschaftsführer wütende Reden, umzingelt von Militärpolizei mit Schäferhunden, Schlagstöcken und Tränengasflinten. Luiz Inácio Lula da Silva hieß der Metall-Gewerkschafter. Heute, fast 30 Jahre später, hat er es nach fünf Anläufen bis ins Staatspräsidentenamt geschafft.

Ein paar Straßen weiter, den Berg wieder runter, gehört ihm seit einigen Jahren das oberste Appartement in einem der neuen Hochhäuser.

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