VW in den USA
Jetzt rollt der Klage-Tsunami an

Strenge Umweltgesetze hatten Dieselfahrzeuge schon einmal fast von US-Straßen verbannt. Im Skandal um getürkte Abgaswerten droht VW nun der Zorn der Umweltbehörde – und deren Schadenersatz-Anspruch ist nur der Anfang.

San FranciscoMary Nichols lässt die Autobosse von Detroit bis Wolfsburg unruhig schlafen. Die Chefin des California Air Resources Board hat sich vorgenommen, die Autoindustrie in ihrer derzeitigen Form auszulöschen. Den Anfang könnte Nichols jetzt mit VW machen.

VWs Diesel-Gate, der Skandal um manipulierte Abgaswerte, kam praktisch wie ein Geschenk für die 70-Jährige, die seit 2007 der kalifornischen Umweltbehörde vorsteht. Die „Queen of Green“ macht seit Jahren keinen Hehl daraus, dass sie erst Kalifornien und dann die Welt von Verbrennungsmotoren befreien will. Sie steht voll hinter Obamas Klimaplänen und will bis 2030 die Schadstoffemissionen auf ein Niveau unter dem Stand von 1999 drücken. Elektroautos sind dabei ihr Mittel der Wahl.

Vor traditionellen Automanagern hat sie ohnehin keinen Respekt mehr, seit General Motors in den 70er Jahren orakelte, das Unternehmen werde zusammenbrechen und alle Arbeitsplätze verloren gehen, wenn Katalysatoren zur Pflicht gemacht würden. Katalysatoren waren damals Nichols‘ Lieblingsprojekt. GM ist später tatsächlich kaputtgegangen, allerdings nicht wegen der Katalysatoren, sondern wegen der Unfähigkeit seines Managements.

Jetzt bringt sich Nichols gegen VW in Stellung. „Wir bereiten uns gerade auf bedeutende Vollstreckungsmaßnahmen vor“, so Nichols am Donnerstag in Sacramento. Es sei noch zu früh zu sagen, welche Strafen gegen VW verhängt werden.

Der Konzern hatte gestanden, mit einer Software die kalifornischen Umweltgesetze umgangen zu haben. Zuvor waren Nichols‘ Ingenieure einem Hinweis von einer Universität nachgegangen und hatten VW so lange durch immer neue Fakten unter Druck gesetzt, bis der deutsche Autobauer die Existenz der Spezialsoftware einräumte. Diese ändert die Betriebsdaten des Motors so, dass während eines Abgastests die Vorgaben eingehalten werden. Im Fahrbetrieb wird sie dann ausgeschaltet.

Dieser Betrug macht Nichols regelrecht wütend. Schließlich hatte nicht zuletzt VW über Jahre in Kalifornien Lobbyarbeit betrieben, um Dieselfahrzeuge überhaupt erst wieder auf die Straßen zu bringen. Die strengen Umweltgesetze hatten selbige zuvor faktisch aus Kalifornien verbannt. Letztlich knickten die Behörden ein, und ein Gesetz von Präsident George W. Bush gewährte „umweltfreundlichen“ Dieselfahrzeugen einen Steuerbonus von 1300 Dollar.

Der 2009er Jetta TDI war der erste Diesel-PKW, der wieder in allen 50 Bundesstaaten verkauft werden durfte, berichtete cnet.com damals und zitiert den damaligen VW-Entwicklungschef Norbert Krause mit den Worten „Das ist nicht mehr Großvaters Diesel“. Der Wagen war schnell ausverkauft.

Jetzt wird er bald vielleicht für immer aus dem Verkehr gezogen: Die kalifornische Behörde bereite sich auf eine großangelegte Rückrufaktion vor, so Nichols. Die betroffenen Dieselfahrzeuge von VW und Audi spucken ein Mehrfaches der erlaubten Grenzwerte für Stickoxide aus. Bislang dürfen sie noch auf Kaliforniens Straßen fahren. Aber wie lange noch?

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