VW in der Krise

Müller wird neuer Audi-Aufsichtsratschef

Audi füllt die Lücken bei seinem Spitzenpersonal: VW-Chef Matthias Müller wird mit sofortiger Wirkung Vorsitzender des Audi-Aufsichtsrats. Neuer Entwicklungschef beim Autobauer soll Stefan Knirsch werden.
Update: 04.12.2015 - 07:44 Uhr
Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Matthias Müller, wird mit sofortiger Wirkung Chef des Audi-Aufsichtsrats. Quelle: AFP
Matthias Müller

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Matthias Müller, wird mit sofortiger Wirkung Chef des Audi-Aufsichtsrats.

(Foto: AFP)

MünchenNeuer Aufsichtsratschef, neuer Entwicklungschef, neue Kontrolleure: Die VW -Tochter Audi füllt die Lücken in der Unternehmensführung wieder auf, die die Abgasaffäre und der Machtkampf im Mutterkonzern VW gerissen hatten. Der Aufsichtsrat wählte am Donnerstag VW-Chef Matthias Müller zu seinem neuen Vorsitzenden. Außerdem trennte sich Audi vom bereits suspendierten Entwicklungsvorstand und hob einen Nachfolger aus dem eigenen Haus auf den Schild: Stefan Knirsch, derzeit Leiter der Aggregateentwicklung, tritt den neuen Posten am 1. Januar 2016 an.

Das Kontrollgremium beschäftigte sich in seiner letzten turnusgemäßen Sitzung des Jahres zudem mit der Abgasaffäre. „Die Aufklärung geht voran“, lobte der stellvertretende Aufsichtsratschef, der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber. „Das ist ein notwendiges und gutes Zeichen“

Müller tritt seinen neuen Posten als Audi-Oberaufseher mit sofortiger Wirkung an, wie es in der Mitteilung hieß. Huber bleibe Stellvertreter. Müllers Vorgänger als Audi-Aufsichtsratsvorsitzender, der frühere VW-Chef Martin Winterkorn, war wegen des Abgasskandals von seinen Ämtern zurückgetreten. Auch VW-Patriarch Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula hatten sich nach dem Machtkampf bei Volkswagen aus dem Kontrollgremium zurückgezogen. In den Audi-Aufsichtsrat ziehen dafür andere Mitglieder der Eigentümerfamilie ein: Piëchs Nichte Julia Kuhn-Piëch, bereits Kontrolleurin bei der Konzerntochter MAN, sowie sein Neffe Josef Ahorner, der lange Jahre im Gesellschafterausschuss der Salzburger Porsche Holding saß.

Wie Audi mitteilte, scheidet Entwicklungschef Ulrich Hackenberg im Einvernehmen aus. Der 65 Jahre alte Manager, der sein komplettes Berufsleben bei Audi und VW verbracht hatte, hatte sich einem Insider zufolge gegen seine Suspendierung gewehrt. Nun verabschiedete ihn Audi mit Lob und Dank: Müller würdigte Hackenberg als „prägend für die technische Entwicklung des gesamten Volkswagen-Konzerns“. Von seiner Idee der modularen Baukästen profitiere heute der ganze Unternehmensverbund. Der neue Entwicklungschef Stefan Knirsch, ein 49-jähriger promovierter Werkstofftechniker, startete seine Karriere bei Audi. Später wechselte er zu Porsche, danach in den Rheinmetall-Konzern. 2013 kehrte er als Leiter der Aggregateentwicklung zu Audi zurück.

Außer mit Personalien befasste sich der Aufsichtsrat mit der Affäre um manipulierte Abgas-Werte. Audi-Chef Rupert Stadler musste den Kontrolleuren in intensiven Diskussionen Rede und Antwort stehen und erläutern, wie es zu dem Skandal kommen konnte und wie die Aufklärung vorangeht. „Die bisher getroffenen Maßnahmen des Vorstands zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte Audi-Betriebsratschef Peter Mosch. „Zudem müssen jetzt weiter Konsequenzen gezogen werden, damit so etwas nicht mehr passiert.“ Der neue Entwicklungschef Knirsch müsse Stadler bei der weiteren Aufklärung unterstützen.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
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Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
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Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
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Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
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Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Vor knapp zwei Wochen hatte Audi einräumen müssen, eine nach US-Recht illegale Software bei 3-Liter-Dieselmotoren eingebaut zu haben. Zuvor war man im Konzern davon ausgegangen, dass die Technik gesetzeskonform ist. Seit dem Eingeständnis steht Stadler im Fadenkreuz der Kritik.

Unterdessen ist die Zahl der Volkswagen-Fahrzeuge mit falschen Kohlendioxid-Werten offenbar nicht so groß wie anfangs erklärt. Die Überprüfung sei zwar noch nicht abgeschlossen, „aber es haben sich viele CO2-Werte inzwischen durchaus als korrekt gemessen erwiesen“, sagte ein VW-Sprecher. Ein Zwischenstand der Untersuchungen werde voraussichtlich in der kommenden Woche im Rahmen einer Pressekonferenz veröffentlicht.

  • rtr
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