VW-Konkurrenten und die Abgas-Affäre
Wilde Verdächtigungen – und schmutzige Fakten

Nach der Manipulation von Abgastests durch VW rücken andere Hersteller ins Visier. Doch mehr als wilde Verdächtigungen gibt es kaum. Wo die Ausstöße auffällig sind – und was man den Autobauern vorwerfen kann.

DüsseldorfWie sensibel die Börsen auf neue Nachrichten rund um manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren reagieren, zeigte am Donnerstag die Reaktion auf eine Meldung der „Auto Bild“. Der BMW X3 xDrive 20d – so das Blatt – habe bei Straßentests des International Council on Clean Transportation (ICCT), die auch schon die Ermittlungen gegen Volkswagen losgetreten hatten, die europäische Abgasnorm um mehr als das Elffache überschritten. Etliche Medien griffen die Meldung auf. Die BMW-Aktie knickte ein.

Dabei war das, was die Autobild da vermeldete, weder besonders neu, noch besonders exklusiv. Die Ergebnisse der eigenen Forschung hatte das ICCT bereits Anfang September publiziert. Was aber noch wichtiger ist: an keiner Stelle hatte das Institut BMW konkret vorgeworfen, die Abgaswerte zu manipulieren. Im Gegenteil: die BMW-Modelle schnitten im Vergleich sogar recht gut ab.

Im Zentrum der aktuellen Diskussion steht die Frage, ob sich auch andere Hersteller als VW der Manipulation schuldig gemacht haben. Das kann bisher niemand seriös beantworten. „Man kann nicht allen unterstellen, dass sie illegal vorgehen“, sagt Autoprofessor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management der FH Bergisch-Gladbach.

Haben auch andere Hersteller betrogen?

Tatsächlich ist der Nachweis, dass illegal nachgeholfen wurde, äußerst schwierig zu führen – insbesondere, wenn die Ergebnisse per Software verzerrt werden. Auch Volkswagen wurde nicht überführt, sondern gestand den Betrug.

Fakt ist aber, dass bei den Messungen des ICCT unter veränderten Prüfungsbedingungen auch bei anderen Herstellern massive Abweichungen beim Stickstoffoxid-Ausstoß (NOx) festgestellt wurden. Besonders hoch waren die Abweichungen bei einem Volvo (14,6 Mal höher als der Grenzwert), einem Renault (8,8 Mal höher als der Grenzwert) und einem Hyundai (6,9 Mal höher als der Grenzwert). „Der Gesetzgeber sollte ganz genau prüfen, wie es zu diesen hohen Abweichungen kommt“, sagt Autoprofessor Bratzel.

Konkret geht es dabei um die Differenz zwischen den getesteten Werten nach der aktuellen Gesetzeslage, nämlich dem vielkritisierten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) und dem neuen Zyklus „Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedures“ (WLTP), der ab 2017 in Europa gelten soll und als weitaus realistischer eingeschätzt wird. Während nach dem aktuell gültigen Zyklus alle Fahrzeuge bestanden, wiesen 22 von 32 im neuen Zyklus erhöhte Grenzwerte aus. Das allein ist aber kein Beweis für illegales Verhalten, sondern vor allem ein Beweis für ein unrealistisches Testverfahren.

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Schummeleien im Rahmen des Gesetzes

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