VW-Konzern
Mit breiter Brust

Die zurückliegenden zwei Jahre waren für VW äußerst erfolgreich: Die Sorgenkinder des Konzerns haben sich erholt, wirtschaftliche Flops scheinen vergessen. Ferdinand Piëchs Vision von der Auto-Welt-AG ist fast Wirklichkeit. Aber passen VW-Kleinwagen, Bugatti-Flitzer, Scania-Lkws und Porsche wirklich unter ein Dach?
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Das Auto" - lautet so schlicht wie selbstbewusst der Slogan des Volkswagen-Konzerns. "Der Messestand" hätte VW-Chef Martin Winterkorn mit Fug und Recht an die Halle im Genfer Gewerbegebiet pinseln können, in der VW Anfang März am Rande des 78. Genfer Auto-Salons seine neuesten Karossen und Konzepte präsentierte. Denn nach Problemen mit dem Veranstalter wegen der Termine für Pressekonferenzen hatte der deutsche Autoriese kurzerhand abseits des Salon-Geländes seine eigene Messe aufgezogen. In einer Speditions-Halle, die sich in ihren Abmessungen kaum vor dem gesamten offiziellen Ausstellungsgelände verstecken musste, setzte VW Maßstäbe in Sachen Selbstdarstellung: mit 1 200 geladenen Gästen, 120 Shuttle-Fahrzeugen und einer mehr als 50 Meter breiten Bühne, über die während einer mehr als einstündigen Show allerlei Neuheiten und Konzeptautos rollten. VW klotzte mit allem, was Räder hatte, um das laut Winterkorn "faszinierendste und zukunftsträchtigste Automobilunternehmen der Welt" vorzustellen.

Wenige Tage vor der Bilanzpressekonferenz, auf der VW neue Rekorde bei Umsatz, Absatz und Gewinn präsentierte, feierte sich der Konzern schon einmal selbst - und blies gleich auch noch ein paar Neuigkeiten heraus: Anfang März gab VW bekannt, die Mehrheit am schwedischen Lkw-Bauer Scania übernommen zu haben. Kurz danach teilte Porsche mit, der Aufsichtsrat habe eine Erhöhung des VW-Anteils auf mehr als 50 Prozent genehmigt, womit einer Übernahme von VW durch Porsche nichts mehr im Wege steht. Und als reichte das noch nicht, wurde am Nachmittag bekannt, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch werde das Aufsichtsratspräsidium der Porsche-Holding verlassen.

Damit nähert sich der Traum des Ex-VW-Chefs und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch seiner Vollendung, den einen deutschen Autokonzern zu schaffen, der vom Kleinstwagen bis zum 40-Tonner alles verkauft, was Räder hat, der locker im Konzert der größten fünf Fahrzeugbauer der Welt mitspielen kann.

Nie zuvor präsentierte sich der Volkswagenkonzern, an dem die Familien Piëch und Porsche indirekt beteiligt sind, mit derart breiter Brust. Nie zuvor blies das Unternehmen so vehement zum Angriff - und legte sich dabei mit so vielen Konkurrenten gleichzeitig an: VW drängt massiv darauf, den japanischen Konkurrenten Toyota als erfolgreichsten Autobauer der Welt abzulösen. Gemeinsam mit Scania und dem Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN will VW eine mächtige Lkw-Allianz schmieden, die unter anderem dem bislang übermächtigen Konkurrenten Daimler einheizen soll. VW will sein USA-Geschäft ausbauen und sucht nach einem geeigneten Standort für ein Werk in der Nähe von Washington. China, Russland, Indien - überall sind gewaltige Zuwächse geplant. Der Druck auf dem Kessel ist hoch - stellt sich die Frage, ob der das aushält? Hat VW genügend Management-Kapazitäten, um an so vielen Stellen gleichzeitig Gas zu geben? Oder übernimmt sich VW am Ende?

Die Erfolgsgeschichte der zurückliegenden zwei Jahre macht die Euphorie der Wolfsburger durchaus verständlich. Unerwartet schnell hat sich die Rendite des Konzerns, der noch vor wenigen Jahren knapp an den roten Zahlen vorbeischrammte, wieder erholt. Im vergangenen Jahr verkaufte Volkswagen so viele Autos wie nie zuvor und fuhr gleichzeitig einen historischen Rekordgewinn von netto 4,1 Milliarden Euro ein.

Von den einstigen Sorgenkindern unter den acht Marken des Konzerns ist inzwischen selbst die spanische Seat wieder profitabel. Auch die britische Tochter Bentley hat sich unerwartet gut entwickelt und schreibt schwarze Zahlen. Vergessen scheinen sogar wirtschaftliche Flops wie der Luxus-VW Phaeton. Oder auch die hohen Tarifabschlüsse, die Piëch seiner Belegschaft zubilligte - die den Konzern jedoch in ein Kostenproblem stürzten.

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