VW-Konzern
Piëch gerät in die Schusslinie

Der Wolfsburger VW-Konzern versucht mit einem speziellen Kontrollgremium, der angekündigten Aktionärskritik auf der Hauptversammlung an möglichen Interessenskollisionen zwischen VW und dem Großaktionär Porsche den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch ob die Beschwichtigungsversuche wirksam sind, ist fraglich. Besonders VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Piëch hat sich Feinde gemacht.

hof FRANKFURT. Nach dem Entwurf eines Grundlagenvertrags zwischen den beiden Autoherstellern, der festschreibt, dass Porsche bei Verhandlungen wie „ein fremder Dritter“ behandelt wird, soll nun auch im Aufsichtsrat darauf geachtet werden, dass die Vertreter der Großaktionäre ihre Position nicht ausnutzen. Darüber soll ein Sonderausschuss des Kontrollgremiums wachen. „Das Verhältnis muss geregelt werden. Ein solcher Ausschuss ist eine Möglichkeit“, sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Die Maßnahme zielt insbesondere auf die Rolle von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch als Miteigentümer von Porsche und Miteigentümer eines der wichtigsten VW-Händler, aber auch auf den VW-Aufsichtsrat und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzchef Holger Härter, der in das Gremium berufen werden soll. Hocker fordert, dass in dem Ausschuss nur „unabhängige Vertreter“ sitzen dürften. Selbst Eon-Vorstand Michael Gaul, der als Mitglied gehandelt wird, hält er als Stromlieferanten für nicht völlig neutral. Angehören könnte dem Gremium Aufsichtsratsmitglied Roland Oetker, Präsident der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, außerdem wird die Arbeitnehmerseite zwei Sitze beanspruchen. Über Befugnisse des Untergremiums beriet gestern der Aufsichtsrat.

Einige Fonds und Aktionärsvereinigungen hatten für die Hauptversammlung Widerstand gegen Piëch angekündigt und wollen ihm die Entlastung verweigern. Begründet wird dies auch mit den Angriffen von Piëch auf Konzernchef Bernd Pischetsrieder, die den Konzern beschädigt und die Sanierung behindert hätten. Der Aufsichtsrat hat gestern Abend allerdings den Vertrag von Pischetsrieder einstimmig um fünf Jahre bis 2012 verlängert.

Piëch hatte in einem Interview Pischetsrieders Zukunft als „völlig offen“ bezeichnet und auf den Widerstand der Arbeitnehmer verwiesen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hatten in der letzten Sitzung im April verhindert, dass der 2007 auslaufende Vertrag Pischetsrieders verlängert wurde. Die Vertreter der beiden Großaktionäre Porsche und Niedersachsen, Wiedeking und Christian Wulff, hatten damals schon eine Entscheidung angestrebt. Wulff hatte dies im Januar angekündigt und damit nach Ansicht der Kritiker den Zorn von Aktionärsschützern und der Arbeitnehmervertretern zugezogen.

Pischetsrieders Position ist nun gestärkt, wenn er heute auf der Hauptversammlung den Aktionären seine Sparpläne erläutert. Er will bis 2008 die Kosten konzernweit um zehn Mrd. Euro senken und den Gewinn vor Steuern auf 5,1 Mrd. Euro steigern. Dazu ist eine Sanierung geplant, von der bis zu 20  000 Mitarbeiter betroffen sein könnten.

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