VW-Konzern
Volkswagen: Kein Risiko beim Porsche-Deal

Der Autobauer Volkswagen will mit einer Kapitalerhöhung mehr Geld für die Übernahme von Porsche in die Kasse spülen als nötig. Grund: VW will keinesfalls das eigene Kredit-Rating gefährden. Das käme dm Konzern nämlich teuer zu stehen. Wobei VW eine dicke Kröte wohl auf jeden Fall schlucken muss.

HAMBURG. Der Volkswagen-Konzern könnte durch die geplante Kapitalerhöhung mehr Geld einnehmen, als für die Übernahme des Sportwagenbauers Porsche nötig ist. Stünde die Kapitalerhöhung jetzt an, würden dem Konzern bei den aktuellen Kursen von mehr als 70 Euro pro Vorzugsaktie bis zu 10,5 Mrd. Euro zufließen. Im Sommer hatte eine VW-Vorzugsaktie an der Börse noch um die 50 Euro gekostet.

VW will mindestens vier Mrd. Euro durch die Ausgabe neuer Vorzugsaktien einnehmen. Dazu will der Konzern bis zu 135 Millionen Stück anbieten, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Einladung zu einer außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Dezember in Hamburg.

Die große Zahl von Aktien, deren Ausgabe die Aktionäre genehmigen sollen, zeigt: Finanzchef Hans Dieter Pötsch rechnet mit weiter volatilen Märkten – weshalb er bei der Finanzierung auf Nummer sicher gehen will. Auf keinen Fall will er durch die Porsche-Übernahme das Kredit-Rating von VW gefährden, denn eine Herabstufung würde die Finanzierung verteuern. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt“, heißt es in Unternehmenskreisen. Außerdem muss Pötsch den bei Kapitalerhöhungen üblichen Abschlag auf den aktuellen Kurs einkalkulieren, der in der Regel zwischen zehn und 20 Prozent liegt. Finanzkreise schätzen die zu derzeitigen Kursen erreichbare Summe deshalb auf rund acht Mrd. Euro. Anleger hatten in den vergangenen Wochen die stimmrechtslose Vorzugsaktie gestärkt, weil sie erwarten, dass sie die Stammaktie im Aktienindex Dax ersetzen könnte.

VW kämen höhere Einnahmen jedenfalls recht, denn der Porsche-Deal wird mit einem Gesamtvolumen von fast 16 Mrd. Euro teurer als erwartet. Die Wolfsburger übernehmen außer dem Sportwagenbauer Porsche AG auch die Salzburger Vertriebsholding der Familien Porsche und Piëch, die durch die anschließende Fusion mit der Porsche SE Großaktionäre von VW werden.

Der VW-Konzern hat Geldreserven von gut zehn Mrd. Euro, den Rest der Übernahmekosten soll die Kapitalerhöhung beisteuern. Ein Veto der Vorzugsaktionäre ist trotz der Gegenwehr internationaler Investmentfonds unmöglich, da VW die Bezugsrechte der Altaktionäre nicht ausschließt und sie deshalb nicht in die Entscheidung einbeziehen muss.

Sollte auch noch Geld für andere Zwecke übrig bleiben, wäre niemand böse. In den vergangenen Wochen gab es Anzeichen, dass VW nach der Integration von Porsche den Kauf des Lkw-Bauers MAN plant, an dem die Wolfsburger 30 Prozent halten.

Aus der Einladung zur Hauptversammlung geht auch hervor, dass die Familien Porsche und Piëch als zukünftige Haupteigentümer des integrierten Autokonzerns aus VW und Porsche den politischen Preis für die Übernahme zahlen. Denn die Sonderrechte des Landes Niedersachsen sollen dann in der VW-Satzung festgeschrieben werden. Da die Familien Europas größten Autobauer gemeinsam mit Niedersachsen dominieren, ist das Votum eine Pflichtübung. Dem Land sollen bei mindestens 15 Prozent der Stimmrechte an VW zwei Mandate im Aufsichtsrat zustehen. Zudem soll in der VW-Satzung verankert werden, dass für wesentliche Entscheidungen weiterhin 80 Prozent der Stimmen erforderlich sind. Dem Land, das 20 Prozent der Stammaktien hält, bliebe sein besonderer Einfluss selbst für den Fall erhalten, dass eines Tages das neue VW-Gesetz fallen sollte.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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