VW-Krise
Elf wilde Gerüchte – und was dran ist

VW-Chef Martin Winterkorn wusste alles. Und Ex-Patriarch Ferdinand Piëch hat ihm die Abgas-Affäre eingebrockt. Kann das stimmen? Wir haben Gerüchte auf ihre Plausibilität überprüft. Dabei geht es auch um den FC Bayern.
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Nichts ist unmöglich. Mit diesem Spruch warb früher Volkswagens schärfster Konkurrent Toyota. Heute gilt diese Devise für Volkswagen selbst. Allerdings nicht in der Werbung, sondern in der knallharten Realität. Was noch vor einer Woche fernab aller Vorstellungskraft lag, könnte nun Wahrheit werden: VW wird durch die Abgas-Affäre ein ganz anderer Konzern, führende Köpfe verabschieden sich, andere tauchen plötzlich wieder auf. Und über allem schwebt das seltsame Gefühl, dass das alles gar nicht wahr sein kann. Wir haben die elf der wildesten Gerüchte auf ihre Plausibilität überprüft.

1. Winterkorn wusste von den Betrügereien. Der Volkswagen-Chef gilt als Perfektionist. Er kenne jede Schraube, berichten Mitarbeiter. Und er ist technikaffin wie nur wenige im Konzern. Das geht soweit, dass er ein neues Wundermittel aus der Schublade seines Schreibtisches holt, wenn er auf dem Anzug eines Mitarbeiters vor einem wichtigen Termin einen Fleck entdeckt hat. Wahrscheinlichkeit: 95 Prozent.

2. Pötsch wird nun doch übergangsweise Vorstands- statt Aufsichtsratschef. Schon lange galt im Konzern, dass der bisherige Finanzchef sofort übernehmen könnte, sollte Martin Winterkorn etwas Unvorhergesehenes zustoßen. Dieser Fall könnte jetzt eintreten. Pötsch stünde zwar nicht für Aufbruch, wäre aber einer, der mit seiner ruhigen und besonnenen Art die Lage beruhigen könnte. Und er bekäme die Zustimmung aller Seiten. Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent (aber tatsächlich nur als Übergangslösung).

3. Porsche-Chef Matthias Müller macht den Winterkorn. Diese Theorie ist so alt, dass sie beinahe nicht mehr eintreffen kann. Jedes Mal, wenn ein Nachfolger gesucht wird, fällt der Name Müller. Der würde es wohl machen, ist aber auch sicher nicht traurig, wenn er es nicht machen muss. Denn Müller gilt als einer, der auch noch ein Privatleben hat, gerne in den Bergen ist und einfach mal mit Freunden ein Bier trinken geht. Das würde zumindest schwerer werden in der Position als Volkswagen-Chef. Wahrscheinlichkeit: 50 Prozent.

4. Ferdinand Piëch wusste von all dem und hat das alles zur IAA bewusst gestreut. Völliger Blödsinn. Piëch war lange Jahre selbst der oberste Aufseher. Und auch, als die Vorwürfe erstmals im Mai 2014 aufkamen. Es wäre also an ihm gewesen, hier aufzuräumen, wenn er es tatsächlich gewusst hat. Außerdem ist auch der Wert seines Aktiendepots seit Wochenanfang rapide geschrumpft. Das wünscht sich bei aller Distanz zu Winterkorn auch ein Ferdinand Piëch nicht. Wahrscheinlichkeit: 0 Prozent.

5. Ferdinand Piëch kehrt zurück. Wie denn? Er ist durch seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat nur noch mittelbar beteiligt. Nämlich über die Holding Porsche SE. Und dass nach all dem, was er im Frühjahr losgetreten hat, viele im Unternehmen oder auch im Aufsichtsrat wieder großen Wert auf seine Anwesenheit legen, ist auch unwahrscheinlich. Vermutlich befürchten sie, er würde dann nur wie früher abgelebte italienische Edelschmieden kaufen, die nach einem Sanierer suchen. Wahrscheinlichkeit: 1 Prozent.

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Kommentare zu " VW-Krise: Elf wilde Gerüchte – und was dran ist"

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  • @ chris sänger,

    wissen Sie wann Ihre Vorfahren nach Mitteleuropa zugewandert sind?
    Nein, also worüber wollen Sie kommentieren?
    Nur über anderen?

  • Das wären doch viel zu harte Konsequenzen. Wenn der Rauch sich legt, wird man sehen, dass nicht nur VW Dreck am Stecken hat, sondern viele andere - in anderer Hinsicht; aber wer suchet der findet - auch, und dass die Autos nach wie vor Weltklasse sind. Fragen wir lieber einmal nach dem wirklichen Grund, warum gerade VW gerade jetzt hochgenommen wird. Handelsblatt, bitte mal recherchieren!

  • Nachfolger Winterkorn kann nur jemandem sein mit Reputation und nicht aus dem VW Stall, z.b. Wolfgang Reitzle (der wird aber nicht kommen weil die Gewerkschaften und Anteilseigner angst dafür haben. Es werden ein paar Leute gehen nicht nur bei VW aber sicherlich auch bei Audi. Und es wird auch für Porsche und Audi Konsequenzen haben. Es müssen wirklich Innovationen her und der Konzern muss umgebaut werden

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