VW-Machtkampf
Aufsichtsräte nehmen Piëch ins Visier

Im VW-Machtkampf wendet sich das Blatt. Nach den Attacken gegen den Vorstandsvorsitzenden Winterkorn gerät nun Piëch selbst in die Kritik. Einige Aufsichtsratsmitglieder halten den Patriarchen für nicht mehr tragbar.
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Wolfsburg/Hamburg/BerlinIm Machtkampf bei Volkswagen gerät nach einem „Spiegel“-Bericht VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch unter Druck. Er sei als Aufsichtsratsvorsitzender des VW-Konzerns nicht mehr tragbar, sagten mehrere Mitglieder des 20-köpfigen Kontrollgremiums, wie der „Spiegel“ am Freitag berichtete.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus dem Umfeld der niedersächsischen Landesregierung erfuhr, stößt Piëchs Vorgehen gegen den Chef des Wolfsburger Konzerns immer mehr auf Unverständnis: „Noch zwei, drei solche Sachen sollte er sich jetzt nicht mehr leisten“, sagte eine Person mit Kenntnis der Situation. Ministerpräsident Stephan Weil, der das Land im Präsidium des VW-Aufsichtsrats vertritt, hatte in den vergangenen Tagen von der VW-Spitze wiederholt mehr Professionalität gefordert.

Auch einige Arbeitnehmer im Aufsichtsrat gingen auf Distanz zu Piëch. Ein Insider aus dem Gremium verwies auf den Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums, das sich vor einer Woche hinter Winterkorn gestellt und Piëch damit eine herbe Niederlage zugefügt hatte. „Er (Piëch) muss sich sehr wohl überlegen, was das auch für ihn und seine eigene Position bedeutet“, sagte die Person zu Reuters. „Natürlich hat er (Piëch) auch immer die Möglichkeit, eigene Konsequenzen zu ziehen“, fügte der Insider hinzu. Piëchs Büro in Salzburg wollte sich nicht äußern.

Bei dem Krisentreffen am Sitz der Familien Porsche und Piëch vergangene Woche in Österreich war es beinahe zu einer Revolte gegen Piëch gekommen, der an seiner Kritik an Winterkorn festhielt. Bereits damals hatte ein Rückzug Piëchs im Raum gestanden.

Am Sonntag stellten sich dann mehrere Mitglieder des Präsidiums jedoch hinter Piëch, um eine Demontage des Firmenpatriarchen zu verhindern. „Es gibt keinen Grund, den Rücktritt von Dr. Piëch zu betreiben“, betonte der frühere IG-Metall-Boss Berthold Huber, der im Machtzentrum des Wolfsburger Konzerns sitzt. Piëch habe in der Vergangenheit und der Gegenwart Großes für das Unternehmen geleistet.

Die Arbeitnehmer hätten die feste Absicht, den erfolgreichen Weg von Volkswagen mit Piëch und dem durch das Präsidiumsvotum gestärkten Konzernchef Martin Winterkorn fortzusetzen, sagte Huber. Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh setzte sich für das Gespann aus Piëch und Winterkorn an der VW-Spitze ein.

In der Staatskanzlei in Hannover herrscht die Meinung vor, dass Piëch nun unter Beweis stellen muss, dass er „gut und professionell“ im Sinne des Unternehmens handelt. „Ich habe den Eindruck, dass er das verstanden hat“, sagte die Person. Sie verwies auf Piëchs Erklärung gegenüber dem „Spiegel“, wonach der 78-Jährige das Kriegsbeil begraben haben will.

Piëch hatte am Donnerstag Berichte dementiert, er forciere hinter den Kulissen weiter die Ablösung von Winterkorn: „Herr Winterkorn und ich haben uns vergangene Woche ausgesprochen und uns auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt.“ Kritiker halten diese Erklärung jedoch für unglaubwürdig.

Konzernkennern zufolge soll der Aufsichtsratschef bei einem Familientreffen noch in dieser Woche versucht haben, eine Mehrheit zu bekommen, um den VW-Chef doch noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai aus dem Amt zu drängen. Laut "Spiegel" soll er dabei Porsche-Chef Matthias Müller gebeten haben, sich auf einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden des Wolfsburger Autokonzerns vorzubereiten. Die Familienholding Porsche SE lehnte eine Stellungnahme ab. Auch Skoda-Chef Winfried Vahland war in den vergangenen Tagen als Nachfolgekandidat für Winterkorn genannt worden.

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Aufsichtsräte nehmen Piëch ins Visier

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„Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht.“

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  • Das Handelsblatt liegt wieder einmal schwer daneben. Von einem "Wirtschaftsblatt" sollte man eigentlich mehr Sachkenntnis erwarten.
    Wie immer..
    Hr. Piech sowie sein Familienclan sind die Eigentümer, hier sogar Mehrheitsanteilseigner, an dem VW-Konzern. Hr. Piechs Rolle geht damit weiter über jene eines AR-Mitglieds hinaus.
    Hr. Winterkorn wiederum ist Angestellter dieses Unternehmens. Ein hochbezahlter zwar, aber dennoch immer noch ein Angestellter.
    Wie die Sache am Ende des Tages ausgehen wird, ist damit eigentlich klar.

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